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Mittwoch, 22. Januar 2020

The Gaede Trio Series Vol. VI - String Trios

Aus dem gelobten Gaedeland


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Also, nun könnte der Rezensent sich dumm stellen und so tun, als hätte er noch keine Kritiken über das Gaede Trio gelesen oder ihr Spiel noch nie gehört. Dann würde er wahrscheinlich anfangen, über die Streichtrioformation an sich zu philosophieren, betonen, dass es in ungleichem Maße mehr Streichquartette gibt als Trios, und sich auch Komponisten selten in dieser Besetzung inspirieren ließen. Wäre er ein missmutiger Charakter, der Kritiker, könnte er anmelden, dass es trotz der außergewöhnlichen Qualität des vielgelobten Gaede Trios doch leichter sei, auf diesem karg bestellten Feld zu reüssieren, als im dichten Wald der Streichquartette.
Aber all dies kann er sich sparen, wenn es um die Folge 6, der bei Tacet erscheinenden Serie des Gaede Trios geht. Auch in dieser Episode besticht die CD durch eine vielseitige und reizvolle Programmgestaltung, die Mozart und Beethoven mit dem spröden Charme der Zwölftonmusik Kreneks und dem witzelnden Jean Françaix in Verbindung bringt.

Bereits die ersten Takte des Beethoventrios op. 9 Nr. 2 in D-Dur nehmen den Hörer gefangen. Zart weich schwingen die drei Herren sich sofort auf das Werk ein, es bedarf keiner Anlaufphase. Vom ersten Moment an fühlt man den gemeinsamen Atem, der bei Trioformationen, die anders als das Gaede Trio ,ad hoc? aus Solisten hervorgehen, oftmals nicht erwartet werden kann. Da schieben sich dann schon mal die solistischen Eitelkeiten vor den gemeinsamen Gestaltungswillen, so dieser überhaupt vorhanden war. Entsprechende Interpretationen wirken nicht selten aufgeregt und maniriert. Ganz anders beim Gaede Trio. Die drei Streicher erreichen in allen Sätzen des Beethovenwerkes eine hörbare Gelassenheit trotz Auslotung aller Details. Ihre Darstellung ist eine Kammermusik im besten Sinne, die nicht wie ein Orchester zu klingen sucht, dafür eine ungemein differenzierte Farbigkeit und hunderte Nuancen im Ausdruckspektrum kennt. Um dies zu erreichen, bedarf es eines jahrelangen Zusammenspiels und Einfühlungsvermögen.

Mit Ernst Kreneks ,Parvula corona musicalis? op. 122 kündigt sich eine, verglichen mit Beethoven, vollkommen andere Sprache an. Das Werk ist eine Hommage an Johann Sebastian Bach, das B-A-C-H-Motiv ist in den Verlauf der Zwölftonreihe integriert, aus der das Werk hervorgeht. Doch trotz des typischen ,haltlosen? und bisweilen sperrigen Zwölftonklanges, der sich in der Kleinbesetzung dreier Instrumente nicht ohne weiteres reibungslos genießen lässt, handelt es sich absolut um kein ernstes Stück. Krenek spielt mit Rhythmen, denen ein gewisser Witz durchaus eigen ist. Zudem drängt sich schon die erste Präsentation der Reihe durch ihr, im Kontrast zu den übrigen acht leisen Tönen, im Forte vorgetragenes B-A-C-H-Thema humorvoll auf. Man hört Krenek und das Gaede Trio förmlich rufen: ,Hallo, hier ist das Thema, kapiert?!?
Einen Bogen zu dieser Bachiana schlägt ein schwermütig präsentiertes Adagio und eine Fuge in g-moll. Die nach g transponierte Bearbeitung der Fuge fis-moll aus dem 2. Teil des Wohltemperierten Klaviers stammt wahrscheinlich aus der Feder Mozarts. In der Tat scheint seine Sprache im hinzukomponierten einleitenden Adagio unverkennbar, wenngleich diese Musik im Tonfall den Anschluss an den älteren Bach sucht und findet.

Neben dem folgenden Trio von Jean Françaix nimmt sich die Interpretation der Mozart/Bach-Fuge trotz seines flotten Tempos fast gewichtig aus. Ein überraschenderer Gegensatz als zwischen ihr und dem verspielten ,Allegretto vivo? des Françaix-Trios mit seinen schwebend flirrenden Tönen ließe sich kaum denken. Das Gaede Trio spielt hier kongenial an den Grenzen, wo sich Töne in klingend flimmerndes Zirpen auflösen. Burschikos erlaubt sich das tänzelnde Scherzo danach ein paar dreinfahrende Striche, um sich anschließend in einem Andante von fast gehauchter Zurückhaltung zu verlieren. Im abschließenden ironischen Rondo sind einmal mehr die Qualitäten des Gaede Trios versammelt ? Perfektion, Vielseitigkeit und Raffinement.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The Gaede Trio Series Vol. VI: String Trios

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Tacet
1
01.04.2003
50:01
2002
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4009850010302
TACET 103


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Beethoven, Ludwig van
Francaix, Jean
Krenek, Ernst
Mozart, Wolfgang Amadeus


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Interpret(en):Gaede Trio,


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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