> > > Schütz, Heinrich: Vater der Deutschen Musik
Mittwoch, 16. Oktober 2019

Schütz, Heinrich - Vater der Deutschen Musik

In fernem Land


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das 'erste' Porträt des 'ersten' 'deutschen' Komponisten.

Es beginnt in Venedig, mit Giovanni Gabrieli. Dessen Lieblingsschüler heißt – Schütz. Das ist die einzige (inszenierte) Überraschung dieses Porträtfilms. Er zeichnet sich durch Nüchternheit und herbe Strenge aus, durch ostdeutschen Lokalpatriotismus und sympathischen Biedersinn. Man folgt dem Lebenslauf Schützens, von Weißenfels und Venedig bis Dresden. In lockerer Fügung werden biographische, geschichtliche und musikalische Betrachtungen eingebracht.

Es handelt sich um eines der wenigen Arthaus-Porträts, das nicht von Fernsehanstalten koproduziert und deren bonbonsüßer Bildsprache angepasst wurde. Bereits der Titel verblüfft – ‚Heinrich Schütz, Vater der deutschen Musik‘. Väter und vaterländische Kunst sind nicht en vogue. Dass ein ausgewiesener Wessi, Jörg Kobel, der zahlreiche Dokumentationen, etwa für Arte oder die ARD, produziert – nicht selten zu ‚zeitgenössischen‘ Themen der linksliberalen Agenda – solche rhetorischen Anleihen bei gestrigen Diskursen nimmt, verleiht seinem Film ein pikantes, exotisches Aroma – und ostdeutsches Kolorit. (Wer hat von Köstritz, Weißenfels oder Torgau gehört, Schütz’schen Lebensstationen – im Westen wohl niemand.) So ergibt sich ein stimmiges Bild.

Heinrich Schütz hat den größeren Teil seines Lebens im sächsischen Sprachraum verbracht und Kobels Gewährsleute sind meistenteils sächsischer Herkunft: Matthias Herrmann, Christina Siegfried, David Douglas Bryant. Ihre Rede ist kenntnisreich und entflammt. Man verweist auf die gründliche musikalische Ausbildung an damaligen Gymnasien: täglich vier Stunden Gesang und reichlich Mathematik; auf Schützens venezianische Lehrjahre; verheerende Todesfälle in der Familie und den Dreißigjährigen Krieg; das hochstehende Musikleben des sächsischen Hofes, vom Fürsten auch während des Krieges gehegt und gepflegt. Auch Hans-Christoph Rademann kommt zu Wort. Er verantwortet die erste Schütz-Gesamteinspielung. Verständlich auch für den Laien, erhellt er die Wesensmerkmale dieser Musik.

Heinrich Schütz galt vielen als Begründer der deutschen Oper. Ob 'Daphne' nach einem Text Martin Opitz’ Oper war oder Schauspiel mit musikalischen Intermezzi, bleibt umstritten. Sicher ist, dass Schütz den Generalbass, mithin das Barock, in Deutschland durchgesetzt und die deutsche Sprache musikalisch rehabilitiert hat. Das ist des Glanzes genug.

Jörg Kobel hat einen sperrigen Dokumentarfilm gedreht, der Schütz nicht gewaltsam in die Gegenwart einbürgert: eine achtbare Leistung.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schütz, Heinrich: Vater der Deutschen Musik

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
08.04.2016
Medium:
EAN:

DVD
807280917598


Cover vergössern

Schütz, Heinrich


Cover vergössern

Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Arthaus Musik:

  • Zur Kritik... Ballett-Ikone: Dieser Film entwirft ein spannendes – wenn auch ein wenig in die Jahre gekommenes – Porträt von John Neumeier. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Beeindruckendes Gesamtporträt: Fast non-stop dirigierte Valery Gergiev 20 der bedeutendsten Werke von Prokofjew in Moskau und St. Petersburg. Ein Filmteam schnitt mit und produzierte zusätzlich eine TV-Doku. So entstand ein umfassendes Prokofjew-Porträt. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Generationenwechsel: Aus der historischen Distanz erweist sich die Salzburger 'Zauberflöte' 1982 als nicht ganz so gut wie seinerzeit von der Presse gepriesen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Arthaus Musik...

Weitere CD-Besprechungen von Daniel Krause:

blättern

Alle Kritiken von Daniel Krause...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Wichtige Farbe: Die Kammermusik Heinrich Anton Hoffmanns ist ein wichtiger zeithistorischer Beitrag. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Der finno-ugrische Prinz: Insgesamt eine überzeugende Interpretation der beiden Bartók-Ballette, denen ein wenig mehr Schmackes jedoch nicht geschadet hätte. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Rihm-Frauenpower: Tianwa Yang komplettiert 'ihren' Rihm. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2019) herunterladen (3600 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Jacques Offenbach: Le Royaume de Neptune - Pas de trois

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich