> > > Rhapsodien: Werke von Chabrier, Ravel, Liszt u.a.
Sonntag, 20. Oktober 2019

Rhapsodien - Werke von Chabrier, Ravel, Liszt u.a.

Feuerwerk der Klangfarben


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Unter der Leitung von Mariss Jansons lässt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks die Zuhörer auf künstlerisch beeindruckende Weise spüren, welch enorme klangfarbliche und rhythmische Vielfalt die Gattung der Rhapsodie zu bieten hat.

Die Gattung der Rhapsodie ist auf den ersten Blick ebenso schillernd wie rätselhaft. Aufgrund ihrer vermeintlichen Formlosigkeit erscheint die Musik schwerer greifbar als jene, die formalen Mustern folgt. Der Interpret der Rhapsodie steht nun vor der Herausforderung, eine Verbindung zwischen Komponist bzw. Werk und Publikum herzustellen, indem er einerseits die scheinbar bruchstückhaften Gedanken in einen Zusammenhang bringt und sie dem Zuhörer anschließend auch noch verständlich zu präsentieren versucht. Wie überzeugend das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Leitung von Mariss Jansons diesem Anspruch gerecht geworden ist, darf derjenige erleben, der in den Genuss dieses bei BR-Klassik veröffentlichten Mitschnitts eines Konzerts vom Oktober 2015 kommt.

Musikalisches Mosaik

Wie schon der Begriff der Rhapsodie ursprünglich das erzählende Moment in sich trug, wie Renate Ulm in ihrem ebenso informativen wie auch spannend geschriebenen Booklet-Text schreibt, fühlt sich der Zuhörer von Anfang an in unterschiedlichste Welten entführt, manche bekannt und vertraut, manche exotisch und fremd. Dramaturgisch geschickt ist die Abfolge der Titel angeordnet. Die Eröffnungsrhapsodie 'España' von Emanuel Chabrier weckt allein schon durch die lautmalerischen Aspekte wie typisch spanische Rhythmen und Kastagnetten-Klänge ein Gefühl von Vertrautheit. Die eingängige, leicht verständliche Melodik sorgt darüber hinaus für die charakteristisch mitreißende Wirkung dieser Musik.

In ihrem Vorwort zu der vorliegenden Aufnahme wählt Renate Ulm die Metapher des Flickenteppichs, um der Bedeutung einer Rhapsodie auf die Spur zu kommen. So treffend diese Beschreibung auch zunächst ist, zumal sie auf den hier präsentierten musikalischen Farbreichtum anspielt, so lässt sie die kunstvolle Verwobenheit der einzelnen Bruchstücke jedoch außer Acht. Die hier versammelten Kompositionen sind mehr als lose zusammengefügte Versatzstücke. Vielmehr gleicht jedes von ihnen einem aufs Feinste komponierten musikalischen Mosaik, das den Hörer nicht nur durch seinen farblichen Reichtum in Erstaunen versetzt, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass der angeblich charakteristische Aspekt der Formlosigkeit in den Hintergrund gerät und das ebenso typische erzählende Moment zur Geltung kommt. Wie es der Rhapsode im Optimalfall erzielte, Gefühle verschiedenster Art durch seine gesungenen oder gesprochenen Worte auszulösen, so gelingt es den Musikern der vorliegenden Aufnahme, auch die instrumentalen Rhapsodien in ähnlicher Weise zu interpretieren – und dies mit einer Energie, Frische und Feurigkeit, die den am Schluss jedes Stückes aufbrandenden frenetischen Applaus nur zu nachvollziehbar machen.

Denis Matsuev als moderner Rhapsode

Die von Denis Matsuev brillant gespielte 'Rhapsody in blue' von Gershwin ist eines der besonderen Highlights der vorliegenden Aufnahme. Mit beneidenswerter Leichtigkeit und einem exzellenten Gespür für den Witz und Charme dieser Musik gelingt es ihm, die unterschiedlichsten Nuancen pianistischer Raffinesse herauszuarbeiten, ohne dass es jemals angestrengt oder bemüht wirken würde. Im Gegenteil: Wer Matsuev zuhört, vermeint weniger eine vollendete und im Notentext fixierte Komposition zu hören, sondern eine Improvisation, die aus dem Augenblick heraus entstanden ist und in ihrer Spontaneität umso mehr die Vorstellung eines umherziehenden Rhapsoden heraufbeschwört.

