> > > Evgeny Mravinsky Edition Vol.2: Werke von Tschaikowsky, Mozart, Berlioz, u.a.
Freitag, 15. Dezember 2017

Evgeny Mravinsky Edition Vol.2 - Werke von Tschaikowsky, Mozart, Berlioz, u.a.

Kalte Glut


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auf ihre Weise sind diese Musiker unübertroffen.

Dies ist das zweite Album der Jewgeni Mrawinski-Edition bei Profil Edition Günter Hänssler. Es bietet Aufnahmen der vierziger und fünfziger Jahre aus Leningrad: Tschaikowskys 'Nussknacker'-Suite und Sechste Sinfonie ('Pathétique'), Strawinskys 'Petruschka'- und 'Feuervogel'-Suiten, Prokofjews 'Romeo und Julia'-Suite Nr. 2 und dessen Sechste Sinfonie, Richard Straussens 'Alpensinfonie' und Hector Berlioz’ 'Symphonie fantastique', einige Nebenwerke von Bizet, Wagner und Mozart. Es handelt sich zum Teil um Liveaufnahmen – von Studioproduktionen sind sie kaum zu unterscheiden: Die Leningrader Philharmoniker agieren auf höchstem technischem Niveau, mit atemverschlagender Genauigkeit des Zusammenspiels und der Intonation, der Steigerungen und Phrasierung, rhythmischem Unterscheidungsvermögen und gläsernem Tutti. Die Proben sind offenbar grausam gewesen, mit Drill bis in die Fingerspitzen. Allein es hat sich ausgezahlt. Im Angstschweiß ihres Angesichts haben diese Musiker alle Rivalen auf hintere Plätze verwiesen. In Mitteleuropa dürfte es keine solcherart disziplinierten, technisch unfehlbaren Orchester gegeben haben. Die Wiener und Berliner Philharmoniker jener Jahre nehmen sich wie ehrenvolle Laienensembles aus. Musikalische Kleinmeister vom Schlage Karl Böhms, als Großmeister objektivierten Ausdrucks geheiligt, schrumpfen auf authentisches Zwergenformat. Probensadismus ist nicht genug.

Nicht, dass dies musizierende Maschinen wären. Zumal Tschaikowsky fehlt es nicht an Emphase. Wer hätte ihm solche rhythmischen Kräfte zugetraut? Tektonische Klarheit und Festigkeit? Herben Ausdruck ohne Larmoyanz?

Wenige Dirigenten haben dynamische und Tempo-Proportionen so mathematisch präzise formuliert. Wenige setzen Stimmen so sinnvoll ins Verhältnis. Alle Instrumentengruppen scheinen gleichmäßig durchgebildet. Wenn Entsprechendes geleistet wurde, dann in Chicago durch Fritz Reiner. In Mrawinskys nüchterner Klangwelt nimmt sich das typisch russische Tremolo des Blechs bisweilen wie ein Fremdkörper aus – ein menschlicher Makel auf eisigen Höhen der Vollendung. Das Atmen fällt leichter.

Fritz Reiner, ein Schinder auch er, standen hervorragende Aufnahmegeräte zur Verfügung. Mrawinsky kann damit nicht prunken. Gleichwohl – Holger Siedler hat ein solides Remastering besorgt: wenig Rauschen, dynamische Weite, gute Durchhörbarkeit. So geht die verblüffend genaue Artikulation nicht verloren. Den Mrawinsky-Ausgaben der billigen Labels sind Hänsslers Platten vorzuziehen. Auch die Darbietungsform hebt sich vom Marktüblichen vorteilhaft ab: Genaue diskographische Angaben, ein verständiger Essay Lothar Brandts, Cover und Layout ohne Großsprecherei.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Evgeny Mravinsky Edition Vol.2: Werke von Tschaikowsky, Mozart, Berlioz, u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Profil - Edition Günter Hänssler
6
29.07.2016
EAN:

881488160260


Cover vergössern

Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
PROFIL: Ein Programm - eine Verpflichtung aus Tradition!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Profil - Edition Günter Hänssler:

  • Zur Kritik... Für Tournee und Touristen?: Muss man das verstehen? Innerhalb kürzester Zeit kommen gleich drei verschiedene Versionen von Bruckners Vierter Symphonie heraus, dirigiert von Christian Thielemann. Ist seine Interpretation so genial, dass sie das rechtfertigt? Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Die vierte Neunte: Historisch wertwoll mit leichter klangtechnischer Patina: Das NDR Sinfonieorchester spielt unter Kurt Sanderling Mahlers Neunte. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Schubert auf russisch: Swjatoslaw Richter spielt Schubert und erkundet dabei fast durchweg extreme Ausdrucksbereiche. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Profil - Edition Günter Hänssler...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Daniel Krause:

blättern

Alle Kritiken von Dr. Daniel Krause...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Für Tournee und Touristen?: Muss man das verstehen? Innerhalb kürzester Zeit kommen gleich drei verschiedene Versionen von Bruckners Vierter Symphonie heraus, dirigiert von Christian Thielemann. Ist seine Interpretation so genial, dass sie das rechtfertigt? Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Kunst des Sich-Fügens?: Die ultimative, einzig wahre Aufführung eines rätselhaften Werkes? Mit diesem Anspruch kommt eine Neuaufnahme daher (mit mehr als zwanzig Jahren Vorlauf). Überzeugend? Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Der Unbekannte Wagner: Es gibt Werke von Richard Wagner, für die sich die Nachwelt in gewisser Weise zu schämen scheint. Seine frühen Ouvertüren lassen den späteren kompositionsgeschichtlichen Revolutionär kaum schon erahnen. Märkls geballte Sammlung hat aber Informationswert. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Dank an das Leben

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2017) herunterladen (0 KByte) Class aktuell (4/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich