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Dienstag, 16. August 2022

Farina, Carlo - Consort Music. Dresden 1627

Zwischen höfischer Kunst und virtuoser Kammermusik


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit einer Auswahl von Stücken aus Carlo Farinas Dresdner Drucken entwirft die Accademia del Ricercare ein buntes Panorama vom Schaffen des italienischen Komponisten.

Aufgrund seiner spieltechnischen Fähigkeiten gehörte Carlo Farina, um 1600 in Mantua geboren und 1639 in Wien gestorben, zu jenen norditalienischen Komponisten, die sowohl das Violinspiel vorantrieben als auch den Grundstein für jene Gattungen der Kammermusik mit Basso continuo legten, die dann bis weit ins 18. Jahrhundert hinein von Bedeutung waren. Dass Farina jedoch weit mehr gewesen ist als ein reiner Geigenkomponist, zeigt ein genauerer Blick auf seine fünf zwischen 1626 und 1628 in Dresden gedruckten Sammlungen mit Instrumentalmusik.

Mit einer Auswahl repräsentativer Stücke aus dem dritten Buch von 1627 rückt die vorliegende cpo-Produktion vor allem den noch im höfischen Tanz der späten Renaissance wurzelnden Aspekt von Farinas Schaffen in den Mittelpunkt: Gleich die eröffnenden 'Brandi à 4' machen dies unmissverständlich deutlich und belegen zudem, dass es der Accademia del Ricercare unter Leitung von Pietro Busca um eine möglichst vielfarbige Wiedergabe dieser Kompositionen geht. Indem die Musiker nacheinander alle denkbaren Kombinationen von Bläsern und Streichern unter Beteiligung unterschiedlichster Saiteninstrumente hervortreten lassen, formen sie die Nummer zu einer kurzweiligen Folge tänzerischer Abschnitte, in denen Passagen mit konzertierenden Solostimmen über Basso continuo und ausgesprochen rhythmusbetonte, vom Schlagwerkeinsatz bestimmte Tutti-Teile miteinander abwechseln. Dieser kontrastreiche Zugriff auf die jeweiligen Einzelstücke findet seine Fortsetzung in der übergreifenden Konzeption der CD, da man um eine möglichst bunte Mischung bemüht ist, in der allenfalls die charakteristische paarige Anordnung von Pavana und Galliarda häufiger wiederkehrt.

Am stärksten ist die Aufnahme dort, wo sich die Stücke weiter ausbreiten und dementsprechend alle dem Ensemble zur Verfügung stehenden instrumentalen Mittel zur musikalischen Gestaltung eingesetzt werden können, so in der fast zehnminütigen 'Mascherada à 4', in den bereits erwähnten 'Brandi à 4' sowie in den einzelnen Pavanen. Gelungen ist aber auch die genau in der Mitte platzierte, ausschließlich einem Violinduo im Triosonatensatz anvertraute Sonata Prima 'La Greca', die den Komponisten also originellen, die kurzen Formabschnitte des Werkes adäquat gegeneinander ausbalancierenden Tonsetzer zeigt, der auch dem Moment der Virtuosität einen wichtigen Platz einzuräumen versteht. Der Vergleich dieses Werkes mit den umgebenden Tänzen vermag vielleicht auch am deutlichsten zu illustrieren, wie weit die Spanne von Farinas Schaffen ist, zeichnen sich in diesen beiden Aspekten doch die künstlerischen Gegenpole eines durchaus experimentellen, an neuesten Entwicklungen interessierten Komponierens und einer der geselligen Kunst der Vergangenheit verpflichteten musikalischen Orientierung ab. Das ist gut so, auch wenn sich durch eine stärkere Präsenz des zukunftsweisenden kammermusikalischen Aspekts das ästhetische Profil Farinas noch weiter hätte schärfen lassen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Farina, Carlo: Consort Music. Dresden 1627

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
1
72:00
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
761203503421
cpo 555 034-2


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Farina, Carlo
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Brandi à 4
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Pavana Seconda
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Galliarda Sesta - Settima - Sesta
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Corrente Seconda - Quarta - Seconda
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Volta Prima à 4
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Aria Franzesa Seconda
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Mascherada à 4
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Sonata Prima La Greca
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Pavana Seconda à 4
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Galliarda Tertia à 4
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Pavana Tertia à 4
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Galliarda Prima - Tertia - Sesta
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Balletto Allemanno
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Bourrée I - Bourrée II
 - Dresden 1627 (aus dem Dritten Buch, 1627) - Volta Prima à 4 (1628)


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Dirigent(en):Busca, Pietro


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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