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Sonntag, 25. August 2019

Mendelssohn, Felix - Elias op.70

Abschied mit Elias


Label/Verlag: ACCENTUS Music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Rademanns Abschieds-'Elias' mit dem RIAS Kammerchor und Akamus kann sich hören lassen.

Im Juli 2015 nahm der Leiter des RIAS Kammerchores Hans-Christoph Rademann nach acht Jahren seinen Abschied von dem renommierten Klangkörper. Als letztes dirigierte er mit Felix Mendelssohn Bartholdys 'Elias' noch einmal das Werk, mit dem er 2007 angetreten war. Der Mitschnitt liegt nun als 2-CD-Set mit detailiertem Booklet vor, der Gesangstext ist auch mit enthalten. Ich persönlich gestehe, dass ich - wie wohl auch manch anderer - mit der überragenden Sawallisch-Einspielung mit dem Gewandhausorchester und Chor aus Leipzig aus den späten 1960er Jahren aufgewachsen bin. Diese ist hochdramatisch und Theo Adam ein derart mächtiger Prophet, dass man sich, um es einmal lästerlich auszudrücken, die ganze Zeit fragt, warum er mit so einem Bassbariton eigentlich auf Gottes Hilfe angewiesen ist.

Rademanns Ansatz mit der Akademie für Alte Musik Berlin (Akamus) und dem RIAS Kammerchor ist nun zwar nicht der erste historisch informierte, gleichwohl klingt "sein" 'Elias' natürlich anders als noch 1968, jedoch nicht ganz anders. Das erste 'Hilf, Herr' tönt genauso gewaltig und überzeugend. Überhaupt wirkt der Chor bei aller Textverständlichkeit nie zurückgenommen, sondern vertritt das Volk Israels auch schon mal recht massig, bleibt dabei aber in den Stimmgruppen stets gut unterscheidbar. Thomas Oliemans Bariton wirkt gegenüber Adam um einiges leichter, auch wirkt sein Elias deutlich verletzlicher, um nicht zu sagen "menschlicher". Die Verurteilung der Propheten Baals kommt ihm gleichwohl furios über die Lippen, genauso freilich wie das spätere schlechte Gewissen darüber.

Grundsätzlich gewinnt dieser 'Elias' durch die gewandten schlanken Stimmen der Gesangssolisten. Marlis Petersens 'Höre, Israel' klingt wunderschön anrührend, während Maximilian Schmitt seinen Part mit der Flexibilität eines Evangelisten gibt. Einzig Lioba Braun fällt leider deutlich ab, da sie zu nasal klingt und dazu unterpräsent (vielleicht war sie an dem Abend erkältet?). Schon die Ouvertüre klingt bei Akamus angenehm weich und getragen, die Verzweiflung Israels baut sich erst nach und nach auf. Vor allem die Streicherfarben betören in dieser Aufnahme ein ums andere Mal.

Dass der 'Elias' eher eine geistliche Oper voller "Hits" und mit viel Tonmalerei ist als ein "normales" Oratorium, wird auch bei Rademann wieder wunderbar deutlich. Die großen Szenen ('Baal, erhöre uns!', die Regenverkündigung, 'Und der Herr ging vorüber') werden in allen Schattierungen ausgestaltet, Chor, Ensemble und Orchester greifen perfekt ineinander. Besonders der zweite, weniger handlungsgetragene Teil trägt meines Erachtens bei Rademann dann auch noch etwas besser als bei Sawallisch. Wer also eine Alternative zur immer noch großartigen Referenz von 1968 sucht, ist hier sicher.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mendelssohn, Felix: Elias op.70

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ACCENTUS Music
2
11.03.2016
Medium:
EAN:

CD
4260234831115


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Mendelssohn Bartholdy, Felix


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ACCENTUS Music

ACCENTUS Music wurde 2010 als Produktionsfirma mit einem sehr erfahrenen Team aus Produzenten, Regisseuren, Kameraleuten, Tonmeistern und Cuttern und als gleichnamiges DVD Label auf dem Klassikmarkt gegründet. Die Firma mit Sitz in der Musikstadt Leipzig, unweit der Thomaskirche, produziert weltweit erstklassige Konzertereignisse, Opern sowie Künstlerportraits und Dokumentarfilme. Auf den DVD- und Blu-ray Veröffentlichungen finden sich herausragende Künstler wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Evgeny Kissin, Martha Argerich, Riccardo Chailly, Pierre Boulez, Joshua Bell, Lucerne Festival Orchestra, New York Philharmonic und das Simón Bolívar Jugendorchester. ACCENTUS Music erfüllt sowohl künstlerisch wie auch technisch höchste Ansprüche von Klassik-Liebhabern rund um den Globus.


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