> > > Hellstenius, Henrik und Matre, Orjan: Violinkonzerte und Orchesterwerke
Freitag, 4. Dezember 2020

Hellstenius, Henrik und Matre, Orjan - Violinkonzerte und Orchesterwerke

Zwei Zeitgenossen aus Norwegen


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Label BIS stellt jeweils zwei Werke der norwegischen Komponisten Henrik Hellstenius und Ørjan Matre in den Mittelpunkt einer neuen Produktion und erlaubt damit überraschende Einblicke in die skandinavische Musik der Gegenwart.

Das Konzept dieser SACD aus dem Hause BIS besteht darin, die Werke zweier norwegischer Komponisten einander gegenüber zu stellen und dies jeweils anhand eines Orchesterstücks und eines Violinkonzerts zu tun. Der ältere der beiden ist Henrik Hellstenius (*1963): In seinem Orchesterstück 'Like Objects in a Dark Room' (2007, revidiert 2014) tastet sich die Musik ruhig und behutsam voran. Regelmäßige Schläge auf die Snaredrum oder andere rhythmisch profilierte Aktionen nutzt der Komponisten als Mittel zur Spannungssteigerung und Zeitakzentuierung, vor deren Hintergrund die Konturen melodischer Gestalten erscheinen und wieder zerfallen. Die Kunst der Orchesterbeherrschung, insbesondere die Abtönung der Farbwerte und der behutsame Umgang mit dem Instrumentarium, machen das Werk ausgesprochen hörenswert. Unter Leitung des Dirigenten Rolf Gupta auf rhythmische und dynamische Präzision sowie – unterstützt von der hervorragenden Klangqualität – auf klangliche Transparenz bei der Wiedergabe setzend, liefert das Stavanger Symphony Orchestra einen gelungenen Einstieg in die Platte und gibt damit auch den qualitativen Richtwert für alle weiteren Stücke vor.

Welcher Abwechslungsreichtum dabei im Mittelpunkt steht, wird anhand des zweiten Violinkonzerts 'In Memoriam' (2012, revidiert 2013) von Hellstenius deutlich: Hier lagert der Komponist die Instrumentalklänge des aus Streichern und Schlaginstrumenten zusammengesetzten Orchesters an den im Vordergrund stehenden Solisten an, sodass die orchestralen Farbtupfer immer wieder wie Schattenwürfe anmuten, die gelegentlich selbstständiger werden, sich aber im Grunde nie vollständig von der Solovioline lösen. Hellstenius zögert nicht, auch aufgerautere Klänge und geräuschhafte Farben zu benutzen, bindet sie aber in den Diskurs der Musik, der vom Quasi-Stillstand des Beginns in eine Phase größerer, fast schon hektischer Aktivität übergeht, um dann am Ende wieder in die Ausgangssituation zu münden. Der Geiger Peter Herresthal unterzieht den Solopart einer differenzierten Befragung und präsentiert ihn in feinen Abstufungen, als deren roter Faden sich ein immer wieder eingewobener, in kantablen Abschnitten deutlicher artikulierter Klagecharakter erweist.

Die Musik von Ørjan Matre (*1979) gibt sich ähnlich eloquent wie die seines älteren Kollegen: In seinem zweisätzigen Violinkonzert von 2014 setzt er die Möglichkeiten des Orchesters mal in Gestalt leiser, grimmiger Blechbläserballungen in den tiefen Registern, mal als Kombination von Englischhorn und Schlagwerk, mal als Celesta-Arpeggien in den hohen Registern ein und nutzt solche Ereignisse, um damit den im Vordergrund stehenden Violinpart zu kommentieren. Oft schafft er auch grundierende Flächen, in denen sich die Klangfäden einander umwinden, während sich der Violinpart von diesem Hintergrund abhebt. Darüber hinaus gibt es jedoch auch rhythmisch prägnantere Passagen, in denen der Komponist die Kräfte seiner Instrumente bündelt und sie zumindest kurzzeitig in kurze, energetische Ostinato einrasten lässt. Herresthal bewältigt die enormen, für den Hörer nicht unbedingt kenntlichen spieltechnischen und vor allem intonatorischen Hürden des Werkes mit Bravour und überzeugt mit einem sehr abwechslungsreichem Vortrag sowie mit einer – trotz häufig zurückhaltender Klanggebung – starken Präsenz.

Auch im Orchesterstück 'preSage' (2013, revidiert 2015) zeigt Matre, wie gekonnt er mit den Instrumentalfarben umgehen kann. Dabei spielt er hier auf der Grundlage einzelner Materialien aus Igor Strawinskys 'Le Sacre du printemps' mit der Brechung bekannter Konstellationen, ohne diese jedoch tatsächlich wörtlich zu zitieren, und bindet dies in einen musikalischen Verlauf ein, der vom filigranen, schillernden Streichersatz des Beginns bis hin zu vehementen orchestralen Ausbrüchen reicht. Ganz gleich, welches der vier eingespielten Stücke man sich auch vornimmt: Das Hineinhören lohnt sich auf jeden Fall, weil man mit Musik abseits des Mainstream in Berührung kommt, die man hierzulande weder in den wenig abwechslungsreichen Programmen der Konzerthäuser noch auf den Festivals für zeitgenössische Musik geboten bekommt. Der Gesamteindruck ist jedenfalls in vielerlei Hinsicht sehr positiv und macht Lust auf mehr.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hellstenius, Henrik und Matre, Orjan: Violinkonzerte und Orchesterwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
02.03.2016
Medium:
EAN:

SACD
7318599921525


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Hellstenius, Hendrik


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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