> > > Vojago: Eine musikalische Weltreise
Dienstag, 22. August 2017

Vojago - Eine musikalische Weltreise

Nicht sehr weit gereist


Label/Verlag: TYXart
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Vulkan Quartett geht mit 'Vojago' auf musikalische Weltreise – vom argentinischen Tango bis zum italienischen und französischen Schlager. Fernweh stellt sich beim Hören jedoch nicht wirklich ein.

Ihr Repertoire umfasst argentinische Tangos, neapolitanische Lieder, italienische und französische Schlager sowie Wiener Salonmusik – eine interessante Mischung, mit der sich das Vulkan Quartett schon seit seiner Gründung 2009 beschäftigt. Namensgeber des Ensembles ist der Tenor und Gründer Arpad Vulkan. An seiner Seite sind Hans Martin Gräbner (Klavier), Sándor Galgóczi (Violine) und Frank Wittich (Kontrabass). Das Quartett hat sich nach eigener Aussage der niveauvollen Salonmusik verschrieben. Was genau die vier damit meinen, muss sich letztlich beim Hören erschließen, da hier die Informationsquelle Booklet versiegt. Als Musik mit südlichem Flair, leichtem Zugang und bekannten sowie eingängigen Melodien lässt sich die zu Beginn offene Frage nach dem Durchhören beantworten. Erschienen ist die CD in der Reihe ‚Chromart Classics‘ bei TYXart.

In ihrem bunten Repertoire-Potpourri dürfen große Reißer wie 'O Sole mio' von Eduardo Du Capua, 'Volare“ ', ein Weltschlager von Domenico Mondugno und Franco Migliacci, oder 'Marina' von Rocco Ganata nicht fehlen. Der Einstieg gelingt mit Francesco Paolo Tostis 'Marechiare' schwungvoll und vielversprechend, aber auch kennzeichnend für die folgenden 15 Nummern. Galgóczis Intonation an der Violine ist nicht immer lupenrein, zudem ist seine Tongebung sehr scharfkantig und teilweise etwas zu unflexibel im Zusammenspiel mit den anderen beiden Instrumentalisten. Auffällig ist dies besonders im rein instrumentalen Tango 'El Choclo', wo die Wiederholung der Melodie im Kontrabass kaum gegen die begleitende Violine durchkommt. Die Leidenschaft des Tangos wird hier direkt mit Druck und scharf akzentuiertem Spiel in Klang übersetzt, sodass interessante Facetten dieser Besetzung nicht zum Vorschein kommen können.

Tenor Arpad Vulkan kann vor allem die große Geste in seine Stimme legen. Er arbeitet mit ausladendem Vibrato und scheint stellenweise recht unflexibel in seiner Klangfärbung zu sein, weshalb insgesamt auf dieser Einspielung der Gesang klar dominiert. Leise angeschlagene Töne wirken nicht selten eher unnatürlich (wie in 'Rossignol de mes amours' von Francis Lopez) und kleine Facetten werden meistens vollends übergangen und stattdessen auf ‚volle Kraft voraus‘ gesetzt. Schade, dass so letztlich keine kontrastierende Stimmungen illustriert werden können, weder im übergeordneten Zusammenhang unter den einzelnen Nummern noch in einem Lied selbst, da er in seine Stimme nichts Weiches oder gar Zärtliches hineinlegt und somit auch musikalisch sensible Momente regelrecht verschenkt werden. Dafür ist das Vibrato stets zu stark und die Klangfarbe zu harsch. So bekommt letztlich auch die Gesamtinterpretation ein einheitliches Gewand; dramatische Steigerungen bleiben gegen Ende des Lieds oftmals zu flach, weil die Musik schon vorher zu kraftvoll ausgestaltet wurde, beispielsweise in 'Mamma' von Cesare Andrea Bixio oder Di Capuas 'O Sole mio'. Ein wenig ins Mittwippen gerät man dann doch bei 'Marina' von Rocco Granata, hier findet Pianist Hans Martin Gräbner einen groovigen Puls, dem sich die anderen anschließen.

Leider fällt bei dieser CD auch das Artwork negativ auf: Nicht bloß, dass die für das Booklet ausgewählten Fotografien größtenteils gestellt und unnatürlich wirken (hier kann man noch über Geschmack streiten) und vom Informationsgehalt der ausgewählten Texte mal gänzlich abgesehen (hier werden lediglich Musikerbiografien in drei Sprachen durchbuchstabiert). Dass darüber hinaus die Qualität der Bilder leider als deutlich verbesserungswürdig zu bezeichnen ist, lässt sich an dieser Stelle nicht verschweigen, da man im aufgeklappten Digipack die einzelnen Pixel erkennt. Dieser Fauxpas zeigt sich sogar auf dem Cover – hier lassen sich die einzelnen Pixel beim genauen Hinsehen in der Schrift erkennen.

Schade, dass bei dieser vielversprechenden Zusammenstellung so wenig dahinter zu stehen scheint. Trotz der Eingängigkeit von Salonmusik wäre ein bisschen mehr musikalische Ausgestaltung wünschenswert gewesen. Zudem gleicht die Gesamtspielzeit von knapp 56 Minuten eher der Dauer eines Kurzstreckenflugs als einer Weltreise. Insgesamt muss hier resümiert werden: Etwas mehr Sinn fürs Detail hätte ausnahmslos allen Ebenen gut getan.

