> > > Scarlatti, Alessandro: Der Triumph der Ehre
Samstag, 27. Mai 2017

Scarlatti, Alessandro - Der Triumph der Ehre

Neapolitanische Liebeswirren


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Scarlattis leider wieder vergessene komische Oper wartet dringend auf eine Neuentdeckung. Dazu kann diese Doppel-CD vielleicht ihren Teil beitragen.

Alessandro Scarlattis Commedia 'Il trionfo dell’onore' dürfte sogar für Opernfans mit ausgedehnter Repertoirekenntnis eher zu den unbekannten Opern gehören. Das frühe Beispiel einer neapolitanischen komischen Oper aus dem Jahr 1718 wurde nach seiner Uraufführungsserie erst 1940 wieder zugänglich gemacht – in einer ordentlich gekürzten und revidierten Version. Einen Siegeszug hat Scarlattis 'Trionfo dell’onore' dennoch nicht über die Bühnen angetreten, nach ein paar wenigen Wiederbelebungen wurde es erneut totenstill um das Werk.

Das ist schade, denn in dieser kurzweiligen und knackigen Version von 1940, die gerade mal gute 80 Minuten dauert, macht diese komische Oper wirklich Laune: Der junge Riccardo verführt so ziemlich jede Frau, die nicht bei Drei auf dem Baum sitzt, und seine unbekümmerte Libido scheint auch beträchtlich auf alle anderen Männer dieser Opernhandlung abzufärben, egal ob sie greise Lustmolche oder forsche Kapitäne sind. So wird in Windeseile geküsst, geliebt, verlassen, betrogen, geheult, gekämpft, neben psychisch auch physisch verletzt und final verziehen. Das ist teilweise mehr als absurd, aber ungeheuer unterhaltsam. Der Reigen aus acht liebestollen Neapolitanern hat zudem noch reizvolle Musik – kein atemberaubender Geniestreich, aber gute, solide Commedia-Musik, die auch nicht schlechter ist als so manche häufiger gespielte Barock-Ausgrabung.

Wiederveröffentlichung der Ersteinspielung

Was nach dem Hören der vorliegenden Einspielung auf jeden Fall bleibt, ist der Wunsch, man würde Scarlattis 'Trionfo dell’onore' wieder öfter auf einer Opernbühne erleben können. Die Aufnahme selbst ist aus heutiger Sicht kaum mehr als ein hübsches Sammlerstück aus den Archiven des italienischen Rundfunks. Sie entstand als Ersteinspielung 1950 in Mailand und stellt das wohl früheste Tondokument von Carlo Maria Giulini als Operndirigent dar. Beim Label Profil Edition Günter Hänssler ist sie nun auf zwei CDs erschienen, zuvor gab es sie aber auch schon bei anderen kleineren Labels.

Das Klangbild ist dem Aufnahmejahr entsprechend, wenn auch gerade der Orchesterklang in seiner verwaschenen Dumpfheit ziemlich enttäuscht, während die Stimmen klar und präsent erscheinen. Doch auch dieses Problem war bei den älteren Veröffentlichungen der Aufnahme bereits vorhanden, es liegt wohl in den Originalbändern bzw. den alten Cetra-LPs begründet. Soweit man es beurteilen kann, spielt das Orchestra Lirica di Milano della RAI eher unkonzentriert. Vielleicht entsteht dieser Eindruck aber durch die fehlende Routine in diesem Opernrepertoire. 1950 waren Scarlattis Opern sicherlich nicht an der Tagesordnung, und das Rundfunkorchester war mit Verdi und Donizetti deutlich vertrauter. Dennoch befeuert Giulini die Musiker mit einer ordentlichen Portion Energie und Lust an der Komödie.

Homogenes Ensemble

Diese Lust spiegelt sich vor allem bei den Gesangssolisten wider, die bestes Ensembletheater aufbieten. Niemand spielt sich mit Starallüren in den Vordergrund, niemand geht unter. In den jeweiligen Arien entwickeln die Künstler ihre Charaktere, in den komödiantischen Ensemblenummern wird jede aufzubietende Theatralik bedient. Nur die Rezitative gestalten sich eher langatmig und steif. Da ist man als heutiger Hörer seit Jacobs und Curtis eine andere Lebendigkeit gewohnt.

Sante Messina gibt überzeugend den komischen Alten Flaminio, der mit wackerer Greisenstimme zwischen weinerlichem Seufzen und spitzbübischem Augenzwinkern changiert. Der Tenor hat hörbaren Spaß, ebenso der Bass-Bariton Afro Poli als kraftvoll zupackender Capitan Rodimarte oder die temperamentvolle Eugenia Zareska als Dienerin Rosina.

Als alte Gutsbesitzerin Cornelia setzt Ornella Rovero mit ihrem prägnanten Sopran gekonnte Spitzen, sowohl inhaltlicher als auch akustischer Art, und Rosanna Zerbini gibt die umschwärmte Doralice mit silbrig mädchenhaftem Ton. Der dauerdepressiven Leonora verhilft Amalia Pini mit pastosem Alt zu tragisch-komischem Profil und ihr gehörnter Gatte Erminio ist bei Mario Borriello in ebenfalls besten Händen.

Einzig der Tenor Amedeo Berdini als Schwerenöter Riccardo hat so seine Meriten, die wahrscheinlich auf eine stilistische Unsicherheit zurückzuführen sind: Er muss seine strahlkräftige Stimme dauernd künstlich verschlanken, was zu irritierendem Säuseln führt, das in dieser inflationären Verwendung kein gewollt verführerischer Tonfall sein kann. Die leicht gedachten Höhen falsettiert Berdini, um vermutlich den angestrebten Barockton anzudeuten. Aus heutiger Sicht kann das nicht überzeugen, hier fällt es schwer, die Ohren auf das Jahr 1950 einzustellen und einfach den offenkundigen Charme Berdinis, der ansonsten für seinen Florestan in 'Fidelio' oder für schwerere Donizetti-Helden bekannt war, gelten zu lassen.

Alessandro Scarlattis leider wieder vergessene komische Oper wartet dringend auf eine Neuentdeckung. Dazu kann diese Doppel-CD vielleicht ihren Teil beitragen. Ein Muss für den Plattenschrank ist die Veröffentlichung aber nicht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Scarlatti, Alessandro: Der Triumph der Ehre

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Anzahl Medien:
Profil - Edition Günter Hänssler
2
EAN:

881488160550


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Scarlatti, Alessandro


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
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Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
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