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Sonntag, 16. Januar 2022

Corrette, Michel - Sonaten

Von den Wonnen der Einsamkeit


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Opera Prima Ensemble widmet sich Michel Correttes Sonatenzyklus op. 20 und liefert eine insgesamt sehr ordentliche Einspielung.

‚Les délices de la solitude‘ – die Wonnen der Einsamkeit: Diesen poetischen Titel wählte Michel Corrette (1707–1795) für seine 1738 oder 1739 unter der Opuszahl 20 publizierte Sammlung von sechs Sonaten für Violoncello, Viola da gamba, Fagott mit beziffertem Basso continuo. Obgleich die zweistimmige Notation mit Oberstimme und beziffertem Bass im Zusammenhang mit dieser Besetzungsangabe zu signalisieren scheint, dass eigentlich jedes der genannten Bassinstrumente in führender Funktion eingesetzt werden kann, tritt in der vorliegenden Aufnahme ausschließlich die Viola da gamba in den Vordergrund, während sich Violoncello und Fagott von Sonate zu Sonate und manchmal auch innerhalb eines Werkes als Bassinstrumente abwechseln oder in einem Fall – in der lediglich mit einer Orgel begleiteten 'Sonata III' C-Dur – sogar ganz wegfallen. Die Abfolge der Werke wirkt dementsprechend abwechslungsreich, was noch dadurch unterstützt wird, dass sich Corrette vor allem in den Sonaten IV und V stärker am viersätzigen italienischen Modell der Sonata da camera orientiert, während die übrigen Werke dreiteilig mit langsamem Mittelsatz als Zentrum angelegt sind.

Das Opera Prima Ensemble unter Leitung des Gambisten Cristiano Contadin gibt sich redlich Mühe bei der Ausgestaltung dieses Werkparcours: Die fugierten Sätze sind meist schön klar, die Artikulation dient hier der Setzung von Schwerpunkten innerhalb des mitunter verschlungenen Passagenwerks, und immer wieder kommt es zu besonderen Augenblicken, wenn führendes Melodieinstrument und Bass einander in kantabler Manier zum Duett aus gleichberechtigten Stimmen ergänzen und dabei – besonders gelungen in der ausgefeilten 'Sonata VI' D-Dur – zu wohlklingender Terzen- oder Sextenseligkeit finden. So plastisch gerade die raschen, oft wunderbar in das elastisch musiziert Grundmetrum hineingepassten Sätze erscheinen, so sehr vermisst man in den langsameren Werkteilen eine stärker am Affekt orientierte Ausdeutung des instrumentalen Gesangs: Contadins Phrasen wirken manchmal ein wenig gepresst und kurzatmig, die – vor allem agogischen, aber auch dynamischen – Möglichkeiten der Musik werden nur am Rande gestreift.

Den sechs Sonaten schicken die Musiker noch das dreisätzige Concerto 'Le Phénix' D-Dur hinterher. Überzeugend ist es, wie dabei unter Beteiligung aller fünf Ensemblemitglieder die Möglichkeiten des vorhandenen Instrumentariums genutzt werden, um die konzertierende Viola da gamba zu unterstützen und den vierstimmigen Corrette’schen Originalsatz und dessen Bassbezifferung möglichst vielfältig zu instrumentieren und dadurch auch die Tutti-Solo-Kontraste des Werkes herausarbeiten. Auch wenn das im Zentrum stehende 'Adagio' in Bezug auf die Realisierung des Gesangs ähnlich kurzatmig erscheint wie die langsamen Sätze der Sonaten, fehlt es dem Concerto nicht an schönen Momenten. Vor allem dort, wo die Tasteninstrumente vorübergehend aussetzen und dem dialogischen Musizieren von solistischer Viola da gamba und im Fagott liegender Bassstimme Raum geben, ergeben sich einige sehr überzeugende Momente.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Corrette, Michel: Sonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
01.07.2016
Medium:
EAN:

CD
5028421952659


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Corrette, Michel


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