> > > Serpent & Fire: Arien von Purcell, Graupner, Sartorio u.a.
Samstag, 24. August 2019

Serpent & Fire - Arien von Purcell, Graupner, Sartorio u.a.

Von großen Frauen


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Anna Prohaskas neues und kluges Konzeptalbum ist zwei großen Frauen gewidmet: Dido und Kleopatra. Ihre Interpretationen der Barockkompositionen überzeugen durch große Musikalität, Ausdrucksstärke und Empfindsamkeit.

‚Serpent & Fire‘, Schlange und Feuer, heißt das neue Album von Anna Prohaska mit Arien aus der Barockzeit, und der Name ist Programm. Er steht für zwei verschiedene Frauen, für Kleopatra und Dido. Für zwei starke, große Frauen, genauer: für die Art, wie beide zu Tode gekommen sind. Kleopatra starb am Schlangengift und Dido, eine phönizische Prinzessin der Mythologie, starb zumindest in einer überlieferten Version durch Selbstverbrennung auf dem Scheiterhaufen. Prohaskas Durchführung ihres Themas ist ausgesprochen gelungen, weil sie nicht nur Georg Friedrich Händels Kleopatra aus seiner bekannten Oper 'Giulio Cesare in Egitto' und Henry Purcells Dido aus seiner 'Dido and Aeneas' ihre Stimme verleiht, sondern neben ihnen auch wesentlich unbekanntere Komponisten mit Arien dieser Frauen vertreten sind: So hört man aus Christoph Graupners Oper 'Dido, Königin von Karthago', aus Johann Adolf Hasses 'Didone abbandonata' und Francesco Cavallis 'Didone' verschiedene musikalische Deutungen der Gründerin von Karthago. Kleopatra ist, neben Händel, mit Kompositionen von Daniele da Castrovillari (mit einem an Monteverdis Lamenti angelehnten berührenden Klagegesang, beinahe der Höhepunkt der Aufnahme) und Hasses 'Marc‘ Antonio e Cleopatra' vertreten. Einen Wermutstropfen gibt es freilich auch, denn warum die verschiedenen Arien in diesem eigentlich klaren Konzept immer wieder durch Orchesterzwischenspiele, durch Kompositionen von Matthew Locke, Dario Castello und Luigi Rossi unterbrochen werden, erschließt sich nicht. Sie wirken, auch wenn sie ausgezeichnet musiziert sind, eigentlich überflüssig – zumal eine Sängerin auf einer CD ja nicht wie bei einem Livekonzert vielleicht einmal eine Pause braucht, die dann durch Zwischenspiele, die nur selten jemand hören möchte, geschaffen wird. Viel lieber hätte ich stattdessen aus den weniger bekannten Opern ein oder zwei weitere Stücke gehört.

Es ist bewundernswert, mit welch großer Musikalität und Empfindsamkeit es Prohaska immer wieder gelingt, sehr genau den jeweiligen Ausdruck der Stücke zu treffen. Ihre Stimme ist eher fein und sehr klar, ihre Technik grundsolide, ihre Höhe vielleicht manchmal etwas eng. Leider gibt es auch hier einen Wermutstropfen, denn mit der Wahl von 'Se pietà di me non senti' aus Händels 'Giulio Cesare' hat sich Prohaska keinen Gefallen getan. Das Stück erfordert die große Geste, das eindringliche Pathos – und dabei kommt Prohaskas Sopran an eine deutliche Grenze. Ihr Sopran ist zu leicht, zu schmal, um das große Drama dieser Arie voll auszufüllen.

Alles andere ist glänzend: Das geniale Ensemble Il Giardino Armonico scheint förmlich mit der Sängerin mitzuatmen – die Einheit von Gesang und Begleitung ist wirklich außergewöhnlich. Die gute Klangqualität und das ansprechende und informative Booklet tun das ihre dazu, dass diese CD empfohlen werden darf.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Serpent & Fire: Arien von Purcell, Graupner, Sartorio u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
03.06.2016
Medium:
EAN:

CD
3760014192500


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Cavalli, Francesco
Graupner, Johann Christoph
Händel, Georg Friedrich
Hasse, Johann Adolf
Locke, Matthew
Purcell, Henry
Sartorio, Antonio


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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