[Anmerkung des Labels auf die Kritik am Artwork der CD: Bei allen überprüften Exemplaren waren beim genauen Hinsehen in der Schrift keine einzelnen Pixel erkennbar. Die Druckqualität entspricht den branchenüblichen Standards von 300 dpi. Die Bilder im aufgeklappten Digipack spiegeln die grafischen Absichten als Stilmittel im s/w-Format so wieder, wie sie konzeptionell gedacht sind. Wären gestochen scharfe Bilder gewünscht gewesen, wäre dies mit den heutigen technischen Möglichkeiten selbstverständlich realisiert worden, alleine schon aus dem Grund, dass sich hochgeschätzte CD-Käufer und Musikhörer nicht unnötig optisch provoziert fühlen sollten.]

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Vojago: Eine musikalische Weltreise

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
TYXart
1
03.06.2016
EAN:

4250702800491


Cover vergössern

TYXart

TYXart - the musicART label

TYXart ist es ein besonderes Anliegen, die emotionalen, geistigen und intellektuellen Anforderungen von Musikliebhabern mit hochwertigen künstlerischen Einspielungen zu erfreuen - und dass Tiefsinn, Humor, Stille, Kraft, Nachdenklichkeit, aber auch Lebensfreude, Jubel oder Trauer, also alles, was die musikalischen Befindlichkeiten des Menschen erhebt und befriedigt, in unseren Veröffentlichungen enthalten ist.

Es geht uns dabei nicht in erster Linie nur um "Berühmtheit" oder "Perfektionismus", sondern ums Humane, Originelle, Individuelle und um die begeisternden und begeisterten Interpretationen ungewöhnlicher Musiker, auch der ganz jungen. Jede CD ein Unikat! Das soll unser Motto sein. Dass sich unserem Konzept bereits mehrere außergewöhnliche und berühmte Künstler spontan anschließen, beruht auf deren Überzeugung von der Richtigkeit unseres Anspruchs.

Herausragende Musiker und Ensembles der Veröffentlichungen: Giora Feidman (Klarinette), Elena Denisova (Violine), Yojo (Klavier), Liana Issakadze (Violine), Alexander Suleiman (Violoncello), Corinne Chapelle (Violine), Carmen Piazzini (Klavier), Franz Grundheber (Bariton), Matthias Veit (Klavier), Nathalia Prishepenko (Violine), Alexandra Sostmann (Klavier), Franz Hummel (Komponist), Masako Sakai (Klavier), Ensemble del Arte (Kammerorchester), Vardan Mamikonian (Klavier), Jakob David Rattinger (Viola da Gamba), Werner Schneyder (Musik-Kabarett), TRIO ZERO, Sojka Quartett, Deutsches Saxophon Ensemble, Moscow Symphony Orchestra ...

Wir stellen zusammen mit unseren Künstlern in Serien wie z.B. "Modern Classics", "Rising Stars" oder "Crazy Edition" Aufsehen erregende Musikaufnahmen unserer Zeit ungewöhnlichen Interpretationen aus mehreren Epochen gegenüber, um ein breites Publikum auf die Lebendigkeit, Schönheit und Kühnheit neuer Kompositionen im Fokus radikaler oder besonders individueller Interpretationen traditioneller Werke aufmerksam zu machen. Lassen Sie sich auch jenseits von Mainstream-Bewegungen begeistern von den sensationellen Einspielungen der Künstler bei TYXart!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag TYXart:

  • Zur Kritik... Starkes Debüt: Anne Rieglers Debüt-Album überzeugt sowohl durch das programmatische Konzept als auch durch gelungene Interpretationen. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... In Mannheim unterm Dach: Diese Zusammenstellung macht mit bislang weitgehend vernachlässigten Cellowerken bekannt - die Bekanntschaft lohnt sich. Sie ist nicht von langer Dauer, aber möglicherweise mit bleibenden Eindrücken. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Imperialistisch-emphatisch: Martin Ostertag und Oliver Triendl sind berufene Anwälte dieser ästhetisch eher rückwärts gewandten, aber deshalb keineswegs uninteressanten Kammermusik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von TYXart...

Weitere CD-Besprechungen von Yvonne Rohling:

  • Zur Kritik... Spannende Erzählung: Was macht eigentlich die Faszination der Fuge aus? Dieser Frage geht das Armida Quartett auf seiner neuesten Einspielung 'Fuga Magna' nach und skizziert dabei einen spannenden Querschnitt über drei Jahrhunderte Fugengeschichte. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
  • Zur Kritik... Schumann auf Norwegisch: Arvid Engegård (Violine) und Nils Anders Mortensen (Klavier) widmen sich zwei Violinsonaten Robert Schumanns und den 'Fünf Stücken im Volkston'. Dabei offenbart sich leider so manche Schwäche. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
  • Zur Kritik... Wenn die Worte fehlen: Schuberts 'Schwanengesang' in der Deutung von Pauline Sachse (Viola) und Lauma Skride (Klavier) besticht durch Klangschönheit und Feinsinn. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
blättern

Alle Kritiken von Yvonne Rohling...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Eine Hommage an Bach: Die Rheinische Kantorei und das Kleine Konzert leisten unter der Leitung von Hermann Max einen weiteren Beitrag dazu, dem Publikum die Werke der Bach-Familie näherzubringen. Das klangliche Ergebnis ist beeindruckend. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Großangelegtes Nachtstück: Zwei Konzerte zeigen Krzystof Penderecki als Meister der Kontraste und dramatischen Szenarien. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Die vierte Neunte: Historisch wertwoll mit leichter klangtechnischer Patina: Das NDR Sinfonieorchester spielt unter Kurt Sanderling Mahlers Neunte. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (2/2017) herunterladen (0 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (7/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Edvard Grieg: op. 60, Vilhelm Krag - Die Mutter singt

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich