> > > Telemann, Georg Philipp: The Oboe-Album
Mittwoch, 28. Juni 2017

Telemann, Georg Philipp - The Oboe-Album

Schöner Telemann-Einstieg für Oboen-Freunde


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der wunderbar legato singende Oboenton von Marcel Ponseele und das spritzige Spiel seines Ensembles Il Gardellino kommen in dieser Auswahl von vier Concerti und acht Sonaten Telemanns hervorragend zur Geltung.

Beim aktuell auf dem Label Accent neu erschienenen ‚The Oboe Album‘ handelt es sich um eine Zusammenstellung der Telemann-Stücke aus früheren Anthologien des Oboisten mit Konzerten und Triosonaten verschiedener Komponisten (CD 1) sowie – als CD 2 – um eine schon 1995 mit Ponseeles Ensemble Il Gardellino produzierte CD mit Kammermusik ausschließlich von Telemann. Entsprechend unterschiedlich fällt zunächst der Klang aus: Die beiden 2002 in der Kirche St. Apollinaire (Bolland, Belgien) aufgenommenen Konzerte TWV 51:e1 und 51:f2, einst gekoppelt mit den Oboenkonzert-Reißern von Alessandro Marcello und Händel (HWV 287), kommen gegenüber dem recht natürlich klingenden, sehr gut aufgenommenen Restprogramm leider deutlich halliger daher. Selbst die 1995 mit kleinerer Besetzung eingespielten Sonaten aus verschiedenen Sammlungen Telemanns – repräsentative Exempla aus 'Die kleine Cammer-music' (1716, Partita IV TWV 41:g2), 'Der getreue Music-Meister' (1728/29, Nr. 50, Solo TWV 41:a3), der 'Tafelmusik' (1733, Teil III, Solo TWV 41:g6) und den 'Essercizii Musici' (1740, Nr. 24, Trio mit obligatem Cembalo TWV 42:Es3 nebst einzeln überlieferter Triosonate für 2 Oboen TWV 42:c4 und dem berühmten 'Concerto' für Trompete, 2 Oboen und Basso continuo TWV 43:D7 – sind vom Klang her wie auch in der überlegten Interpretation schon ziemlich beeindruckend (wenngleich das Cembalo von Pierre Hantaï vielleicht manchmal etwas zu sehr im Hintergrund bleibt): Sie besitzen ein hohes Maß an Transparenz, in der solistischen Darstellung auch des 'Concerto' frisch und meist flott im Tempo musiziert und ansprechend stark in den Affekten phrasiert.

Sinnfällige Artikulation in allen Stimmen

Ponseeles Ansatz ist für arios ausgerichtete Barockmusik ideal und fast einzigartig: Er versteht es, die Töne zumeist milder als die manchmal etwas keckernde Konkurrenz zu produzieren, verfügt über eine beeindruckende Legato-Kultur und natürliche rhetorische Phrasierung musikalischer Gedanken als Sinn- und Gefühlseinheiten. Deutlich wird das besonders im Vergleich der vier größer besetzten Konzerte der ersten CD mit den noch neueren Aufnahmen aus der Reihe der ‚Wind Concertos‘ mit dem Frankfurter Ensemble La Stagione unter Michael Schneider (Label: cpo): Deren 2007 aufgenommene vierte Folge präsentiert das e-Moll-Konzert für Oboe und auch das Solo-Konzert für Oboe d‘amore (TWV 51:A2, nicht wie angegeben A12, wohl ein Übertragungsfehler) mit dem Oboisten Martin Stadler zwar klangtechnisch noch ein wenig plastischer, aber in den melodischen Linien weniger rund und im Orchester auch etwas weniger federnd als Ponseele und sein Ensemble. Gerade die schnellere Tempowahl Ponseeles in den Largo-Sätzen beider Konzerte kommt einem letztlich sogar melancholischeren Ansatz des Ariosen zugute.

Und auch die zweite Übernahme aus einer Anthologie von Konzerten für Oboe d‘amore von 2004, das 'Concerto' TWV 53:E1 für Traversflöte sowie Oboe d‘amore und Viola d‘amore, bietet eine stimmige Leistung der drei Solisten (Ponseele, Jan De Winne, Francois Fernandez), welche die recht verbreitete, noch etwas brillanter gespielte, aber dafür weniger tänzerische Vergleichsaufnahme mit Emmanuel Pahud und Berliner Phlharmonikerkollegen (EMI/Warner) meines Erachtens stimmungsvoll übertrifft. Vervollständigt wird diese erste CD übrigens durch zwei weitere Triosonaten aus den 'Essercizii Musicali' (TWV 42:d4 und 42:g5), deren Erstveröffentlichung (Aufnahme 2005) ich allerdings nicht ermitteln konnte. Auch hier geht ein Vergleich der g-Moll-Sonate mit der Version auf einem schon sehr guten älteren Hyperion-Album der Chandos Baroque Players ganz zugunsten der Belgier aus: Die melodischen Modellierungen der Oboistin Valerie Darke sind dort – vor allem im spielfreudigen 'Allegro' an zweiter Stelle – zwar rhythmisch präziser, wirken auf Dauer aber eher steifer; Marcel Ponseele und Ryo Terakado an der Violine leisten nämlich zunehmend Erstaunlicheres hinsichtlich der zunehmenden dramatischen Verdichtung und emotionalen Intensität.

Wer diese Aufnahmen Ponseeles noch nicht in den Originalkoppelungen hat und eine hervorragende Kompilation der herausragenden Oboenstücke Telemanns sucht (oder teils ganz andersartig klingende Alternativen etwa zur cpo-Konzertreihe), dem sei dieses auch grafisch schön aufgemachte Doppelalbum nachdrücklich empfohlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: The Oboe-Album

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
2
03.06.2016
EAN:

4015023243149


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Telemann, Georg Philipp


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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