> > > Farina, Carlo: Consort Music. Dresden 1627
Samstag, 29. Januar 2022

Farina, Carlo - Consort Music. Dresden 1627

Zwischen höfischer Kunst und virtuoser Kammermusik


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit einer Auswahl von Stücken aus Carlo Farinas Dresdner Drucken entwirft die Accademia del Ricercare ein buntes Panorama vom Schaffen des italienischen Komponisten.

Aufgrund seiner spieltechnischen Fähigkeiten gehörte Carlo Farina, um 1600 in Mantua geboren und 1639 in Wien gestorben, zu jenen norditalienischen Komponisten, die sowohl das Violinspiel vorantrieben als auch den Grundstein für jene Gattungen der Kammermusik mit Basso continuo legten, die dann bis weit ins 18. Jahrhundert hinein von Bedeutung waren. Dass Farina jedoch weit mehr gewesen ist als ein reiner Geigenkomponist, zeigt ein genauerer Blick auf seine fünf zwischen 1626 und 1628 in Dresden gedruckten Sammlungen mit Instrumentalmusik.

Mit einer Auswahl repräsentativer Stücke aus dem dritten Buch von 1627 rückt die vorliegende cpo-Produktion vor allem den noch im höfischen Tanz der späten Renaissance wurzelnden Aspekt von Farinas Schaffen in den Mittelpunkt: Gleich die eröffnenden 'Brandi à 4' machen dies unmissverständlich deutlich und belegen zudem, dass es der Accademia del Ricercare unter Leitung von Pietro Busca um eine möglichst vielfarbige Wiedergabe dieser Kompositionen geht. Indem die Musiker nacheinander alle denkbaren Kombinationen von Bläsern und Streichern unter Beteiligung unterschiedlichster Saiteninstrumente hervortreten lassen, formen sie die Nummer zu einer kurzweiligen Folge tänzerischer Abschnitte, in denen Passagen mit konzertierenden Solostimmen über Basso continuo und ausgesprochen rhythmusbetonte, vom Schlagwerkeinsatz bestimmte Tutti-Teile miteinander abwechseln. Dieser kontrastreiche Zugriff auf die jeweiligen Einzelstücke findet seine Fortsetzung in der übergreifenden Konzeption der CD, da man um eine möglichst bunte Mischung bemüht ist, in der allenfalls die charakteristische paarige Anordnung von Pavana und Galliarda häufiger wiederkehrt.

Am stärksten ist die Aufnahme dort, wo sich die Stücke weiter ausbreiten und dementsprechend alle dem Ensemble zur Verfügung stehenden instrumentalen Mittel zur musikalischen Gestaltung eingesetzt werden können, so in der fast zehnminütigen 'Mascherada à 4', in den bereits erwähnten 'Brandi à 4' sowie in den einzelnen Pavanen. Gelungen ist aber auch die genau in der Mitte platzierte, ausschließlich einem Violinduo im Triosonatensatz anvertraute Sonata Prima 'La Greca', die den Komponisten also originellen, die kurzen Formabschnitte des Werkes adäquat gegeneinander ausbalancierenden Tonsetzer zeigt, der auch dem Moment der Virtuosität einen wichtigen Platz einzuräumen versteht. Der Vergleich dieses Werkes mit den umgebenden Tänzen vermag vielleicht auch am deutlichsten zu illustrieren, wie weit die Spanne von Farinas Schaffen ist, zeichnen sich in diesen beiden Aspekten doch die künstlerischen Gegenpole eines durchaus experimentellen, an neuesten Entwicklungen interessierten Komponierens und einer der geselligen Kunst der Vergangenheit verpflichteten musikalischen Orientierung ab. Das ist gut so, auch wenn sich durch eine stärkere Präsenz des zukunftsweisenden kammermusikalischen Aspekts das ästhetische Profil Farinas noch weiter hätte schärfen lassen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Farina, Carlo: Consort Music. Dresden 1627

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
1
72:00
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
761203503421
cpo 555 034-2


Cover vergössern

Farina, Carlo
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Brandi à 4
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Pavana Seconda
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Galliarda Sesta - Settima - Sesta
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Corrente Seconda - Quarta - Seconda
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Volta Prima à 4
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Aria Franzesa Seconda
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Mascherada à 4
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Sonata Prima La Greca
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Pavana Seconda à 4
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Galliarda Tertia à 4
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Pavana Tertia à 4
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Galliarda Prima - Tertia - Sesta
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Balletto Allemanno
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Bourrée I - Bourrée II
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Volta Prima à 4 (1628)


Cover vergössern

Dirigent(en):Busca, Pietro


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Stupende Qualität: Buxtehude, Teil zwei: Die Qualität der Interpretation ist angesichts der Diskografie Friedhelm Flammes keine Überraschung. Eine Gesamteinspielung, die trefflich gerät und von Belang ist. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Handwerklich solide, aber recht brav: Aus den hier versammelten Werken für Klaviertrio von Carl Reinecke ragt das erste Trio op. 38 heraus. Die übrigen Stücke wirken dagegen bisweilen etwas blass. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Weihnachtsglanz in neuem Gewand: Es ist dies die vielleicht gelungenste Weihnachtsplatte der Saison 2021: Ein großer Wurf zur Weihnachtszeit. Das Ensemble Polyharmonique glänzt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Prof. Dr. Stefan Drees:

  • Zur Kritik... John Bull und andere: Im sechsten Teil seiner Gesamteinspielung des 'Fitzwilliam Virginal Book' kombiniert der Cembalist Pieter-Jan Belder Stücke von John Bull mit einzelnen Kompositionen unbekannterer Tonsetzer. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Arbeit an klanglichen Feinheiten: Die zweite DVD der Reihe 'Lachenmann Perspektiven' widmet sich der Komposition 'Air'. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Blick in die Interpretationswerkstatt: Eine neue DVD-Reihe vermittelt unschätzbare Einblicke in die musikalischen und technischen Problemstellungen von Helmut Lachenmanns Musik. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle Kritiken von Prof. Dr. Stefan Drees...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Aus den Tiefen des Lieder-Waldes: Dem Lied-Duo Bostridge & Giorgini gelingt mit diesen 'Respighi Songs' ein durchaus hörenswertes Album, das so manchen Sängerinnen und Sängern als Inspiration für mögliche Liederabende dienen möge. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Berliner Oboe: Ein frisch leuchtendes Porträt Berliner Kammermusik des mittleren 18. Jahrhunderts: Xenia Löffler und ihr feines Ensemble warten mit edler Oboen-Kost auf, die eine breite Hörerschaft verdient. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Fließend Wienerisch: Günther Groissböck realisiert mit berufenen Künstlerkollegen ein Herzensprojekt. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (1/2022) herunterladen (3500 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich