> > > Monteverdi, Claudio: Messa a quattro voci et salmi of 1650 Vol.1
Donnerstag, 2. Juli 2020

Monteverdi, Claudio - Messa a quattro voci et salmi of 1650 Vol.1

Nachlass


Label/Verlag: Coro
Detailinformationen zum besprochenen Titel


The Sixteen ist zweifellos ein Ensemble, das vielen stilistischen Sätteln gerecht wird. Hier, bei Monteverdi, hätte es gelegentlich eine Spur mehr souverän entfaltetes Temperament sein können. Dennoch ist sehr viel Schönes zu hören.

Als Claudio Monteverdi 1643 starb, war er hochberühmt, ein Großteil seiner im Laufe vieler Jahrzehnte entstandenen Musik war veröffentlicht und bekannt. Doch gab es noch immer einen ansehnlichen Teil unveröffentlichter Werke, die gleichwohl nicht dem Vergessen anheimfallen sollten. Monteverdis Verleger Alessandro Vincenti verantwortete eine 1650 erschienene Sammlung, die heute noch immer unter dem Namen ‚Messa a quattro voci et salmi‘ bekannt ist. Sie präsentiert nichts Nachrangiges, irgendwie übrig Gebliebenes – vielmehr zeigt sie Monteverdi in all seinen Qualitäten, auf der absoluten Höhe seiner Kunst.

Größer besetzte Psalmen wechseln mit deutlicher konzentrierten Sätzen, die als Geistliche Konzerte anzusprechen sind, voller unbedingt solistischer Brillanz, technisch ambitioniert und hochexpressiv. Dem Druck dieser Sammlung verdankt sich eine frühe Konzentration der Wirkung Monteverdis, eine erstaunlich reflektierte Rezeption.

Gemischte Bilanz

Das englische Ensemble The Sixteen widmet sich unter der künstlerischen Leitung seines Gründers Harry Christophers diesen Werken, jetzt ist der erste Teil veröffentlicht worden. Stilerfahren ist die Formation vor allem in kontrapunktischen Gefilden, doch nehmen regelmäßig auch Produktionen mit chorischer Musik der Gegenwart für die Möglichkeiten des Ensembles ein. Und auch das barocke Italien des 17. Jahrhunderts musikalisch keineswegs Terra incognita.

Christophers schöpft hier aus seinem reichen Fundus an potenten Vokalisten, die in der Gruppe ebenso zu glänzen vermögen wie solistisch. Es sind schöne Stimmen zu hören, charakteristisch, auch von wirklich kantigem Format – Stimmen die angemessen zeichnen und sich zu farbigen Tableaus versammeln. Chorisch gerät das Ergebnis exzellent, elegant, mit schlanker, nobler Kraftentfaltung, in dieser Geste deutlich von der langjährigen Arbeit und der Erziehung zu größter stilistischer Flexibilität und Einfühlung profitierend.

Solistisch beeindruckend sind die schwarzen Bässe Jimmy Holliday und Stuart Young. Auch die anderen Hauptprotagonisten sind sicher, offenbaren aber auch kleinere Defizite: So singen die beiden Tenöre Mark Dobell und Jeremy Budd gelegentlich etwas steife, auch technisch bei weitem nicht perfekte Melismen. Budd behagt die Besetzung als hoher Tenor immer wieder hörbar nicht, Dobell erreicht seine aus den Präsentationen mit dem Orlando Consort so verlässlich vertraute stimmliche Hochform nicht immer, die stets von einer erstaunlichen Flexibilität gekennzeichnet war. Die beiden Soprane Grace Davidson und Elin Manahan Thomas  agieren verlässlich und mehr als angemessen, vielleicht auch sie hin und wieder ungewohnt karg in der Entfaltung.

Die schmale instrumentale Besetzung flankiert das durchaus farbig, wenngleich die oft entschlossene dynamische Attacke der Vokalsolisten zum Beispiel die einfach besetzten Violinen spürbar bedrängt. Harry Christophers wählt die Tempi zutreffend, vor allem die latent zwischen Soli und Tutti pendelnden Psalmen gelingen vorzüglich, entfalten einen eleganten Sog. In kleinen Besetzungen sind sie dagegen gelegentlich zu verhalten, was manche textinspiriert dringliche Passage beinahe buchstabiert wirken lässt. Das Klangbild dagegen ist äußerst präzis, wirkt sehr gut disponiert, überzeugend gestaffelt und ist von angenehmer Lebendigkeit.

The Sixteen ist zweifellos ein Ensemble, das vielen stilistischen Sätteln gerecht wird. Hier, bei Monteverdi, hätte es gelegentlich eine Spur mehr souverän entfaltetes Temperament sein können. Dennoch ist sehr viel Schönes zu hören – vielleicht gelten manche Einschränkungen auch, weil nicht alle der zentralen Protagonisten perfekt disponiert scheinen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Monteverdi, Claudio: Messa a quattro voci et salmi of 1650 Vol.1

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coro
1
08.04.2016
Medium:
EAN:

CD
828021614224


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Monteverdi, Claudio


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Coro

CORO is the lively and successful record label of Harry Christophers and The Sixteen. Formed in 2001 Coro has re-mastered, re-packaged and re-issued recordings of The Sixteen that were for a short time available on Collins Classics and now releases most of the ensemble?s new recordings. The label also features artists such as The Hilliard Ensemble, Elin Manahan Thomas and Sarah Connolly as well as a ?Live? series and young artists focus. It has recently launched the Acoustic World series of discs which epitomize CORO?s values of excellence of performance, authentic instruments, brilliance of sound and world class musicians.

Celebrated releases include Allegri?s Mierere, Tallis?s Spem in Alium and the complete Eton Choirbook Collection. More recently CORO has released brand new recordings by The Sixteen of Handel?s Coronation Anthems and Fauré?s Requiem with the Academy of St Martin in the Fields. The ensemble?s recording of Handel?s celebrated oratorio, Messiah, with an all-star soloist line-up: Carolyn Sampson, Catherine Wyn-Rogers, Mark Padmore and Christopher Purves, was awarded the prestigious MIDEM Classical Award 2009.

The Sixteen is recognised as one of the world?s greatest ensembles. Comprising both choir and period instrument orchestra, The Sixteen's total commitment to the music it performs is its greatest distinction. A special reputation for performing early English polyphony, masterpieces of the Renaissance, bringing fresh insights into Baroque and early Classical music and a diversity of twentieth-century music, is drawn from the passions of conductor and founder, Harry Christophers.

At home in the UK, The Sixteen are "The Voices of Classic FM", TV Media Partner with Sky Arts, and Associate Artists of Southbank Centre, London. The group promotes an annual series at the Queen Elizabeth Hall as well as The Choral Pilgrimage, a tour of our finest cathedrals bringing music back to the buildings for which it was written. The Sixteen has recently featured in the highly successful BBC Four television series, Sacred Music, presented by actor Simon Russell Beale.

The Sixteen tours throughout Europe, Japan, Australia and the Americas and has given regular performances at major concert halls and festivals worldwide, including the Barbican Centre - London, Bridgewater Hall - Manchester, Concertgebouw - Amsterdam, Sydney Opera House, Tokyo Opera City and Vienna Musikverein and also at the BBC Proms, the festivals of Granada, Lucerne, Istanbul, Prague and Salzburg.

Bringing together live concerts and recording plans has allowed The Sixteen to develop a glittering catalogue of releases, containing music from the Renaissance and Baroque through to great works of our time.


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