> > > A Moveable Feast: Werke von Williams, Ravel und Falla
Sonntag, 20. Oktober 2019

A Moveable Feast - Werke von Williams, Ravel und Falla

Paris im Herzen, Europa im Klang


Label/Verlag: Channel Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die vielseitigen Musiker des Stockholm Syndrome Ensembles vertiefen sich voller Neugier in die Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts und entdecken das Pariser Lebensgefühl neu.

Die jungen Musiker des Stockholm Syndrome Ensembles wollen vor allem eines - seinen Namen zum Programm machen. Soll heißen: das Publikum für ihre Musik begeistern und dermaßen in den Bann ziehen, dass ein Konzert mit ihnen zu einem unvergesslichen Erlebnis wird. Das Ensemble gibt es seit einigen Jahre, und die Liste seiner künstlerischen Partner – u.a. mit Olivia Chaney, Anne Sofie von Otter, Gustav Lundgren oder Andrew Staples – weckt hohe Erwartungen an das erste Album "A Moveable Feast", erschienen bei Channel Classics.

Wie für die Programme des Stockholm Syndrome Ensembles üblich, spannt sich die Dramaturgie der Aufnahme um ein Thema bzw. einen Fixpunkt, in diesem Fall Paris um 1907. Alle drei Komponisten der CD – der Engländer Ralph Vaughan Williams (1872-1958), der aus Frankreich stammende Maurice Ravel (1875-1937) und der Spanier Manuel de Falla (1876-1946) – wurden in jener Zeit von der großen Kulturmetropole beeinflusst und inspirierten sich auf verschiedene Art und Weise gegenseitig.

Zur Kerngruppe des Stockholm Syndrome Ensembles gehören Simon Craword-Phillips (Piano), Malin Broman (Violine/Viola), Fredrik Paulsson (Violine), Malin William-Olsson (Violine/Viola), Johannes Rostamo (Cello) und Rick Stoijn (Kontrabass). Das Ensemble bewegt sich gern zwischen den Genres, dabei macht es keinen Unterschied, ob das Werk aus dem Repertoire des Barock, der Romantik, der Filmmusik des 20. Jahrhunderts oder einer modernen Band wie Radiohead kommt. Was bei manch anderen mehr gewollt als gekonnt wirken würde, wird bei den jungen Musikern dank ihres technischen Könnens, gepaart mit viel Hingabe, zu einem großen Konzertereignis. In diesen Einspielungen liegt das Augenmerk auf den sehr unterschiedlichen folkloristischen Einflüssen der Komponisten. Gleichzeitig sind alle vier Werke durch ihren Zeitgeist und die gegenseitige Einflussnahme ihrer Schöpfer miteinander verbunden und ergeben ein rundes Programm.

Ralph Vaughan Williams' Klavierquintett in c-Moll aus dem Jahr 1903 ist sein erster Beitrag zu dieser Kammermusikbesetzung. Doch auch musikalisch braucht es sich nicht neben den Werken Maurice Ravels zu verstecken: Von Beginn an fordert die Komposition ein ausdrucksstarkes Spiel mit viel Gefühl. Vaughan Williams, neben Edgar Elgar wohl der einflussreichste klassische Komponist der britischen Musikwelt, ist bekannt für seine Verbindung von traditionellem Volksliedgut mit zu seiner Zeit modernen Musikeinflüssen. Den Streichern des Ensembles gelingt es hier mit viel Bravour, einen eigenständig geformten Klang zu entwickeln, der den expressiven Momenten der Partitur ein paar Kanten verleiht und so verhindert, dass die Gesamtwirkung ins Gefühlige abdriftet. Ein interessanter Effekt entsteht beispielsweise im ersten Satz 'Allegro con fuoco' durch das gezielt eingesetzte feine Vibrato. Das Klavier dagegen verwebt mit leichtem Anschlag die Töne und Akkorde zu einem Klangteppich, über dem die Streicher sich entfalten können. Im zweiten Satz 'Andante' steht es wiederum im gut abgestimmten Dialog mit den übrigen Musikern und lässt sich Zeit, einen vollen, runden Klang hervorzurufen.

Im Mittelpunkt des Albums steht Maurice Ravels 'Le tombeau de Couperin' von 1917. In den fünf stilisierten Barocksätzen setzt der Komponist seinen im Ersten Weltkrieg gefallenen Freunden sowohl musikalisch als auch namentlich ein Denkmal. Er verarbeitete seine Trauer in unerwartet lockeren tänzerischen Noten. Atemlos prescht das Klavier in dem Leutnant Jacques Charlot gewidmeten 'Präludium' voran, wobei das Klavierspiel dennoch entspannt daherkommt und dem Satz einen positiven Anstrich gibt. Die dem Oberleutnant Gabriel Deluc gewidmete 'Forlane' dagegen ist insgesamt alles andere als harmonisch, und das Ensemble lässt geschickt die in der Musik verarbeiteten außereuropäischen Einflüsse hörbar werden. Die stets wechselnde Rhythmik und feinen Triller wirken angenehm natürlich und ungekünstelt. Der gesamte Satz wird relativ nüchtern ausgespielt und entbehrt nicht eines gewissen, wahrscheinlich auch vom Komponisten beabsichtigten sarkastischen Untertons.

Aus Manuel de Fallas 'El Amor Brujo' erklingen als Abschluss der erste und zweite Satz in einem Arrangement speziell für das Ensemble. De Falla entwickelte das Werk aus der Musik eines Theaterstückes, in dem u.a. in einer Szene mit dem rituellen Feuertanzes böse Geister ausgetrieben werden sollen. Forsch und dennoch tänzerisch leben die Musiker ab der ersten Note hier die spanischen Einflüsse aus und greifen noch einmal tief in ihre Trickkiste. Mit Crescendi und Descrescendi im fliegenden Wechsel, Soloparts und furiosem Ensembleklang, Tanzrhythmen und Momenten des Stillstandes gibt es für den Zuhörer keine einzige Sekunde Langeweile. De Falla nimmt den typisch spanischen Flamenco und vermischt ihn mit Ravel und Debussy, das Stockholm Syndrome Ensemble versetzt die Musik mit seinem frischen Ansatz schließlich ins 21. Jahrhundert.

Die jungen Musiker spielen mit viel Energie und einem modernen Ansatz. Sie bewegen sich zwischen den Stilen von Barock, Klassik, Film- oder Popmusik, und das hört man. Der variable Ensemble-Klang passt sich geschmeidig den jeweiligen Anforderungen der Musik an, von warm und voll wie bei Vaughan Williams hin zu schlank und durchsichtig, z.B. in Ravels kurzem 'Frontispice'. In manchen ruhigeren Passagen entsteht allerdings der Eindruck, dass der Spannungsbogen zu locker gefasst wird, und trotz aller Technik mangelt es der Musik ab und zu an einer gewissen Präsenz. Diese Werke und ihre Interpreten muss man vermutlich live erleben, damit sie ihre volle Wirkung erzielen können. Nichtsdestotrotz ist die Aufnahme des Stockholm Syndrome Ensembles geprägt von kreativer Ausgestaltung und vielen prägnanten Momenten.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    A Moveable Feast: Werke von Williams, Ravel und Falla

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Channel Classics
1
08.04.2016
Medium:
EAN:

CD
723385369165


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Falla, Manuel de
Ravel, Maurice


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Channel Classics

Channel Classics Records is a quality record label based in Holland. Director, producer and recording engineer is C. Jared Sacks. Having grown up in Boston Massachusetts, schooled at Oberlin Conservatory and the Amsterdam Conservatory of music with 15 years experience playing French Horn, Jared decided to make his hobby of recording a profession in 1987. The label started in 1990 with the name Channel Classics coming from the street he lived on in Amsterdam. (Kanaalstraat).
Jared and his Dutch wife Lydi Groenewegen together with a group of assistants work closely with distributors in 37 countries to promote the artists through the CD?s.


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