> > > Scharwenka, Philipp: Werke für Violine & Klavier
Freitag, 20. April 2018

Scharwenka, Philipp - Werke für Violine & Klavier

Zeitenende


Label/Verlag: TYXart
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Violinsonaten von Philipp Scharwenka reißen in der hochexpressiven Deutung von Natalia Prischepenko und Oliver Triendl mit.

Philipp Scharwenka (1847–1917) wird wie sein Bruder Xaver gern den ‚Pädagogen-Komponisten‘ zugezählt und damit als minderwertig und minderwichtig eingeschätzt. Natürlich besagt dieses Vorurteil mehr über die Kritiker als über den Komponisten, der von 1892 bis zu seinem Tode das gleichnamige (später Klindworth-Scharwenka-) Konservatorium in Berlin als Rektor leitete. Von Philipp Scharwenkas Kompositionen haben es immerhin verschiedene Kammermusik- und Orchesterwerke auf den Tonträgermarkt geschafft, auch wenn die Ausbeute proportional noch deutlich verbesserungsfähig sein könnte.

Die vorliegende CD rückt drei späte Werke Scharwenkas für Violine und Klavier in den Fokus, Werke, die in den Jahren 1896, 1900 und 1904 veröffentlicht wurden. Die Zeit um das Jahr 1900 brachte bekanntlich einen grundsätzlichen Umschwung im musikalischen Geschmack mit sich – bei Scharwenka ist von diesem Geschmackswechsel noch nichts zu spüren.

Die Sonate h-Moll op. 110 bedient ein reiches Ausdrucksspektrum, vom Dramatischen (fast à la ‚Erlkönig‘) über ein tragisches (äußerst kurzes) 'Largamente' bis hin zum sich auflichtenden, doch verdeckt melancholischen Finale. Die 1973 geborene Russin Natalia Prischepenko und ihr Klavierpartner, der formidable Oliver Triendl, erfüllen die Musik mit Wärme und Emotion, wenn auch Prischepenko in ganz wenigen Momenten der ganz großen Geste nicht immer ganz abhold ist (mehr Vertrauen in die Musik wäre genug gewesen). Ohne Frage lässt diese Interpretation nicht kalt, sie reißt mit, ist gleichzeitig poetisch und introvertiert wo erforderlich.

Gleiches gilt für die e-Moll-Sonate op. 114; wie ihr Geschwister dreisätzig, ist sie von der Gesamtstimmung her etwas zurückhaltender, teilweise in Momenten auch fast salonhafter, erfährt hier aber nicht minder eine Einspielung voller Fleisch, Blut und fein differenzierter Emotion. Prischepenko und Triendl leben diese Musik, sind weit von jenem ‚Virtuositäts‘-Vorwurf entfernt, der im Falle mechanistischer Musikdarbietung auch nicht unbedingt fehl am Platz wäre. Es ist gut, dass Prischepenko Portamento nur sehr behutsam einsetzt – Emotion könnte sonst leicht zu Sentiment verkommen.

Stärker aufs Spielerisch-Musikalisch-Musikantische ausgerichtet (doch keineswegs ohne klar ausgearbeitete musikalische Aussage) ist die viersätzige Suite op. 99 mit einem dramatischen, 'Toccata' übertitelten Kopfsatz, einer 'Ballade' mit großer Kantilene als langsamem Satz, einem luftigen kontrapunktischen 'Intermezzo' an Scherzo-Stelle und einem Schlusssatz, den Scharwenka 'Recitativ und Tarantella' überschrieben hat – und gerade das die Kadenz einleitende 'Recitativ' ist von ganz besonderem Reiz und Eigenart, ehe eine wirbelnde Tarantella das Werk (und die CD) zu einem mehr als befriedigenden Abschluss bringt.

Aufnahmetechnisch ist die Produktion tadellos, das Booklet hervorragend (sehr gut illustriert und sogar mit kurzen Texten auf Französisch und Japanisch). Rundum also eine CD, die man mit Leichtigkeit empfehlen kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Scharwenka, Philipp: Werke für Violine & Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
TYXart
1
08.04.2016
65:50
EAN:
BestellNr.:

4250702800750
TXA16075


Cover vergössern

TYXart

TYXart - the musicART label

TYXart ist es ein besonderes Anliegen, die emotionalen, geistigen und intellektuellen Anforderungen von Musikliebhabern mit hochwertigen künstlerischen Einspielungen zu erfreuen - und dass Tiefsinn, Humor, Stille, Kraft, Nachdenklichkeit, aber auch Lebensfreude, Jubel oder Trauer, also alles, was die musikalischen Befindlichkeiten des Menschen erhebt und befriedigt, in unseren Veröffentlichungen enthalten ist.

Es geht uns dabei nicht in erster Linie nur um "Berühmtheit" oder "Perfektionismus", sondern ums Humane, Originelle, Individuelle und um die begeisternden und begeisterten Interpretationen ungewöhnlicher Musiker, auch der ganz jungen. Jede CD ein Unikat! Das soll unser Motto sein. Dass sich unserem Konzept bereits mehrere außergewöhnliche und berühmte Künstler spontan anschließen, beruht auf deren Überzeugung von der Richtigkeit unseres Anspruchs.

Herausragende Musiker und Ensembles der Veröffentlichungen: Giora Feidman (Klarinette), Elena Denisova (Violine), Yojo (Klavier), Liana Issakadze (Violine), Alexander Suleiman (Violoncello), Corinne Chapelle (Violine), Carmen Piazzini (Klavier), Franz Grundheber (Bariton), Matthias Veit (Klavier), Nathalia Prishepenko (Violine), Alexandra Sostmann (Klavier), Franz Hummel (Komponist), Masako Sakai (Klavier), Ensemble del Arte (Kammerorchester), Vardan Mamikonian (Klavier), Jakob David Rattinger (Viola da Gamba), Werner Schneyder (Musik-Kabarett), TRIO ZERO, Sojka Quartett, Deutsches Saxophon Ensemble, Moscow Symphony Orchestra ...

Wir stellen zusammen mit unseren Künstlern in Serien wie z.B. "Modern Classics", "Rising Stars" oder "Crazy Edition" Aufsehen erregende Musikaufnahmen unserer Zeit ungewöhnlichen Interpretationen aus mehreren Epochen gegenüber, um ein breites Publikum auf die Lebendigkeit, Schönheit und Kühnheit neuer Kompositionen im Fokus radikaler oder besonders individueller Interpretationen traditioneller Werke aufmerksam zu machen. Lassen Sie sich auch jenseits von Mainstream-Bewegungen begeistern von den sensationellen Einspielungen der Künstler bei TYXart!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag TYXart:

  • Zur Kritik... Ein Herzensprojekt: Timothy Sharp gelingen wunderbar unaufgeregte Interpretationen unterschiedlichster Lieder von Richard Strauss. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Heimliche Lauscher: Robert Schumann, Johannes Brahms, Franz Schubert interpretiert von Carmen Piazzini Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Starkes Debüt: Anne Rieglers Debüt-Album überzeugt sowohl durch das programmatische Konzept als auch durch gelungene Interpretationen. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle Kritiken von TYXart...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Echte Alternative: Stefania Neonato bricht eine Lanze für Giacomo Gotifredo Ferrari. Sie ist eine denkbar berufene und vor allem stilistisch sattelfeste Anwältin für Ferraris Tastenmusik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Erfrischend: Marek Janowski begegnet den Orchesterwerken Paul Hindemiths mit quicklebendiger Frische und einem Höchstmaß an geistiger Durchdringung. Ein Glücksfall. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Dokument von bleibendem Wert: Copland dirigiert Copland. Das Ergebnis ist beeindruckend, vor allem der rhythmischen Frische wegen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Telemann als Kantor: Telemann als Kantatenkomponist von Rang interessiert immer. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Bach für Kinder: Welches Kind hört schon gern Orgelmusik? Oder ist ein Fan von Johann Sebastian Bach? Das Hörstück 'Der Soli, das Deo und die Gloria' führt Kinder fantasievoll an das Leben und Werk Bachs heran und zeigt, dass seine Musik uns auch heute noch etwas angeht. Weiter...
    (Sara Walther, )
  • Zur Kritik... Orchestrales Delirium: Die frei schwebende, vage spätromantische Musik des Schweden Allan Pettersson in einer adäquaten Interpretation. Weiter...
    (Dr. Eckehard Pistrick, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2018) herunterladen (2494 KByte) Class aktuell (1/2018) herunterladen (3364 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Ich will gar keine Dirigentin sein"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich