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Donnerstag, 29. September 2022

Tallis, Thomas - Lamentations of Jeremiah I & II

Tallis expressiv


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble The Cardinall's Musick unterstreicht seine stupende Expertise in diesem Repertoire – eine inspirierte, klangkräftige Tallis-Lektüre. Und ein schöner Beleg für das Potenzial englischer Vokalensembles allgemein.

Andrew Carwoods famoses Vokalensemble The Cardinall’s Musick hat sich in den vergangenen Jahren eine wunderbare Sicherheit, einen höchst individuellen Zugang zur englischen Vokalpolyphonie ersungen. Das unterstreicht die aktuell vorliegende Platte mit Werken von Thomas Tallis sehr eindrucksvoll.

Im Zentrum stehen zwei gewichtige 'Lamentationes Jeremiae', die auch in ihrer eindrücklichen Qualität herausragen: Linear unglaublich ausdrucksvoll, von insgesamt betörendem Klangsog, in einem herausragenden Tiefchorsatz. Inmitten dieser höchst kontemplativen Sphäre lassen sich harsche Dissonanzen hören, sind staunen machende Querstände zu erleben – diese Kompositionen nicht als Werk eines Engländers zu identifizieren, ist praktisch unmöglich.

Die weiteren lateinischen Sätze verraten Tallis‘ ganze Kunst, satztechnische Komplexität auf diskrete Weise mit feinen Klangwirkungen in Balance zu bringen. Schließlich sind eine Reihe englischsprachiger Werke zu hören – auch der 'Dorian Short Service' –, mit etlichen schlichten, weitgehend homophon gefassten Gesten, durchaus in wechselnden Chören. Auch dieser, den konfessionellen Zeitläuften geschuldet schlichten und damit ästhetisch durchaus modernen Musik eignet ein archaischer Zug, der daran gemahnt, dass der 1505 geborene Tallis in seinem Kompositionsstil auch den Blick nach vorn immer in der Tradition basierte.

Ecken & Kanten

The Cardinall’s Musick ist eines jener englischen Ensembles, deren Ästhetik nicht in versöhnlicher, vordergründig harmonischer Zeichnung liegt: Es geht immer um deutliche Linien, scharf gezeichnete Klanggestalten von teils durchdringender Klarheit. Das setzt sich auch hier fort. Schon die Lamentationen bieten einen deutlich profilierten Männerchor, mit riesig dimensionierten, durchdringenden Bässen mit Ecken und Kanten. Dazu kommen präzis gefasste Tenöre von gleichfalls scharfen Konturen, gekrönt von ebenso deutlich zeichnenden Altisten. Das sich gelegentlich vollziehende Wunder besteht in der völligen Zurücknahme, derer sich die Vokalisten immer wieder fähig erweisen, in Passagen von schlichter, gesammelter Schönheit – auch davon sind etliche zu hören, die den großen, dynamisch expressiven Ansatz gelungen kontrastieren. In den größer besetzten Stücken setzt eine kleine Schar hervorragender Sopranistinnen dieses Bild ebenso charaktervoll in den Diskant hinein fort.

In frei fließenden Tempi, mit sicherem Gefühl für die optimale lineare Entfaltung vollzieht sich das Geschehen; die Sätze auf englische Texte verraten ein subtiles Gefühl für die zutreffende Sprachgeste. Die Intonation ist fabelhaft natürlich, auch in kraftbasierten Momenten absolut frei und leicht. Das Klangbild ist groß und klar, präzis und ausgewogen, mit einer schönen Präsenz aller Register, bei aller gelegentlich auftretenden dynamischen Größe doch ohne Schärfen.

Das Ensemble The Cardinall’s Musick unterstreicht seine stupende Expertise in diesem Repertoire – eine inspirierte, klangkräftige Tallis-Lektüre. Und ein schöner Beleg für das Potenzial englischer Vokalensembles allgemein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tallis, Thomas: Lamentations of Jeremiah I & II

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
06.05.2016
Medium:
EAN:

CD
034571281216


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Tallis, Thomas


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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