> > > Dvorak & Suk: Sinfonie Nr. 8, Serenade
Montag, 15. Juli 2019

Dvorak & Suk - Sinfonie Nr. 8, Serenade

Atem der Natur


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Kammermusikalisch feinsinnig und zugleich quirlig-virtuos präsentiert sich eine neue CD von BR-Klassik mit Dvoraks Achter und Suks Streicherserenade mit dem hochvirtuos agierenden Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Wenn man die neue Dvorak-Suk-CD von BR-Klassik als feinnervig und vital zugleich resümiert und der Empfänger dieser Botschaft erfährt, dass es sich bei den mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons aufgenommenen Werken um Dvoraks Achte Sinfonie und Suks Streicherserenade handelt, tippt jeder bei der dem Stichwort Vitalität auf die Dvorak-Symphonie und bei der Feinnervigkeit auf die Suk-Serenade. Doch das wäre ein vorschnelles Urteil. Denn Jansons lässt gerade in Dvoraks live in einem Gasteig-Konzert mitgeschnittener, zweitletzter Sinfonie alles im natürlichen Fluss ohne Vehemenz ablaufen. Seine Orchestermusiker akzentuieren knapp, werden nie lärmend. Der Geigenklang bleibt federnd, alles atmet. Herausragend leichtfüßig musizieren die offenbar (nach der der CD beigegebenen Werkeinführung) vom Vogelsang bei Dvoraks Landhaus inspirierten Flöten. Selbst der Fortissimo-Schluss am Ende des Kopfsatzes strahlt mehr als dass er erschlägt.

Warme Sonorität entfalten die Streicher im 'Adagio'. Jansons lässt sie die böhmsche Melodik liebevoll ausmusizieren. Man vernimmt ein luftiges, naturnahes Gewebe in kammermusikalischer Reduzierung. Und dennoch herrscht Spannung. Nach Piano-Sequenzen werden balladeske Wallungen tragend ausformuliert. Das anmutige 'Allegretto grazioso' nimmt Jansons vollends von seiner horizontalen Legato-Melodik und steuert es nicht von seinem Dreier-Metrum her. Geheimnisvoll-lauschig wie zu Beginn kehrt der erste Teil bei seiner Wiederholung nach dem wiederum kammermusikalisch zarten Trio zurück.

Fast schon bedächtig lässt Jansons (auch in der Reprise) den Finalsatz anheben. Seine turbulenten Passagen bekommen markanten Zuschnitt, die quirligen Varianten finden in den virtuosen BR-Symphonikern ihre Meister; in den geballten Entwicklungen geben sie alles an majestätischer Klangkraft. Eine fesselnde Live-Einspielung mit dem dazugehörenden spontanen Beifall des Gasteig-Publikums.

Spielfreudige Serenade

Die Kopplung von Josef Suks Streicherserenade mit Dvoraks Sinfonie macht die Verwandtschaft des musikalischen Idioms deutlich. Wenn Dvorak-Schwiegersohn Suk sich von seinem Lehrmeister bei seinen Wanderungen in entlegene Tonarten auch merklich entfernte, so herrscht doch unverkennbar auch in dieser Serenade der natürliche, meloshaltige böhmische Tonfall. Die Streicher des BR-Symphonieorchesters spielen in diesem Fall in einer Studioaufnahme mit exquisiter Tonbildung. Und es herrscht eitle Spielfreude pur: Mit zarter Melodieentfaltung, edlen und sonoren Sequenzen, mit durchdachten Abschattierungen, schlüssigen Tempoverschiebungen, gut balanciertem tonraumweiten Klangaufriss und dramatischen Ausformungen in bedrohlichen Passagen, wie etwa vor dem Schlussteil des 'Allegro ma non troppo'. Verklärte Ruhe überzeugt im 'Adagio', aus dessen expressiven Aufwallungen Jansons mit seinen BR-Streichern wieder ganz natürlich in die geschmeidige Verhaltenheit zurückfindet.

