> > > Schumann, Robert: Werke für Klarinette
Dienstag, 18. Mai 2021

Schumann, Robert - Werke für Klarinette

Schumanns Kammermusik auf der Klarinette


Label/Verlag: Castigo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Heiner Schindler und Olha Chipak wandern eindrucksvoll und differenziert auf den Spuren Schumanns. Mit warmen, homogenen Klängen zeigen sie die Fülle von Schumanns Kammermusik und ihre Ausdruckskraft.

Die (für Kammerensembles konzipierte) Musik Robert Schumanns ist immer wieder ein Geheimtipp, und der Klarinettist Heiner Schindler sowie die Pianistin Olha Chipak haben auf ihrer vorliegenden CD dementsprechend ein reizvolles Programm zusammengestellt. Präsentiert werden fünf unterschiedliche Werke, die fast alle im Jahr 1849 komponiert wurden. Die 'Märchenbilder' (op. 113) eröffnen die CD. Der sehr warme und differenzierte Klarinettenklang von Heiner Schindler lässt den Hörer fast vergessen, dass dieses Stück ursprünglich für Viola komponiert wurde. Die Klarinette ertönt sowohl in der tiefen als auch in der höheren Lage in klanglicher Flexibilität, Staccato- und Legato-Passagen werden gekonnt miteinander verbunden, und man kommt in ein angenehmes Schwelgen dieser Klangwelten. Die Pianistin Olha Chipak versteht es ausgezeichnet, sich auf die Klarinette einzulassen, der Dialog zwischen Klarinette und Klavier wirkt sehr homogen: Die Übergänge zwischen beiden Instrumentalstimmen wirken fließend und unbeschwert. Man merkt, dass Schindler und Chipak ein eingespieltes Duo sind. Zugleich ist jedoch auffällig, dass sich die Pianistin in ihrer Stimme emanzipieren möchte und manchmal akzentvoll und impulsiv die melodische Führung übernimmt.

Die 'Fantasiestücke' (op. 73), die Schumann selbst als Klarinettenstück konzipiert hat, reizen Heiner Schindler zu einer bewundernswerten Intensität, die wohl am besten als wellenhafte und spannungsgeladene Musikalität beschrieben werden kann. Chipak am Klavier bleibt in ihrem dynamischen und agogischen Vorwärtsdrang, wenngleich sie mit ihrer Intensität an manchen Stellen auch etwas übers Ziel hinausschießt. Das 'Adagio und Allegro' (op. 70) beseitigt jedoch kurze ästhetische Zweifel und wird vom Duo wahrlich als Schmückstück verkauft: Für dieses Stück, das Schumann eigentlich als Hornkomposition hinterlassen hat, wählt Heiner Schindler das Bassetthorn und eröffnet dadurch ein völlig neuartiges Timbre dieses Stückes. Die Interpretation wirkt äußerst einfühlsam und man schwelgt speziell in der schönen tiefen Lage des Bassetthorns – ohne dass die hohen Töne ausgehöhlt oder dumpf wirken. Olha Chipak zeigt hier ihre durchaus vorhandene Einfühlsamkeit und reichert diese Klänge sehr gelungen an.

Bei den 'Drei Romanzen' (op. 94) erscheint es gar nicht notwendig, einen Vergleich zum Originalinstrument Oboe zu ziehen, da Schindler das Stück sehr lyrisch und getragen interpretiert und mit dem Klavier eine gute Homophonie findet. Die Tempoabstufungen und Abwechslungen zwischen lyrischen und spritzigeren Passagen wirken stimmig und das Werk klingt wunderbar im Pianissimo aus. Die 'Fünf Stücke im Volkston' (op. 102) bieten als Abschluss nochmals die Möglichkeit, die Spannbreite beider Interpreten wahrzunehmen. Schumanns abwechslungsreiches Werk entlockt dem Klarinettisten Schindler ein keckes, ausgefranstes Staccato, das im Kontrast zu den lyrischen, verspielten Passagen des Stückes steht. Olha Chipak bietet hierbei ein klangvolles Fundament und lässt im Schlusssatz nochmals ihre individuelle Expressivität spüren.

Insgesamt gelingt dem Duo Schindler und Chipak eine beachtenswerte Interpretation Schumanns kammermusikalischer Werke. Beide punkten vor allem durch ebenso überzeugende wie angemessene Impulsivität und Abwechslung im vollen Klang.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schumann, Robert: Werke für Klarinette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Castigo
1
03.05.2016
Medium:
EAN:

CD
4039767000868


Cover vergössern

Schumann, Robert


Cover vergössern

Castigo

Das Klassiklabel CASTIGO wurde 1996 von Carsten Storm mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Der bei Georg Friedrich Schenck und Christian de Bruyn ausgebildete Pianist und Diplom-Toningenieur hat sich damit nach aktiver Kammermusik- und Liedbegleiterlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt. Die Tonqualität wurde bisher von den Tonmeistern Prof. Oliver Curdt, Angela Öztanil, Georg Bongartz, Christel Franz-Hennessy so wie Carsten Storm selbst bestimmt. CASTIGO überläßt seinen Kunden die grafische Gestaltung der CDs, so daß inzwischen eine bunte repräsentable Vielfalt entstanden ist.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Castigo:

  • Zur Kritik... Gegen das Vergessen: Der Chanson-Komponist Norbert Glanzberg setzt sich in seinen ernsten Stücken mit der Vergangenheit auseinander. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Himmlisches Hörvergnügen: Die dritte CD des Frauenchores der PH Heidelberg bildet einen bunten Querschnitt aus dem Repertoire für Frauenchor a cappella ab. Weiter...
    (Anneke Link, )
  • Zur Kritik... Mit Esprit: Das Bläserquintett der Berliner Staatsoper bewegt sich auch abseits der täglich beackerten Felder hoch inspiriert und versiert. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
blättern

Alle Kritiken von Castigo...

Weitere CD-Besprechungen von Lorenz Adamer:

  • Zur Kritik... Exterritoriale Entdeckungsreise: Die Werke des zeitgenössischen Komponisten Carlo Forlivesi bieten eine überraschende Vielfalt mit einem enormen Aufgebot an unterschiedlichen Interpreten. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Rot in Venedig: Die italienische Erstaufführung von Korngolds 'Violanta' strahlt durch orchestrale und vokale Feuerkraft und ermöglicht eine Identifikation mit Innen- und Außenperspektive. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Entfachte Lieblichkeit: Die Ersteinspielung dieser eingängigen Stücke von Giovanni Francesco Giuliani wirken wie liebliche Klangperlen und erwecken dabei tolle Entfaltungsmöglichkeiten für Klarinette und Harfe. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
blättern

Alle Kritiken von Lorenz Adamer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Mit dem Zink unter Engeln: Wenn Bruce Dickey sich auf Entdeckungstour macht, ist reicher Ertrag garantiert: Englisches und anderes, das sich zu einem stimmigen Programm fügt, mit Hana Blažíková als kongenialer Partnerin. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Optimale Wiedergabe: Michael Alexander Willens und seine Kölner Akademie zeigen, wie spannend Carl Maria von Webers Klavierkonzerte klingen können. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Mutiges Bekenntnis zum traditionellen Männerchor: BR Klassik legt als Koproduzent mit dem Renner Ensemble eine CD vor, die dem Genre Männerchor zu höchsten Ehren gereicht. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich