> > > d'Albert, Eugen: Streichquartette
Mittwoch, 23. Mai 2018

d'Albert, Eugen - Streichquartette

Geisterhafte Vorahnung


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Reinhold-Quartett hat Eugen d'Alberts Streichquartette eingespielt.

Den meisten Klassik-Kennern ist Eugen d’Albert als Komponist der 1903 in Prag uraufgeführten Oper 'Tiefland' bekannt. Von den rund 20 weiteren Bühnenstücken d’Alberts spielt kaum eines noch eine Rolle. Auch der Großteil der Instrumentalwerke des Sohnes einer französisch-englischen Familie, der sich kulturell stets Deutschland verbunden fühlte, findet bis heute kaum Aufmerksamkeit. Dies gilt umso mehr für die beiden Streichquartette, die Eugen d’Albert noch vor seinem dreißigsten Lebensjahr vollendete. Während die beiden Kammermusikwerke durch das zeitgenössische Publikum positiv aufgenommen wurden, gelten sie heute gemeinhin als ‚Außenseiter‘-Werke.

Fahles c-Moll

Umso willkommener ist die Aufnahme des Reinhold-Quartetts, das sich der beiden Streichquartette angenommen hat, die bislang vor allem in einer Aufnahme des Sarastro Quartetts (Christophorus, 1996) vorlagen. Die aus dem Leipziger Gewandhausorchester stammenden Reinhold-Musiker haben das Streichquartett Nr. 2 in Es-Dur op. 11, das d’Albert ‚verehrungsvoll‘ Johannes Brahms widmete, an den Anfang ihres Albums gesetzt: Das anspruchsvolle Quartett fußt auf Vorbildern der Romantik und geht virtuos mit den Klang- und Ausdrucksmöglichkeiten des Quartetts um. Die dichte, polyphone Komposition ist durch spätromantische Einflüsse und differenzierte Rhythmik gekennzeichnet. Das charakteristische Vokabular des Komponisten offenbart sich entschieden im Eröffnungssatz. Ist das 'Andante' noch recht verhalten, fasziniert das rasch dahineilende Scherzo umso mehr. Einerseits erinnert die Musik in ihrer überschäumenden Agilität an die Feen-Scherzi Felix Mendelssohn Bartholdys, andererseits wirkt der Satz in fahlem c-Moll wie eine geisterhaft aufsteigende, düstere Vorahnung. Herrlich entfaltet sich der liedhafte dritte Satz ('Adagio ma non troppo e con molta espressione'), in den sich bald nervöse, leidenschaftliche Bewegungen drängen, bevor der Schluss-Satz geradezu auftrumpfend endet und die Grenzen des Genres auslotet.

Effektvoller Schlusspunkt

Das Streichquartett Nr. 1 in a-Moll op. 7 ist kompositorisch stärker der Tradition verpflichtet: Leidenschaftlich bewegt, wenngleich durchaus leise beginnt der rhythmisch extravagante Kopfsatz, den d’Albert im Dialog der Streicher immer wieder zu energischen Gesten führt. Ein beruhigter, aber nicht minder leidenschaftlicher Dialog von Cello und Violine prägt den ausdrucksvollen zweiten Satz. Nach einem interessant fugierten 'Mäßig bewegt'-Satz verarbeitet der reizvolle Schluss-Satz 'Thema mit Variationen' das Material der vorangegangenen Sätze. Eugen d’Alberts Einladung zu virtuoser Brillanz folgen die Interpreten des Reinhold-Quartetts mit ihren pointierten Interpretationen. Sie unterstreichen die kompositorische Eigenständigkeit Eugen d’Alberts im Kontext der Musik seiner Zeit, zeigen aber auch spannungsreich die vielen Bezüge seiner Quartette auf.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    d'Albert, Eugen: Streichquartette

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
1
65:33
EAN:
BestellNr.:

761203501229
cpo 555 012-2


Cover vergössern

Albert, Eugen d´
 - Streichquartett Es-Dur op. 11 - Andante con moto
 - Streichquartett Es-Dur op. 11 - Allegro vivace
 - Streichquartett Es-Dur op. 11 - Adagio ma non troppo e con molta espressione
 - Streichquartett Es-Dur op. 11 - Allegro
 - Streichquartett a-Moll op. 7 - Leidenschaftlich bewegt
 - Streichquartett a-Moll op. 7 - Langsam, mit Ausdruck
 - Streichquartett a-Moll op. 7 - Mäßig bewegt
 - Streichquartett a-Moll op. 7 - Thema mit Variationen


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Voller Leben und Quirligkeit: Das Klavierduo Genova & Dimitrov legt erneut eine Platte mit raren Konzerten vor. In diesem Fall werden Werke von Carl Czerny und Max Bruch mit viel Schwung und absoluter Perfektion gespielt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Mehr lyrisch als dramatisch: Die Interpretation von Khachaturians Zweiter Sinfonie kann mit den besten Einspielungen des Werks nicht ganz mithalten. Der Bonus wird hier das Besondere. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Verspätete Uraufführung: Die Ouvertüre zu Emil Nikolaus von Rezniceks Oper 'Donna Diana' ist bekannt. Aber seine Oper 'Benzin' von 1929, eine moderne Odysseus/Circe-Adaption? Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Miquel Cabruja:

  • Zur Kritik... Letztes Konzert: Das Label der Berliner Philharmoniker erinnert mit einer kostbaren Box an Claudio Abbado. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Großangelegtes Nachtstück: Zwei Konzerte zeigen Krzystof Penderecki als Meister der Kontraste und dramatischen Szenarien. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... 5000 Liter Wasser: Alexander Ekman setzt sich in seinem ersten abendfüllenden Stück mit Tschaikowskys 'Schwanensee' auseinander. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
blättern

Alle Kritiken von Miquel Cabruja...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Kammermusikalisch transparent: Rundum empfehlenswert: Telemann ohne orchestrale Opulenz, dafür in einer farbenreichen und hervorragend aufgenommene Interpretation. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Cage für Flöte: Die erste Kompletteinspielung von Cages Werken für Flöte ist eine zwiespältige Angelegenheit. Weiter...
    (Tanja Geschwind, )
  • Zur Kritik... Russische Schätze zwischen Intensität und Intimität: Das Fabergé-Quintett und Ulrike Payer begeben sich auf einen Streifzug durch die russische Kammermusik und führen den Hörer in die Sextette von Glinka, Lyapunov und Tschaikowski ein. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2018) herunterladen (2883 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich