> > > Henze, Hans Werner: Sinfonie Nr. 7
Dienstag, 11. Dezember 2018

Henze, Hans Werner - Sinfonie Nr. 7

Meister des Übergangs


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Henzes Siebte Sinfonie liegt hier ein einer exzellenten Umsetzung durch das Gürzenich-Orchester unter der Leitung von Markus Stenz vor. Nur ein markwürdig kurzes Werk erstaunt.

Mit unschöner Unregelmäßigkeit erscheinen Markus Stenz‘ Henze-Aufnahmen. Der aus der Eifel stammende Dirigent macht längst Karriere in Hilversum, Melbourne und Baltimore, ist Gastdirigent bei allen wichtigen Orchestern der Welt. Seine Stelle als Kölner Gürzenich-Kapellmeister endete 2014 nach elf Jahren. Nachdem er mit demselben Orchester vor acht Jahren Hans Werner Henzes Achte Sinfonie vorgelegt hatte, erscheint nun, bei anderem Label, die Siebte. Man könnte, würde man dies wollen, Marek Janowskis Einspielung beider Sinfonien (auf einer Wergo-CD) Stenz gegenüber in Positur bringen, auch die Ersteinspielung unter Simon Rattle und die SWR-Produktion unter Sylvain Cambreling heranziehen, doch das scheint fast unnötig. Denn der besondere Wert der CD liegt vielleicht genauso sehr in den drei ergänzenden Kompositionen auf der CD, den 'Sieben Boleros', die Henze 1998 aus der Oper 'Venus und Adonis' (1997) herauslöste, der Serenade 'L‘heure bleue' für 16 Soloinstrumente aus der Oper 'L‘Upupa oder der Triumph der Sohnesliebe' (2001) und der 'Ouvertüre zu einem Theater' aus dem Jahre 2012; eine Woche nach der Uraufführung dieser letzten Komposition starb Hans Werner Henze.

Dass Markus Stenz Henzes Idiom wie kaum einer kennt, ist von den ersten Takten der die CD eröffnenden Siebten Sinfonie an hörbar – der Farbenreichtum der Partitur, gleichzeitig die Dichte an Fakturen sind beeindruckend verlebendigt, ausgearbeitet bis in die kleinsten Ästchen. Besonderen Wert legt Stenz auf die Avanciertheit von Henzes harmonischer und instrumentatorischer Ästhetik. Ähnliches gilt für die musikalisch durchaus anspruchsvollen 'Sieben Boleros', deren Sensualismus und Puls nicht den Reichtum an zeitgenössischen Klangstrukturen überdecken dürfen. Ganz anders von Konzept und Faktur, wenn auch ebenfalls aus einer Oper hervorgegangen, ist 'L‘heure bleue', eine Art kleine Tondichtung für Kammerensemble, die die faszinierende Phase der Abenddämmerung am Mittelmeer thematisiert; die in der Partitur (und im CD-Booklet) genannte Dauer von 10 Minuten ist hier mit unter 4 Minuten klar konterkariert – die CD-Produktion erläutert nicht, wie diese Divergenz zustande kommt. Die 'Ouvertüre zu einem Theater' schließlich, ein insgesamt eher konventionell konzipiertes, dafür aber vielleicht umso leichter zugängliches Werk, kann gewissermaßen als eine Art Summation von Henzes sinfonischem Schaffen angesehen werden. Auf dem knappen Raum von rund fünf Minuten sind viele von Henzes typischen Kompositionseigenschaften zu entdecken, dazu eine durchaus zugängliche Melodik, die man ebenfalls immer wieder in seinem Schaffen antreffen kann.

Stenz ist ein Meister des musikalischen Übergangs, unter seinen Händen wirken die Texturen- und Tempoänderungen nicht nur mühelos, sondern geradezu zwangsläufig. Die Kölner Musiker sind nicht erst seit der Nachkriegszeit Spezialisten für die jeweils avancierteste Musik ihrer Zeit, so dass Henzes Musik in all ihren Facetten zu ihrem Recht kommt. Die Klangflächen oszillieren gerade so wie man es sich erhofft.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Henze, Hans Werner: Sinfonie Nr. 7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
08.04.2016
EAN:

4260034864467


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Henze, Hans Werner


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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