> > > Schubert, Franz: Complete Piano Trios Vol.1
Sonntag, 25. September 2022

Schubert, Franz - Complete Piano Trios Vol.1

Kein grosser Wurf


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bei Musikproduktion Dabringhaus und Grimm erscheint die Vol. 1 der kompletten Klaviertrios von Franz Schubert mit dem Vienna Piano Trio. Das sind Wolfgang Redik (Violine), Matthias Gredler (Violoncello) und Stefan Mendl (Klavier). Oberflächlich betrachtet erfüllt das seit 1988 nach eigenen Angaben regelmäßig in ‘fast allen wichtigen Musikzentren Europas, Nordamerikas, Australiens und des fernen Ostens’ konzertierende Wiener Klaviertrio auf dieser in der ‘Fürstlichen Reitbahn Bad Arolsen’ vorgenommenen Aufnahme von Schuberts Es-Dur- Klaviertrio D 929 durchaus die gehobenen Ansprüche: Man spielt intonationsrein und dynamisch breitgefächert, dokumentiert die nachhaltige Auseinandersetzung mit der Materie. Bisweilen finden sich in der Aufnahme gar höchst dramatische Momente. (Zum Beispiel die packenden Akkordschläge vor der Coda im ersten Satz.) Das genügt aber nicht. Denn leider fehlt hier der allenthalben geforderte ‘große Wurf’. Das lässt sich an etlichen Punkten festmachen: Die Musik federt nicht im Allegro-Kopfsatz, zeigt an exponierten Stellen wenn nicht technische Schwächen, so doch zumindest Unzulänglichkeiten. Das Klangbild der Aufnahme ist für meinen Geschmack zu hallig - gerade zu Beginn des ersten und zweiten Satzes wird dies deutlich. Das Klavier ist streckenweise zu dominant und irgendwie ‚klingelig’ im Diskant auf dieser Aufnahme...

Im zweiten Satz (Andante con moto) fällt der Unterschied, z.B. zur Referenz-Aufnahme dieses Schlüsselwerks der Klaviertrioliteratur durch das Beaux-Arts-Trio, noch gravierender auf: Der Cellopart mit seinem wunderbaren Thema geht in der Fassung des Vienna Piano Trios fast unter. Matthias Gredler wählt zudem in Takt acht beim Vorschlag eine ungewohnte rhythmische Variante, die mir nicht bekannt ist und die verstört. Da ist Schubert doch zu sehr Klassiker (jetzt nicht im Sinne seiner Epochenzugehörigkeit, um keine musikologischen Diskussionen anzuheizen), sondern allgemein. Seine Musik verträgt an dem nicht, experimentiert zu werden. Außerdem fehlt es den jungen Solisten an Ausgeglichenheit, vor allem jener sorglosen Ruhe - was nicht zu verwechseln sei mit Schlaffheit! – die die ‚Alten’ bieten. Der Cellotriller Matthias Gredlers versprüht dann eben nicht jenes apokalyptische Grummeln, welches Bernhard Greenhouse ihm verleihen kann! Stefan Mendl am Klavier der Wiener agiert leicht trocken und nicht immer angepasst an die Streicher. Das Klangbild der MDG-Produktion ist zudem dumpfer, unklarer, schummriger als die 1966’er Philips-Aufnahme.

Interessant an der vorliegenden Aufnahme ist lediglich der Aspekt, dass das Wiener Klaviertrio, dass zur Einstudierung des Textes neben den erhältlichen Urtextausgaben der Editionen Henle und Bärenreiter, die angeblich, so Mendl ‘stark divergieren’, auch eine Handschrift Schuberts heranzog, die originale Version des Finales zusätzlich neben der üblichen einspielt. Eine editorische Wohltat, die Bonuspunkte einheimst. So hat der Hörer die Wahl, welche Version ihm besser zusagt. Ich bin für die längere.

Das Booklet ist – wie immer bei MDG – sehr gut gestaltet; dreisprachig und musikwissenschaftlich höchsten Ansprüchen genügend. Leider mit Eigenwerbung in der Mitte, Der Text des Pianisten Stefan Mendl ist hervorragend lesbar, sprachlich brillant formuliert, stichhaltig recherchiert und inhaltlich aussagekräftig. Das reicht aber leider nicht zu einer besseren Gesamtbeurteilung der Aufnahme. Dafür ist sie nicht interessant genug.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schubert, Franz: Complete Piano Trios Vol.1

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
MDG
1
01.03.2003
63:36
2002
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
0760623116624
MDG 342 1166-2


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Schubert, Franz


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Interpret(en):Vienna Piano Trio,


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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