Gelungen ist auch die plastische und nicht auftrumpfende Klangregie. Selbst in den Durchführungs-Ballungen des Kopfsatzes der Achten ist noch hohe Transparenz gewahrt. Das deutsch-englische Beiheft bringt mit seinen Werk- und Interpreten-Beschreibungen keinen Hinweis auf die ebenfalls aufgenommene 'Carneval'-Ouvertüre Dvoraks: Vital und quirlig kann man sie nach Sinfonie und Serenade noch – offenbar ebenfalls live aus dem Konzertsaal – in leicht dumpferer Klangtönung hören.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorak & Suk: Sinfonie Nr. 8, Serenade

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
BR-Klassik
1
08.04.2016
073:14
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001457
900145


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Dvorák, Antonín
 - 1. Allegro con brio -
 - 2. Adagio -
 - 3. Allegretto grazioso -
 - 4. Allegro, ma non troppo -
 - Allegro - Andante con moto - Allegro -
Suk, Josef
 - 1. Andante con moto -
 - 2. Allegro, ma non troppo e grazioso - Poco meno mosso -
 - 3. Adagio -
 - 4. Allegro giocoso, ma non tropo presto -


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"Von Dvořáks meistgespielten Symphonien ist die achte die lyrischste, heiterste. Nach der düsteren siebten und vor der populären neunten Symphonie, die ihren Beinamen „Aus der Neuen Welt“ dem dreijährigen USA-Aufenthalt des Komponisten verdankt, gelang es ihm hier „ein von meinen anderen Symphonien verschiedenes Werk zu schreiben, mit individuellen, in neuer Weise ausgearbeiteten Gedanken“. Dass die Musik ganz von der böhmischen Landschaft südwestlich der Hauptstadt Prag inspiriert ist, wo er ein Landhaus besaß, wird in jedem Satz, jeder Melodie deutlich. Und dass Dvořák die slawische Volksmusik bestens kannte und liebte, ist ebenso herauszuhören, wie seine intensive Beschäftigung mit den Symphonien Tschaikowskys: das rhapsodische Adagio oder das walzerartige Scherzo etwa erinnern in ihrer melodischen Erfindungsgabe wie ihren formalen Strukturen deutlich an den bedeutenden russischen Symphoniker. Das 1889 entstandene Werk erlebte eine erfolgreiche Uraufführung am 2. Februar 1890 in Prag. Da Dvořák die Partitur bei einem Londoner Verlag drucken ließ und ihm seine achte Symphonie vor allem während seiner Konzertreisen nach England größte Erfolge einbrachte, wird sie gelegentlich auch die „Englische“ genannt. Mehr als ein bloßes Füllstück der CD ist Suks Streicherserenade von 1892, der erste Erfolg des angehenden, gerade 18jährigen tschechischen Komponisten. Suk war Dvořáks Meisterschüler, wurde regelmäßig in dessen Landhaus eingeladen und verliebte sich dort in die Tochter seines Lehrers, mit der er sich bald vermählte. – Vorbild für Suks Serenáda war zweifellos Dvořáks Streicherserenade op. 22 von 1875; als er sie schrieb, kannte er aber auch bereits dessen achte Symphonie. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Leitung von Mariss Jansons vermittelt auf seiner neuen CD einen Eindruck von der tschechischen Instrumentalmusik um 1890 – in der bekannten, immer wieder hochgelobten Qualität und einer ebenso souveränen wie feinempfundenen Interpretation. Die Aufnahmen, die nahezu taggenau 126 Jahre nach der Uraufführung von Dvořáks achter Symphonie stattgefunden haben – es handelt sich um den Mitschnitt zweier Konzerte in der Philharmonie im Gasteig am 29. und 30. Januar 2016 – belegen, wie modern der Symphoniker Dvořáks auch heute noch ist. Die Kombination mit Suks Serenade zeigt nicht nur die große Wirkung Dvořáks zu seinen Lebzeiten, sondern auch, wie entschieden der bedeutende böhmische Komponist auf die tschechische wie die europäische Musik schlechthin Einfluss genommen hat. Auf der neuen CD von BR Klassik wird der live-Mitschnitt von Dvořáks achter Symphonie zusammen mit der wenige Tage zuvor produzierten Studioaufnahme von Suks Streicherserenade veröffentlicht. "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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