Liszts Ungarische Rhapsodie Nr. 2 als fulminanter Ausklang

In der dramaturgischen Abfolge eines Konzerts erweist es sich oft als kluger Schachzug, das Programm mit vertrauten Klängen zu umrahmen. Auch in dieser Hinsicht zeigt sich die vorliegende Aufnahme als überaus gelungen, zumal sie ihren Reigen der Rhapsodien mit Liszts 'Ungarischer Rhapsodie' Nr. 2 beschließt – einem Werk, das nicht nur eine der bekanntesten Rhapsodien sein dürfte, sondern auch noch zu den beliebtesten Werken der klassischen Literatur gehört. Dennoch birgt auch dieses scheinbar so vertraute Stück die Gelegenheit, es noch einmal aus anderer Perspektive zu hören, zumal es sich hier nicht um die Originalfassung für Klavier, sondern um eine Bearbeitung für Orchester von Karl Müller-Berghaus handelt. Schon die pompösen Eröffnungstakte, hier von den tiefen Streichern vorgetragen, wirken in ihrer Bedrohlichkeit respekteinflößend, wecken aber gleichzeitig auch die Neugierde auf das Feuerwerk an verschiedensten Stimmungen, die dem Zuhörer im Laufe des Stückes präsentiert werden.

Festzuhalten bleibt, dass es sich hier um eine außergewöhnlich hörenswerte Einspielung handelt, die gerade durch ihre ungewöhnliche, themengebundene Zusammenstellung der Titel eine Bereicherung für jedes gut sortierte CD-Regal darstellt.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Rhapsodien: Werke von Chabrier, Ravel, Liszt u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
29.07.2016
063:57
2015
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001464
900146


Cover vergössern

Chabrier, Alexis Emanuel
 - España (Rhapsodie für Orchester) -
Enescu, George
 - Rumänische Rhapsodie Nr. 1 A-Dur op. 11 Nr. 1 -
Gershwin, George
 - Rhapsody in Blue (bearb. für Klavier und Orchester von Ferde Grofé) -
Liszt, Franz
 - Ungarische Rhapsodie für Orchester Nr. 2 (bearb. für großés Orchester von Karl Müller-Berghaus) -
Ravel, Maurice
 - 1. Prélude à la nuit: Très modéré -
 - 2. Malagueña: Assez vif -
 - 3. Habanera: Assez lent et d'un rythme las -
 - 4. Feria: Assez animé -


Cover vergössern

"Fünf berühmte Rhapsodien finden sich auf der jüngsten CD von BR Klassik, die ganz unterschiedliche Komponisten aus verschiedensten Regionen mit viel Phantasie und Lokalkolorit erdacht und erarbeitet haben. Der Franzose Emmanuel Chabrier wendete sich mit seiner Rhapsodie „España“ ebenso der damals so beliebten iberischen Musik und Volksmusik zu, wie sein berühmterer Landsmann Maurice Ravel in seiner „Rhapsodie espagnole“, deren Viersätzigkeit noch auf die eigentlich längst überholten sinfonischen Formstrukturen zurückverweist. Von dem gebürtigen Ungarn Franz Liszt erklingt die berühmte „Ungarische Rhapsodie“ Nr. 2 und von dem Rumänen George Enescu die kaum weniger bekannte und beliebte „Rumänische Rhapsodie“. Der Amerikaner George Gershwin schuf mit seiner „Rhapsody in Blue“ für Klavier und Orchester schließlich das wohl bekannteste Beispiel der rhapsodischen Gattung im 20. Jahrhundert… Die freie musikalische Form der Rhapsodie, die sich im späten 18. Jahrhundert entwickelt hatte, war vor allem im späten 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert ungemein beliebt geworden. Im Gegensatz zu jener starren, festgefügten Sonatensatzform, wie man sie aus Sonate, Quartett, Konzert und Symphonie kannte, wurde die rhapsodische Form von Komponisten, Musikern wie auch vom Publikum als abwechslungsreiche Gattung verstanden und in höchstem Maße geschätzt. Die mannigfaltigen phantasievollen Gestalten, die eine solche Rhapsodie anzunehmen und abzubilden vermochte, dürfte den romantischen Vorstellungen der Menschen jener Zeit darüber hinaus sehr viel näher gestanden haben, als alles formalistisch Vorausbestimmte der Klassik, einer mittlerweile lange überkommenen Epoche. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Leitung seines Chefdirigenten Mariss Jansons steht als Garant für ausgezeichnete interpretatorische Qualität der großen rhapsodischen Musikwerke; der russische Pianist Denis Matusev – weltbekannt seit seinem Sieg beim Tschaikowsky-Klavierwettbewerb 1998 in Moskau –beweist sich als souveräner und stilsicherer Interpret von George Gershwins mit Jazzelementen durchsetztem konzertantem Meisterwerk. Die Live-Aufnahme dieses Konzerts wurde im Oktober 2015 im Herkulessaal der Münchener Residenz aufgezeichnet. "


Cover vergössern

BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BR-Klassik:

  • Zur Kritik... Das alternative Brahms-Erlebnis mit Otto Klemperer: Bevor Otto Klemperer die Brahms-Symphonien für EMI in London im Studio einspielte und damit einen Meilenstein der Brahms-Diskografie schuf, dirigierte er die Vierte 1957 live in München. Jetzt wurde der Mitschnitt neu remastered auf CD veröffentlicht. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Vokale Schwankungen: Ivan Repusic erweist sich in Verdis 'I Due Foscari' wieder einmal als leidenschaftlicher Operndirigent. Der Mitschnitt kann allerdings auf Grund der Solistenriege nur bedingt überzeugen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Wahnsinnsfacetten: Ein Muss ist dieser 'Sigismondo' gewiss nicht, aber Rossini-Raritäten-Fans und Freunde schöner Stimmen kommen an dieser Veröffentlichung vermutlich nicht vorbei. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von BR-Klassik...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Uta Swora:

  • Zur Kritik... Stimmiges Klangporträt: Mit Kompositionen von Schubert und Schumann zeichnen Christian Mattick und Mathias Huth ein musikalisches Aquarell der Romantik, wie es farbenfroher und in sich stimmiger kaum sein könnte. Das Duo beschert dem Zuhörer Kammermusik auf höchstem Niveau. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Berauschend: Das Duo imPuls, das die berühmten Präludien Bachs in einem völlig anderen Licht präsentiert, geht mit dieser CD-Veröffentlichung ein revolutionäres Wagnis ein. Wer sich allerdings auf den ungewöhnlichen Klanggenuss einlässt, wird reich belohnt werden. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Klangmalerei am Klavier: Die Klaviermusik von Igor Shamo ist eine bunte Mischung aus impressionistischen, freitonalen, folkloristischen und Jazz-Elementen. Dimitri Tchesnokov versteht es, jede dieser Nuancen kunstvoll und mit viel pianistischem Geschick zu gestalten. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Uta Swora...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Besser ungewohnt als traditionell: Mit dem Violinkonzert von Einojuhani Rautavaara scheinen sich die Musiker hier wohler zu fühlen als bei Sibelius. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Unbekanntes aus England: John Eccles und Gottfried Finger waren produktive Komponisten für Schauspielmusiken für das New Theatre Lincoln's Inn in London. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Das alternative Brahms-Erlebnis mit Otto Klemperer: Bevor Otto Klemperer die Brahms-Symphonien für EMI in London im Studio einspielte und damit einen Meilenstein der Brahms-Diskografie schuf, dirigierte er die Vierte 1957 live in München. Jetzt wurde der Mitschnitt neu remastered auf CD veröffentlicht. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2019) herunterladen (3600 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Schubert: Winterreise op. 89, D 911 - Gute Nacht

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich