> > > Schumann, Robert: Sämtliche Klaviertrios/Streichquartette/Fantasiestücke op.88
Sonntag, 25. Juni 2017

Schumann, Robert - Sämtliche Klaviertrios/Streichquartette/Fantasiestücke op.88

Schumann auf Italienisch


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Schumann-Quartette auf italienische Art bedeuten Musik ohne großen romantischen Schnickschnack, aber trotzdem schwungvoll und voll innerer Spannung. Bei den Trios dagegen stört die klangliche Unausgewogenheit.

Das Savinio-Quartett, im Jahr 2000 in Neapel gegründet, tastet sich geografisch allmählich vor in Richtung nördlicher Gefilde, nachdem bereits Aufnahmen mit den Cherubini-Quartetten vorgelegt und preisgekrönt wurden. Daneben sind es bisher eher Werke in Verbindung mit Klavier, die auf den Markt kamen. Schaut man auf die Website des Quartetts, so erkennt man aber, dass die ‚Standards‘, nämlich sämtliche Mozart- und Beethovenquartette, einiges von Haydn, Schubert und Schostakowitsch sehr wohl ins Repertoire aufgenommen wurden und Hauptbestandteil der Konzerte der Musiker sind.

Woher kommt der Name Savinio? Alberto Savinio ist das Pseudonym von Giorgio de Chiricos Bruder, einem Universalkünstler und Intellektuellen, der dichtete, malte, Musiker und Theatermann war. (Dem Booklet ist das nicht zu entnehmen). Da die ‚Savinios‘ in Deutschland kaum bekannt sind, ist die Neugier darauf, wie ein italienisches Quartett mit der deutschen Romantik par excellence umgeht, groß. Tatsächlich lassen sich einige Merkmale in der Interpretation feststellen, die man bei nördlicher beheimateten Quartettformationen so nicht finden würde. Das betrifft vor allem eine gewisse wohltuende Sachlichkeit, die sich streng an den Vorgaben in den Noten orientiert, diese sogar – gerade im ersten Quartett – besonders betont, indem z. B. die Sforzati eine Winzigkeit länger gehalten werden. Dagegen wird aber das Vibrato sparsam verwendet und die Dynamik ufert an keiner Stelle aus. Trotzdem stellt sich durch die zügigen, aber keineswegs überhasteten Tempi ein Drängen im Duktus ein, wie es dem Romantiker Schumann entspricht. In den langsamen Sätzen spürt man zudem eine gewisse Zurückhaltung, ein Maßhalten, wie es vielleicht gerade intellektuellen Italienern eher entspricht. Das zweite Quartett atmet Leichtigkeit; einen fröhlichen Schumann lernt man hier kennen.

Nach fünfzehn Jahren gemeinsamer Arbeit sind die vier Musiker perfekt aufeinander eingestimmt. Alle vier Stimmen haben das gleiche Gewicht, gerade auch die mittleren Stimmen laufen hier keine Gefahr, klanglich unterzugehen. Alles, was man hören muss, hört man auch tatsächlich, auch kleinere Unebenheiten im Spiel, die man aber im Fluss der hochmusikalischen Interpretation leicht übergehen kann, stören überhaupt nicht. Die Ausgeglichenheit im Quartettklang wird von der Technik gut unterstützt.

Das kann man bei der Aufnahme der drei Klaviertrios und den Phantasiestücken op. 88 nicht immer behaupten. Hier könnte man glauben, Sonaten für Violine und Klavier zu hören. Die Geige ist dermaßen im Vordergrund, dass man vom Cello kaum noch etwas mitbekommt. Das betrifft vor allem das erste Trio, was auch an der Komposition selbst liegt: Schumann führt hier die Cellostimme und den Klavierbass sehr häufig parallel. Aber selbst in den beiden anderen Trios, in denen das nicht mehr der Fall ist, klingt das Cello wie aus der Ferne – ein Umstand, der das Gleichgewicht massiv stört. Dazu kommt, dass der Pianist gern das Pedal benutzt, was Schumann zwar häufig so vermerkt – aber eben nicht immer. Gerade in den Bässen klingt manches damit doch ziemlich verwaschen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schumann, Robert: Sämtliche Klaviertrios/Streichquartette/Fantasiestücke op.88

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
3
27.05.2016
EAN:

5028421950419


Cover vergössern

Schumann, Robert


Cover vergössern

Brilliant classics

Brilliant Classics steht für hochwertige Klassik zu günstigen Preisen!

Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Brilliant classics:

  • Zur Kritik... Spätromantik à l'Italianitá: Die Cellosonaten der beiden Freunde Strauss und Thuille auf einer CD vereinigt: Vergleiche lassen sich nicht anstellen, und ein Sieger ist erst recht nicht auszumachen. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Chopin im Kraftraum: Gianluca Imperato hat Glieres Klavier-Hauptwerk, die 25 Preludes op. 30 (1907), eindrucksvoll für Brilliant Classics eingespielt, garniert mit zehn zwischen 1904 und 1955 komponierten Stücken aus anderen Zyklen. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Viel Leichtigkeit: Das Klaviertrio Amsterdam legt eine solide, vor allem auf einen straffen Zugriff hin angelegte Deutung der beiden Klaviertrios von Franz Schubert vor. Bei aller Noblesse und Leichtfüßigkeit kommt das dramatische Element etwas zu kurz. Weiter...
    (Oksana Danych, )
blättern

Alle Kritiken von Brilliant classics...

Weitere CD-Besprechungen von Elisabeth Deckers:

  • Zur Kritik... Spätromantik à l'Italianitá: Die Cellosonaten der beiden Freunde Strauss und Thuille auf einer CD vereinigt: Vergleiche lassen sich nicht anstellen, und ein Sieger ist erst recht nicht auszumachen. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Galante Entdeckungen: Es nimmt kein Ende mit den Entdeckungen in den Notenarchiven Italiens des 18. Jahrhunderts. Hier wird wieder ein bislang Unbekannter ans Licht gehoben: Pasquale Pericoli Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Debüt eines Ambitionierten: Leichtfüßig ist Mischa Meyers Spielweise, aber keineswegs oberflächlich. Das Alte (Bach) und das Neue (Zimmermann) reicht sich so über die Jahrhunderte hinweg die Hand. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
blättern

Alle Kritiken von Elisabeth Deckers...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Herzogenberg 2.0: Das Vienna Piano Trio tritt den Beweis an, dass manchmal als kompositorische Schwächen angesehene Eigenheiten in lebhafter Umsetzung und Einbettung durchaus als besondere Qualität erfahrbar werden können. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Die beste Anschaffung zum Kennenlernen: Zwei um 2003 produzierte, bis heute als Referenz-Aufnahmen geltende CDs mit einigen historisch besonders exponierten Orchesterwerken von Anton Rubinstein (1829-1894)sind jetzt als Doppelalbum neu veröffentlicht worden: Russisches aus Wuppertal. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Ohne Herrenhaus: Nadège Rochat und die Staatskapelle Weimar verfolgen in dem vorliegenden britischen Programm ein ambitioniertes Konzert, das nicht durchgängig aufgeht. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (6/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Sergej Rachmaninoff: Trio élégiaque Nr. 1 g-Moll (1892) - Lento lugubre

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Ensemble Armoniosa im Portrait "Unser Ensemble ist geprägt von wirklicher Harmonie"
Das Ensemble Armoniosa über seine neue CD, Historische Aufführungspraxis, gemeinsame Essen, selbstgebaute Instrumente und Musik im Internet.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich