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Samstag, 25. Mai 2019

Civitas Lipsiarum - Musik aus Alt-Leipzig

Mein Leipzig lob ich mir


Label/Verlag: Raumklang
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Leipzig - das ist Bach, vielleicht noch Mendelssohn, schon weniger Schumann und noch weniger Wagner. Aber Leipzig das ist auch Seth Clavisius, Johann Schelle, Johann Hermann Schein, Johann Rosenmüller und Tobias Michael. Dieses unbekannte Leipzig, das auf der vorbildlich aufbereiteten Cd ?Civitas Lipsiarum? (Raumklang) durch das Ensemble ?Alte Musik Dresden? wieder zum Leben erweckt wird, ist längst vergangen. Es war nicht zuletzt der Ruhm Bachs, der die Herren des 16. bis 17. Jahrhunderts, die ihren Teil zur beeindruckenden Leipziger Musikgeschichte beigetragen haben, fast samt und sonders vergessen machte. Einzelne Stücke wurden bewahrt, doch wer nicht das Glück hatte, später unter der strengen Obhut eines Nachfolgers Bachs als Thomasknabe zu trällern, der wird schwerlich etwas davon kennen gelernt haben. Bis heute fristet alles in Bachs Schatten ein kümmerliches Dasein und dennoch braucht es wohl gerade seinen Namen um eine Auseinandersetzung mit seinen Vorgängern zu begründen.

So schlägt gleich das erste Stück der vorliegenden Aufnahme den Bogen zu Johann Sebastian, der noch keine anderen als musikalische Gründe kannte, um sich für seine Vorläufer zu interessieren. Sein Interesse galt Seth Calvisius? fünfstimmiger Motette ?Freut euch und jubilieret.? Diese scheint ihm so gefallen zu haben, dass ihre anfängliche freudig sich aufschwingende Wendung Eingang in die Es-Dur-Fassung des Magnificats BWV 249a fand. Das Beiheft verweist - zu Recht mit Ausrufezeichen - auf die 120 Jahre, die zwischen diesen beiden Stücken liegen. Freudig jubilieren darf auch der Hörer beim Klang des Ensembles ?Alte Musik Dresden?. Um diesen vollends zu genießen, wählen Sie doch die entrückt schöne Motette ?Welt ade, ich bin dein müde? von Johann Rosenmüller. Das Vokalensemble von Alte Musik Dresden vereint glasklare Stimmen in fein austarierter Balance. Besonders die glöckchenreinen Soprane von Christine Maria Rembeck und Constanze Backes setzen den Stücken kleine Klangkrönchen auf. Der nie fahl klingende Altus von Alexander Schneider, sowie die hell timbrierten Männerstimmen fügen sich perfekt in ein harmonisches Klangbild, das von einer guten weit aufgefächerten Akustik mit einigem Nachhall getragen wird. Das Orchester agiert durchsichtig, besonders reizvoll dabei die gut hörbare Präsenz der Theorben.
Der interessierte Hörer kann durch diese CD die klingende Musikgeschichte der Thomaskirche, Bachs Wirkungsstätte lebendig erfahren, wo zu allen Zeiten hervorragende Musiker gewirkt haben. Seth Calvisius, Johann Hermann Schein, Tobias Michael, Sebastian Knüpfer und Johann Schelle bilden eine ununterbrochene Linie von 1594 bis 1701. Knüpfer, ein Meister prächtig besetzter Geistlicher Konzerte, besticht mit ?Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn? durch den Einsatz herb dissonanter Wendungen. Sein Nachfolger Schelle hingegen vertritt einen unaufgeregt, fließend volltönenden Vokalstil, in dem farbigen Chorwirkungen die meiste Bedeutung zukommt. Alte Musik Dresden kostet mit fülligem Klang diese Preziosen stilsicher aus.

Civitas Lipsiarum ist eine wissenschaftlich und musikalisch äußerst sorgfältig gemachte CD, die jedem an Vokalmusik interessierten Freude machen wird. Zum Glück bleibt man mittlerweile nicht mehr auf den Ausschnitten dieser reichen Musikkultur sitzen. Bei Hyperion hat The King?s Consort unter Robert King zwei CDs mit Musik Johann Schelles und Sebastian Knüpfer auf vergleichbar hohem Niveau eingespielt. ?Alte Musik Dresden? verführen zweifellos zu einer kleinen Entdeckungsreise ins alte Leipzig.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Civitas Lipsiarum: Musik aus Alt-Leipzig

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Raumklang
1
02.06.2003
57:49
1999
2002
EAN:
BestellNr.:
4018767099041
RK 9904

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Calvisius, Seth
Fabricius, Werner
Isaac, Heinrich
Knüpfer, Sebastian
Michael, Tobias
Rosenmüller, Johann
Schein, Johann Hermann
Schelle, Johann
Weckmann, Jacob


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Dirigent(en):Schuster, Norbert
Interpret(en):Ensemble "Alte Musik Dresden",


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Raumklang

Das Label RAUMKLANG wurde 1993 von Sebastian Pank in Leipzig gegründet. Nach wie vor steht der Name Raumklang für ein authentisches Klangerlebnis. Die Aufnahmen entstehen überwiegend mit nur einem Stereo-Kugelflächen-Mikrophon (One-Point-Recording).
Den Schwerpunkt aller RAUMKLANG-Veröffentlichungen bildet die Alte Musik. In jüngster Zeit ergänzt neben experimenteller/zeitgenössischer Musik eine Reihe mit Weltmusik das RAUMKLANG-Programm. Für seine aufwendig produzierten und anspruchsvoll gestalteten CDs mit ausführlichem Begleitheft erhielt RAUMKLANG bereits zahlreiche begehrte Auszeichnungen, darunter "Grand Prix de l'Académie Charles Cros" und den "Diapason 5".
Seit 1998 liegt der Hauptsitz des Labels auf Schloss Goseck in Sachsen Anhalt, auf dem sich in den letzten Jahren das "Europäsiche Musik- und Kulturzentrum" sowie ein Zentrum für Archäologie (7000 Jahre altes Sonnenobservatorium) etabliert haben. Nicht zuletzt aus dieser Verknüpfung ergeben sich zahlreiche Kontakte zu renommierten Künstlern der Alten Musik im In- und Ausland.
Seit 2003 veröffentlicht RAUMKLANG verschiedene Editionen. Jede Edition wird von einem anderen Produzenten herausgegeben und erweitert damit die Vielfalt des Labelrepertoires. So erscheint neben edition raumklang von Sebastian Pank (Schloss Goseck) die marc aurel edition in Köln, gegründet von Aurelius Donath. Aus der Zusammenarbeit mit der berühmten Schola Cantorum Basiliensis (SCB) in Basel hat sich die schola cantorum basiliensis edition ergeben. In dieser Reihe stellt der Produzent Thomas Drescher (stellv. Direktor der SCB) viel versprechende Absolventen aus Basel vor. 2005 entstand aus den engen Kontakten zur Musikstadt Leipzig eine weitere neue Edition: Unter dem Namen edition apollon veröffentlicht nun das international bekannte Vokalesemble "amarcord" seine CDs.


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