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Dienstag, 2. März 2021

Suk, Josef - Klavierwerke

Gedeckte Farben


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Karl-Andreas Kolly spielt zwei Klavierzyklen von Josef Suk. Er vermeidet durch seinen nüchternen Ansatz jegliche Sentimentalität und legt die Betonung auf eine möglichst transparente Struktur.

Josef Suks Klaviermusik klingt, jedenfalls die Werke dieser neuen Platte, ausgesprochen poetisch. Die um 1900 entstandenen Werke vermeiden die große Geste und die oberflächliche Virtuosität. Freilich sind sie gewiss nicht leicht zu spielen, ist doch der Klaviersatz sehr dicht. Aber es ist eben keine auf berauschende Effekte berechnete Virtuosität, schließlich war Josef Suk selbst kein konzertierender Klaviervirtuose, sondern Geiger.

Karl-Andreas Kolly setzt sich für diese sonst nie zu hörende Musik ein, und im Beiheft steht, sehr unauffällig, hinter der Bezeichnung des Instruments die Jahreszahl 1901. Der Flügel klingt nun zwar nicht ausgesprochen historisch, wohl aber etwas matter und weniger brillant als neuere Instrumente. Für die Aufnahmetechnik gilt das gleiche, der Klang ist eher etwas gedeckt und verhalten. Die Platte klingt somit zwar zunächst weniger spektakulär als manch andere moderne Aufnahme, aber der Klang ist im Ganzen angenehm und man gewöhnt sich schnell daran. Bei einer Musik wie oben beschrieben passen sowohl Instrument als auch Klangtechnik sogar sehr gut.

Bei den 'Stimmungen' op. 10 handelt es sich um fünf sehr frühe Stücke, die ihrer Entstehungszeit gemäß sehr stark nach ausgehendem 19. Jahrhundert klingen. Lautet auch der Titel des dritten Stücks 'Romanze', so klingt die Musik auf keinen Fall sentimental oder süßlich. Karl-Andreas Kolly trägt allerdings das Seine dazu bei, denn sein Ansatz ist doch ziemlich nüchtern. Die Artikulation ist relativ schlicht, dynamische Kontraste sind selbstverständlich vorhanden, allerdings mäßig ausgeprägt, und das Tempo ist grundsätzlich eher flott, vor allem aber nur bedingt flexibel. Rubati und Verzögerungen sind durchaus hörbar und wirken immer organisch, fallen aber vergleichsweise gering aus.

Sehr viel herber klingt der große Zyklus 'Erlebtes und Erträumtes' op. 30, komponiert 1909. Einige Tempi wären etwas ruhiger wohl mindestens ebenso schön, dass an einer Stelle im siebten Stück in jedem Takt sowohl Fortissimo als auch Akzente stehen, hätte man hörend nicht vermutet, und generell könnte man sich hier und dort einfach mehr Klang vorstellen. Karl-Andreas Kolly hält die ganze Struktur schon fast zu transparent, möchte wohl auch hier keine Sentimentalität aufkommen lassen. Dieser Ansatz ist nicht unattraktiv, wirkt allerdings sehr bescheiden und zurückhaltend.

Im Beiheft wird extra erwähnt, dass nicht nur die Tempoangaben, sondern nach Suks Willen auch die jedem Stück vorangestellte Ausdrucksbezeichnung angegeben werden soll, welche die Stimmung näher bezeichnet. Völlig unverständlich, dass dies in der Übersicht trotzdem nicht geschieht. Nur einige dieser Angaben werden, versteckt im Begleittext, genannt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Suk, Josef: Klavierwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
10.06.2016
Medium:
EAN:

SACD
760623195667


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Suk, Josef


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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