> > > Rihm, Wolfgang: Klavierstücke 7, 5, 4, 2, 1
Mittwoch, 20. Februar 2019

Rihm, Wolfgang - Klavierstücke 7, 5, 4, 2, 1

Wie im Gedicht


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In Wolfgang Rihms ,Klavierstücken' gibt es etwas, das man in der Literatur ,lyrisches Ich' nennt. Dieses musikalische Ich ist gespalten. Die eine Seite will ausbrechen, ist laut, hämmernd, aus sich gehend, wütend und verzweifelt. Die andere Seite ist still, klagend, sinnend, in sich. Zwischen diesen Polen bewegt sich das musikalische Ich, wobei es viel häufiger an den Extremen zu finden ist, als dazwischen. Wenn doch, dann treibt es unsicher und verloren, nur in den Randlagen, nah am Abgrund, da bewegt es sich schwankend sicher. Die Übergänge sind oft abrupt, ohne Zwischenbereich, einem ppp-Akkord folgt unmittelbar ein sfffz-Akkord, und diesem wieder ein so leise wie möglich gespielter Akkord. Dabei ringen die beiden Seiten nicht miteinander, sondern sie sind gleichberechtigte Teile des musikalischen Ichs. Das zeitliche Verhältnis zwischen den Seiten verhob sich im Laufe der Jahre: im ersten Klavierstück von 1970 überwiegt noch die stille Seite, im Klavierstück Nr. 7 von 1980 hingegen die expressive Seite.

Der in die Rolle des musikalischen Ichs geschlüpfte Bernhard Wambach brilliert. Die beiden Seiten des Ichs sind jede für sich und in sich geschlossen überzeugend beseelt. Beide zusammen ergeben ein lebendiges, glaubhaftes musikalisches Ich. Die Klavierstücke Nr. 1 bis 7 sind kein Zyklus, dennoch kann Bernard Wambach einen alle fünf hier eingespielte Klavierstücke verbindenden Bogen schlagen. Das Ich, das er interpretiert, ist in allen Stücken das selbe Ich.
Die Dynamik ist in Rihms Klavierstücken ein wesentlicher Parameter, an dem, vor allem, die jeweilige Seite des musikalischen Ichs erkennbar ist. Schnelle Wechsel von einem Extrem ins andere, und wieder zurück, sind sehr schwierig zu spielen, denn die Stille neigt dazu, sich dem Tosen anzupassen, und auch Wambach gerät mit einem Bein in die Falle. Dennoch bleibt sein Spiel ausreichend differenziert und klar. Allerdings ist es einen Tick zu weich und könnte bisweilen härter und akzentuierter sein.

Die Klanqualität der CD ist, wie bei Kairos üblich, hervorragend. Auf der randvollen CD sind die Klavierstücke Nr. 1, 2, 4, 5 und 7 in umgekehrter Reihenfolge eingespielt. Das Klavierstück Nr. 6 hat Kairos bereits (zusammen mit weiteren Stücken Rihms) gespielt von Siegfried Mauser veröffentlicht. Das Klavierstück Nr. 3 op. 8c für vier Hände steht noch aus.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rihm, Wolfgang: Klavierstücke 7, 5, 4, 2, 1

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Kairos
1
01.07.2003
75:54
2001
2003
EAN:
BestellNr.:
9120010280115
0012372KAI

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Rihm, Wolfgang


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Interpret(en):Wambach, Bernhard (Piano)


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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