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Dienstag, 2. März 2021

Brahms, Johannes - Cellosonaten

Brahms auf Diät


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen bieten eine moderne Sicht auf Brahms' Cellosonaten, die bald temperamentvoll, bald nüchtern klingt.

Marie-Elisabeth Heckers Ton klingt auf dieser Platte sehr brillant und strahlend. Wer ein Cello gerne dunkel und warm hören möchte, sollte lieber zu anderen Aufnahmen greifen, von Brahms' Cellosonaten gibt es ja nicht zu wenig Auswahl.

Überhaupt ist diese Aufnahme, die Marie-Elisabeth Hecker zusammen mit ihrem Ehemann Martin Helmchen am Flügel gemacht hat, etwas anders als gewohnt, in ihrem Ansatz allerdings sehr konsequent. Die Interpreten zeigen Brahms quasi nach einer Diät, ohne den üppigen Klang, den man sonst häufig findet. Martin Helmchen spielt seinen Part sehr transparent, und beide Instrumente sind in der Aufnahme ziemlich perfekt ausbalanciert. Die Tempi sind überwiegend frisch, wenn auch keinesfalls überhastet, und die Artikulation ist schön knackig. Das vermittelt manchmal Temperament, manchmal aber auch eine gewisse Nüchternheit. Charismatisch ist diese Aufnahme kaum und will es wohl nicht sein, denn die Interpreten schwärmen nur gelegentlich. Auch wo sie energisch werden (und das werden sie!), behalten sie stets die Kontrolle. Viel Aufmerksamkeit wird kleinen Details gewidmet, aber auch das wirkt sehr genau überlegt und keineswegs spontan.

Bloß nicht sentimental klingen, scheint die Devise besonders im langsamen Satz der Sonate F-Dur (die in e-Moll hat ja keinen langsamen Satz), jedenfalls spielt das Duo nicht zu langsam und nicht zu weich. Man kann eigentlich nur staunen, wie sanglich und zart dieser Satz dennoch klingt, wie stimmig die vielen kleinen Spitzen gesetzt sind, die diese Stimmung immer wieder aufbrechen. Umso energischer gehen die Interpreten dann im dritten und vierten Satz vor; das wirkt forsch, an manchen Stellen fast grimmig, aber nie übertrieben.

Transparenz, lebhafte Tempi, strahlender Ton, Sinn für kleine Details sowie leichte Artikulation mit kräftigen Akzenten – das alles widerspricht einer gewissen Schwere, die man bei Brahms doch gewohnt ist (etwa mit breitem Strich und auf lange Bögen bedachter Phrasierung). Brahms auf Diät eben, das wird man wohl als modernen Ansatz betrachten dürfen. Und er hat seine Vorzüge: Dem kanonischen, auf alte Formen bezogenen Finale der Sonate e-Moll etwa bekommt der frische Schwung vorzüglich – und hier hat man auch, stärker als in anderen Sätzen, den Eindruck einer auch mal ganz unmittelbaren und ungefilterten Spielfreude.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Brahms, Johannes: Cellosonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
06.05.2016
Medium:
EAN:

CD
3760014192234


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Brahms, Johannes


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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