> > > Khachaturian, Aram und Rautavaara, Einojuhani: Konzerte für Flöte und Orchester
Montag, 23. Juli 2018

Khachaturian, Aram und Rautavaara, Einojuhani - Konzerte für Flöte und Orchester

Exzellent auch in schwächeren Werken


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit zwei Fassungen des Rautavaara-Konzertes und einer Transkription des Khachaturian-Violinkonzertes kann Sharon Bezaly trotz Schwächen der Werke überzeugen.

Sharon Bezaly kombiniert auf ihrer neuen CD Flötenkonzerte von zwei Komponisten, die nur sehr wenige Gemeinsamkeiten aufweisen. Zum einen ist da Aram Khachaturian (1903–78), dessen von Jean-Pierre Rampal für Flöte bearbeitetes Violinkonzert sich einer gewissen Beliebtheit erfreut – auch in der Originalfassung ist es eines der meistgespielten Werke des Armeniers. Zum anderen der finnische Altmeister Einojuhani Rautavaara (Jahrgang 1928), dessen Konzert 'Tanz mit dem Wind' Bezaly in beiden Fassungen (einmal mit, einmal ohne Bassflöte) interpretiert. Sieht man davon ab, dass beide Werke exzellent zur Darbietung instrumentaler Virtuosität geeignet sind, wirkt die Zusammenstellung doch etwas beliebig; einen roten Faden wird man hier vergeblich suchen. Während Khachaturians ausgedehntes Werk im wesentlichen der romantischen Tradition folgt, die mit der einen oder anderen Dissonanz angereichert wird, scheut Rautavaara vor einigen klanglichen Herbheiten nicht zurück, insbesondere im Abschnitt für die Piccoloflöte. Bezaly, der unbestrittene Superstar ihres Labels BIS, wird von zwei verschiedenen Orchestern begleitet: Enrique Diemecke leitet das Sao Paulo Symphony Orchestra bei Khachaturian, Dima Slobodeniouk die Lahti Sinfoia in den beiden Fassungen des Rautavaara-Konzerts.

Wer schon eine (oder mehrere) CD(s) der israelischen Virtuosin kennt, wird auch hier die bekannte Verbindung von exzellenter Technik und instinktiver Musikalität erwarten. Vor allem in der Rampal-Transkription werden diese Erwartungen erfüllt: Auch wenn eine Flöte im Vergleich zur Violine etwas klangschwächer wirkt, ist der Gesamteindruck doch überzeugend. Khachaturians gut zugängliches, manchmal etwas redseliges Werk ist für Bezaly das ideale Vehikel, um alle Facetten ihres Könnens abzurufen: Fein nuancierte Tongebung, hochdifferenzierte Dynamik und ein lupenreiner Klang ergänzen sich aufs Schönste. Diemecke hält das Orchester sorgfältig zurück, so dass die Gefahr eines Zudeckens gar nicht erst aufkommen kann. Zusammen mit der gut ausbalancierten Akustik entsteht der Eindruck einer Transkription, die den Vergleich mit dem Original nicht scheuen muss. Vorausgesetzt, eine entsprechend fähige Solistin nimmt sich des Stückes an – Bezaly erfüllt dieses Kriterium ohne jeden Zweifel.

Bei Rautavaaras Konzert wird es etwas komplizierter. Der Finne beschwört in den vier Sätzen eine mal spätromantische, mal expressionistische Klangwelt herauf, die ihre Reize hat, aber als Ganzes doch zu wenig Abwechslung mit sich bringt. Natürlich kann Bezaly auch hier zeigen, wie sie neben der ‚normalen‘ Flöte auch Piccolo, Altflöte und Bassflöte beherrscht. Vor allem die Passagen für Altflöte besitzen durchaus einen lyrischen Charme. Aber der Unterschied zwischen den beiden Fassungen ist für den Hörer doch zu gering, als dass man mit Gewinn beide Fassungen hintereinander hören könnte. Und der 'Vivace'-Satz für die Piccolo geht hart an die Schmerzgrenze, vor allem, wenn man zu jenen Hörern gehört, die einer Piccoloflöte ohnehin nur wenig abgewinnen können. Dank Bezalys hochvirtuosem und flexiblem Spiel und einer (auch hier) einwandfreien Klangqualität hinterlässt Rautavaaras Konzert einen guten (aber keineswegs herausragenden) Eindruck. Der Finne hat im Laufe seiner langen Karriere bessere Werke komponiert, darunter auch zahlreiche bessere Instrumentalkonzerte.

Bezaly-Fans und Flöten-Freunden generell wird es egal sein – für sie lohnt sich die Anschaffung der CD auf jeden Fall. In der fast schon beängstigend umfangreichen Diskographie der Virtuosin gibt es zwar das eine oder andere kompositorisch schwächere Werk, doch praktisch keine schwachen Interpretationen. Dieser Trend setzt sich auch hier fort: Selbst wenn man die Redseligkeiten in beiden Konzerten nicht ignorieren kann, ist doch das herausragende Spiel Bezalys anzuerkennen.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Khachaturian, Aram und Rautavaara, Einojuhani: Konzerte für Flöte und Orchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
11.05.2016
EAN:

7318599918495


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Khachaturian, Aram
Rautavaara, Einojuhani


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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