> > > Rossini, Gioachino: Il Viaggio a Reims
Montag, 29. Mai 2017

Rossini, Gioachino - Il Viaggio a Reims

Zweieinhalb Stunden Spaß


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Naxos-Neuerscheinung von Rossinis 'Il viaggio a Reims' ist jeden Cent wert!

Die Diskographie von Gioachino Rossinis 'Il viaggio a Reims' ist mehr als übersichtlich – zu den beiden CD-Mitschnitten unter der Leitung von Claudio Abbado sind bislang nur eine Handvoll DVD-Veröffentlichungen hinzugekommen. Erst Anfang der 1980er Jahre hat man spielbares Material dieser ‚Gelegenheitsoper‘ wiederentdeckt und neu editiert. Die Ersteinstudierung durch Claudio Abbado war legendär. Seither gibt es zwar immer wieder Aufführungen der 'Viaggio a Reims' – aber das können sich eben nur die wirklich großen Opernhäuser leisten. Denn Rossinis überdimensionierter Einakter – 'Il viaggio a Reims' dauert fast so lange wie Wagners 'Rheingold' und hat ebenfalls keine Pause – fordert eine illustre Besetzung, die nach den Besten der Besten verlangt. Von den fünf Tenorrollen müssen mindesten zwei mit geläufigen Rossini-Kehlen besetzt sein; hinzu kommen unter anderem fünf große Bassrollen, drei Sopran-Hauptpartien mit allem, was ein Rossini-Sopran eben können muss, ein obligatorischer Koloratur-Alt und zahlreiche kleine Nebenrollen, die sich durch alle Stimmlagen ziehen.

Bei der Uraufführung 1825 konnte Rossini all diese Rollen mit der allerersten Sängerriege seiner Zeit besetzen, weil das Werk im Auftrag der Feierlichkeiten zu Krönung Karls X. entstand. Eine wirkliche Handlung ist bei diesem Staraufgebot letztlich nebensächlich, viel interessanter ist der liebevolle und detailversessene Blick auf die einzelnen Charaktere. In 'Il viaggio a Reims' treffen sich internationale Gäste in einem Badehotel, von dem aus sie am nächsten Tag zur aktuellen Krönungszeremonie weiterreisen wollen. In diesem Hotel ist aber genug Zeit für Liebesbeziehungen, Eifersüchteleien und vor allem schamlose Selbstdarstellung. Die 'Reise nach Reims' macht genau aus diesem Grund schlichtweg höllischen Spaß, vor allem, wenn auf erstklassigem Niveau musiziert wird. Dann vergehen die zweieinhalb Stunden nämlich wie im Flug – so auch in dem eben bei Naxos veröffentlichten Mitschnitt vom Juli 2014 aus Bad Wildbad.

Auf drei CDs tummeln sich hier Nachwuchsstars Seite an Seite mit erfahrenen und renommierten Rossini-Spezialisten, die allesamt hörbare Freude an Parodie und Belcanto-Zauber haben. Ja – eine CD-Produktion mit Juan Diego Flórez, Joyce DiDonato, Diana Damrau, Lawrence Brownlee und Cecilia Bartoli mag momentan mehr Aufsehen erregen, aber eine gute CD-Produktion muss sich nicht schon in der Auflistung populärer Namen erschöpfen. Und beim Hören dieser Naxos-Einspielung fragt man sich ohnehin, warum so mancher der Mitwirkenden noch nicht mindestens sein erstes Solo-Album veröffentlicht hat oder seine Paraderollen nicht an den großen Opernhäusern dieser Welt singt. Vielleicht, weil sie klug genug sind, sich von der Plattenindustrie nicht verheizen zu lassen. Und wer regelmäßig die Rossini-Übertragungen zum Beispiel aus Pesaro im Radio hört, kann mit den Namen auf der Besetzung zweifelsfrei etwas anfangen.

So begeistern in dieser Produktion aus Wildbad vor allem die beiden Tenöre Bogdan Mihai und Maxim Mironov. Beide sind vokal schwindelfrei und glänzen neben der Geläufigkeit ihrer Gurgel mit betörendem Schmelz. Maxim Mironov vertraut als Conte di Libenskof auf sein feuriges Temperament und seinen kraftvollen Stimmkern, während Bogdan Mihai als Cavalier Belfiore mit jugendlicher Unbekümmertheit und Leidenschaft die Damen um den Finger wickelt.

Diese Damenriege ist mit viel Gespür für die verschiedenen Charaktere besetzt. So ist die Tiroler Hotel-Wirtin bei Alessandra Marianelli mit ihrer stimmlichen Frische und dem leichten, attraktiven Tremolo, das einen unterschwelligen Dauerjodler erinnert, in den besten Händen. Betörend sind Marianna Pizzolato als pastos-pathetische Marchesa Melibea und die hinreißende Contessa di Folleville von Sofia Mchedlishvili, die ihre Partie mit der richtigen Mischung aus furchtloser Koketterie, Charme und Souveränität gestaltet. Mchedlishvilis schwebende Piani, ihre glasklare Intonation und die perlenden Koloraturen sind ein Versprechen für die Zukunft.

Die Rolle der Improvisationskünstlerin Corinna ist mit Laura Giordano stimmschön und adäquat besetzt. Vor allem in den ruhigen, lyrischen Passagen findet Giordano zu stimmlicher Größe, während die geforderte oder zumindest erwartete Pyrotechnik eher bewältigt als souverän gestaltet klingt. Hier reicht die Besetzung nicht an große Rollenvorgängerinnen heran.

Die Bassriege ist wiederum gut aufeinander abgestimmt. Mirco Palazzi ist Rossini-erprobt und entlockt dem Lord Sidney kraftvoll intoniert zahlreiche Nuancen und Zwischentöne. Bruno Praticò geht den deutschen Major Baron von Trombonok mit seinen mittlerweile knarzigen Basstönen eher von der komödiantischen Seite an, und Bruno de Simone kreiert als Don Profondo ein wahres Kabinettstückchen. Seine Schnellsprecharie mit verschiedenen Stimmimitationen ist ein Showstopper. Aus der langen Besetzungsliste seien zudem noch Gezim Myshketa als profunder Don Alvaro und der vielversprechende Lucas Somoza Osterc in der kleinen Partie des Antonio erwähnt.

Am Pult der spielfreudigen Virtuosi Brunensis steht in Bad Wildbad wieder einmal Antonino Fogliani. Er lässt den Solisten genügend Raum, ihre Charaktere musikalisch zu entwickeln und befeuert das Geschehen zugleich mit einem sicheren Gespür für Energie und jenen unvergleichlichen Rossini-Puls, der die Musik am Leben hält. Bemerkenswert sind auch die am Klavier von Michele D’Elia begleiteten Secco-Rezitative, die mit ihren improvisierten Melodiezitaten nahtlos an die vorhergehenden Nummern anknüpfen und somit den musikalischen Fluss der Handlung sinnvoll befördern, anstatt ihn auszubremsen. So macht der Wechsel zwischen den großen Ensembles, Arien, Duetten und den oftmals drögen Rezitativen regelrecht Spaß. Diese Naxos-Neuerscheinung von Rossinis 'Il viaggio a Reims' ist jeden Cent wert!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rossini, Gioachino: Il Viaggio a Reims

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
3
24.06.2016
EAN:

730099038270


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Rossini, Gioacchino


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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