> > > Klaviertrios: Werke von Reicha, Mendelssohn-Bartholdy und Smetana
Samstag, 25. Mai 2019

Klaviertrios - Werke von Reicha, Mendelssohn-Bartholdy und Smetana

Herausforderungen im Triospiel


Label/Verlag: bmn
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Klaviertrios von Anton Reicha, Felix Mendelssohn Bartholdy und Bedřich Smetana bergen völlig unterschiedliche Herausforderungen, denen sich das tschechische Smetana Trio stellt. Besonders gelungen ist dabei das Klaviertrio von Smetana.

Was verbindet die Komponisten Anton Reicha, Bedřich Smetana und Felix Mendelssohn Bartholdy? Alle drei Komponisten verlebten einen Großteil ihres Lebens im 19. Jahrhundert und alle drei schrieben unter anderem Klaviertrios. Doch je nach Komponist variieren diese in ihrem musikalischen Gestus. Das Smetana Trio aus Tschechien hat nun von jedem dieser drei Komponisten ein Klaviertrio aufgenommen und sie bei bmn auf CD und Blu-Ray Disc herausgebracht.

Narrative Linien bringt das Smetana Trio, bestehend aus Jitka Čechová (Klavier), Jiří Vodička (Violine) und Jan Páleníček (Violoncello), bereits in der Sonate für Klavier, Violine und Violoncello in C-Dur op. 47 von Anton Reicha sehr schön zur Geltung. Im Jahr 1800 komponiert ist das Trio eher von einfacher melodischer Struktur, die jedoch vom Ensemble sehr musikalisch und mit der nötigen Schlichtheit interpretiert wird. Lediglich manche Passagen wirken noch nicht ganz zu Ende geprobt und lassen leichte Unsicherheiten in Intonation und technischer Ausführung erkennen. Die von Reicha zahlreich komponierten Wiederholungen erscheinen in ihrer Umsetzung zuweilen etwas eintönig und vermitteln dem Zuhörer durch ihre Interpretation den Eindruck, sie seien überflüssig. Mit Schwung gespielt und hörbar stimmiger im Zusammenspiel ist der dritte Satz des Trios, 'Finale: Allegro vivace'.

Diesen Schwung nimmt das Ensemble glücklicherweise mit in die beiden folgenden Werke. Während das Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 1 in d-Moll op. 49 von Felix Mendelssohn Bartholdy zwar passioniert gespielt wird, aber selten im Ausdruck variiert, blühen die drei Musiker im Trio für Klavier, Violine und Violoncello in g-Moll op. 15 von Bedřich Smetana – ihrem Namensgeber – richtig auf. Hier scheinen alle Schwächen hinsichtlich der Intonation verschwunden zu sein und das Ensemble präsentiert sich als harmonische Einheit. Alle Herausforderungen, die das Spielen im Klaviertrio mit sich bringt, werden dabei gekonnt gemeistert. Ob laut und mit viel Vibrato oder leise und sanft – die musikalische Intensität bleibt vom ersten bis zum letzten Satz auf einem gleichermaßen hohen Niveau. Ununterbrochen fließende Decrescendo-Linien und gelegentliche Tempoverzögerungen zur Intensitätssteigerung der melodischen Linie sorgen für einen spannenden Höreindruck.

Während die Blu-Ray Disc alle drei Werke in HD-Video- und ausgezeichneter Audioqualität enthält, findet man auf der CD nur die Werke von Reicha und Smetana. Falls der Zuhörer nicht über ein Gerät verfügt, das Blu-Ray Discs abspielen kann, bleibt ihm der Genuss von Mendelssohn Bartholdys Werk leider vorenthalten. Zwar ist es keine schlechte Idee, die Musiker beim gemeinsamen Musizieren auch visuell zu zeigen, dass aber auf der CD eines der Werke fehlt, ist schade. Das Booklet enthält die wichtigsten Informationen in Kürze, über das Ensemble ist jedoch leider nur ein sehr kleiner Abschnitt vorhanden.

Insgesamt ist die Tonqualität der Aufnahmen außerordentlich gut und ermöglicht es, die drei Musiker sehr gut getrennt voneinander wahrzunehmen. Eine gute Kombination aus CD und Blu-Ray Disc also – aber durchaus auch mit kleinen Schwächen. Die größte Stärke des Smetana Trios scheint vor allem darin zu liegen, Werke von Bedřich Smetana zu interpretieren.

Miriam Thaler Kurzkritik von Miriam Thaler,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Klaviertrios: Werke von Reicha, Mendelssohn-Bartholdy und Smetana

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
bmn
1
13.05.2016
EAN:

7629999019119


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Mendelssohn Bartholdy, Felix
Reicha, Anton
Smetana, Bedrich


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bmn

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Die Blu-ray Audio Disc ist technisch gesehen eine ganz normale Blu-ray Disc und lässt sich auf jedem Blu-ray-Player abspielen im Gegensatz zur SACD. Allerdings enthält sie keinen Videoinhalt. Die hohe Speicherkapazität wird für hoch auflösende Audiodaten (Stereo PCM 24 bit/96 kHz) genutzt. Bedient wird sie wie eine herkömmliche CD.

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Visualisierung von Klang – ein immer grösseres Thema zu Zeiten der medialen Sintflut. Allerdings: sucht man das Mass und versteht sich strikt zur Entfernung von Extremen, gibt zu denken, dass wir den Begriff der Synaesthesie schon lange kennen; denn um diesen geht es: um die Vermittlung der verschiedenen Wahrnehmungsmöglichkeiten des Menschen und zwar zu je idealem Anteil – Hegel würde sagen: das „Umschlagen“ des einen ins andere. Von diesem Umschlag geht die praktische Überlegung der Visualisierung von Musik aus; und die richtet sich konsequent gegen die von den Medien heute normierte Art der visuellen Umsetzung von Musik, sprich: klassischer Musik. Denn sie ist empfindlich, zieht sich zurück, wenn man ihr und ihrer Botschaft optisch wehtut. Der Musik-Zuschauer wird von der Musik interpretenzentrisch durch die Art der Visualisierung getrennt und weiss kaum mehr, worum sich die bildlich vorgeführten Akteure bemüht hatten. In sanfteren Fällen wird die Musik bestenfalls zerstreut.

Musik, solche mit Botschaft, braucht Sammlung. Sie teilt sich, zumal die herausfordernde Klassik aus dem Geiste eines Beethoven und seiner Folgen, ohne Sammlung sich nicht mehr mitteilt, vielmehr zerstreut geradezu als Fälschung beim Zuschauer ankommt, dem das reine Hören gleichsam visuell verboten wird. Dem entgegenzuwirken, gab es zu wenige probate Ansätze. Einer ist derjenige, den der Regisseur Jan Schmidt-Garre experimentell mit Beethovens späten Quartetten entwickelt hat: die reale Konzertsituation wird radikal als Ausgangspunkt für eine einzige, konsequente Einstellung genommen, die bildlich - auch durch konzentrierte Ausleuchtung - dergestalt focussiert, dass ein Hör-Bild entsteht, das nur eben das sehen lässt, was man im Konzert wirklich "sieht" oder sehen kann, sozusagen ein ideales Sehen im Hörvorgang zeigt, ideal im Sinne des musikalischen Anspruchs. Hier ist dem Rezipienten zumindest die Möglichkeit gegeben, die Musik im Prozess ihres Gemachtwerdens mit Ohr und Auge in hoher Konzentration wahrzunehmen, ohne die Augen schliessen zu müssen...

Daraus entsteht so etwas wie eine optische "Ästhetik" der Musik im Moment des Vollzugs, im sogenannten Hier und Jetzt. Das Wesen der Musik, ihr Ereignis im "idealen Jetzt", wird dabei zum Mass der Dinge.


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