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Sonntag, 18. August 2019

Lasso, Orlando di - Lagrime di S. Pietro

Schwere Bussgewänder


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


1594, im Jahr seines Todes, komponierte Orlando die Lasso seine ?Bußtränen des Heiligen Petrus?. Es war die Zeit des musikalischen Aufbruchs. Die Oper steckte in den Kinderschuhen und machte sich anheischig, eine neue Form des musikalischen Ausdrucks einzuläuten. Die ?Lagrime di S. Pietro? sind Lassos kontemplative Rückschau auf die vergangene Zeit und seine eigene meisterhafte Kunst, mit der er ? neben Palestrina ? großen Einfluss auf eine schier unüberschaubare Vielzahl an Komponisten ausgeübt hatte. Die ?Bußtränen? sind das literarische Werk von Luigi Tansillo, der 1539 unter dem Zwang der Inquisition versprach, diese Bußverse zur Vergebung seiner Sünden zu verfassen. Doch erst 1568 wurden sie vollendet, kurz vor dem Tod des Dichters. Lasso vertonte 20 Stanzen aus Tansillos ?Lagrime di S. Pietro? gleichsam als ganz persönliches ?mea culpa? am Ende seines Lebens. Das italienische Ensemble ?Capella Ducale Venetia? hat unter der Leitung von Livio Picotti die ?Lagrime di S. Pietro? für ?cpo? eingespielt.

Das Vokalensemble wartet mit einem äußerst homogenen Zusammenklang auf. Einzelstimmen tun sich nur dann hervor, wenn es im musikalischen Zusammenhang angemessen ist. Die Sängerinnen und Sänger haben alle ausgebildete Stimmen, können auch bei längeren Phrasen die Spannung ungemein flexibel gestalten und formen die vokalen Motivpartikel durch lebendige Dynamik aus. Das Ensemble singt mit wenig Vibrato und vermeidet, wie leider sonst so häufig der Fall bei der Interpretation dieser Musik, das affektierte Nachdrücken der Töne. Jedoch geraten die einzelnen Stücke zu gleichförmig in der agogischen Ausdeutung und auch das Wort-Ton-Verhältnis, vor allem in den melismatischen Abschnitten, weicht einer allzu breit angelegten Kontemplation. Die ist zwar durch den Grundgestus der Komposition bereits vorgezeichnet, aber wenn eine bestimmte Textbedeutung auskomponiert ist, müsste sie mit einer gewissen Lebendigkeit erfüllt werden.
Über die Notwendigkeit der Begleitung durch Instrumente, die hier klanglich eher stören als eine echte Bereicherung darstellen, ließe sich musikwissenschaftlich trefflich streiten. Das Klangbild wird hier durch den Einsatz von Instrumenten sehr abgedunkelt und die Klarheit und Reinheit des Vokalen empfindlich gehemmt. Zwar gewinnen die Instrumente klanglich nie die Oberhand, dennoch ist die Textverständlichkeit sehr eingeschränkt. Anders ausgedrückt: sie ist überhaupt nicht vorhanden. Man erahnt, dass das Ensemble italienisch singt, nimmt aber lediglich Vokale und Konsonanten wahr. Die Bündelung der A-capella-Errungenschaften der franko-flämischen Schule, wie sie die Werke Lassos darstellen, wäre hier besser rein vokal auszuführen gewesen.
Die Tontechnik unterstützt die Tiefenlastigkeit durch ein recht dunkles Klangbild in novembernebligen Farben.

Wie immer bei ?cpo? ist das dicke Booklet mit gutgearbeiteten Texten versehen und darüber hinaus enthält es die Gesangstexte auch in deutscher und englischer Übersetzung. Sündenvergebung im schweren Bußgewand.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lasso, Orlando di: Lagrime di S. Pietro

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.05.2003
56:53
2000
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0761203986224
999 862-2

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Lasso, Orlando di


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Dirigent(en):Picotti, Livio
Interpret(en):Capella Dvcale Venetia,


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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