> > > Gunst, Evgenij und Debussy, Claude: Werke für Violine und Klavier
Freitag, 15. Dezember 2017

Gunst, Evgenij und Debussy, Claude - Werke für Violine und Klavier

Abseits der Hauptsrömung


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Susanne Lang und Elena Denisova stellen Violinsonaten des weitgehend unbekannten Evgenij Gunst in den Kontext Claude Debussys.

Die Pianistin Susanne Lang kann mittlerweile als Expertin für das vergessene Schaffen des russischen Komponisten Evgenij Gunst, der im Jahre 1950 starb, gelten. Nun hat sie eine weitere Einspielung vorgelegt, die überwiegend kammermusikalische Kompositionen von Gunst und dem 15 Jahre älteren Claude Debussy enthält. Das Duo Elena Denisova, Violine, und Susanne Lang, Klavier, bewältigen mit Temperament und überzeugender Technik die sieben Stücken für Violine und Klavier op. 27 aus dem Jahre 1936. Der russische Komponist Evgenij Gunst schrieb damit ein freundliches Werk in der Nachfolge von Brahms und geriet dabei grundsätzlich in Gefahr eines qualitativen Sprungs zwischen den faszinierenden expressiven Tongestalten und deren eher belanglose kompositorische Verarbeitung. Hier zeigen die beiden Musikerinnen, wie gut und locker sie musizieren können und lieferen aufgrund ihres nuancenreich abgestimmten Zusammenspiels, der richtigen Tempi und des Verzichts auf interpretatorische Mätzchen eine intelligente Interpretation dieser für die Entstehungszeit doch recht ‚braven’ Kompositionen.

Das vergessene Künstler mitunter nicht zu Unrecht vergessen sind, zeigt auch der Vergleich zwischen den 'Deux morceaux pour piano' op. 24 und den 'Stimmungsbildern' op. 5. Zwischen beiden Werken liegen rund15 Jahren, in denen – zumindesten in Bezug auf diese Kompositionen – kaum eine Entwicklung festgestellt werden kann. Gunst’ Kompositionen, zumindest die, die auf dieser CD präsentiert werden, scheinen irgendwie aus der Zeit gefallen zu sein, geben aber einen schönen Einblick in das kompositorischen Geschehen der damaligen Zeit, abseits der Hauptströmungen.

Die Sonate für Violine und Klavier von Claude Debussy wird von den beiden Musikerinnen in ihrer herbstlichen Abendstimmung sehr schön getroffen; der immer ein wenig elegische Ton von Elena Denisova verbindet sich ideal mit dem zupackenderen Klavier. Delikat, aber nie betulich werden die kompositorischen Andeutungen gerade der Übergänge und der Motiventwicklung verdeutlicht und Wert auf die Vielschichtigkeit der Ereignisse gelegt. Hier wird sensibel die klangliche Heterogenität zwischen Violine und Klavier herausgearbeitet und der interpretatorische Akzent nicht - wie so oft - auf glättende Homogenisierung beider Klangwelten gelegt. Es ist offensichtlich, dass das Duo über eine ausgeprägte Artikulationsfähigkeit und Variabilität der Tongebung verfügt.

Susanne Lang trifft mit ihrer feinfühligen Tongebung genau die lyrische Grundhaltung von Claude Debussys 'Suite bergamasque', die hier nicht Opfer einer falsch verstanden Virtuosität wird. Susanne Lang schleppt nicht und zeichnet mit ausgewogenem Rubato genau in der Mitte zwischen straffer Form und improvisierter Rhapsodik den Verlauf der einzelnen Stücke nach. Die einzige Einschränkung dieser starken Aufnahme: Sie wirkt klanglich insgesamt ein wenig zu stumpf.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gunst, Evgenij und Debussy, Claude: Werke für Violine und Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
13.05.2016
EAN:

4260330918420


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Debussy, Claude


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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