> > > Pergolesi, Giovanni und Cimarosa, Domenico: La Serva Padrona/Il Maestro di Capella
Freitag, 24. März 2017

Pergolesi, Giovanni und Cimarosa, Domenico - La Serva Padrona/Il Maestro di Capella

Kleine Opern mit großen Stimmen


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese CD-Erstveröffentlichung findet hoffentlich nicht nur bei Sammlern Eingang ins Regal!

Die vorliegende Neuerscheinung beim Label Profil Edition Günter Hänssler ruft zwei reizvolle Opernintermezzi des 18. Jahrhunderts ins Gedächtnis: Giovanni Battista Pergolesis 'La serva padrona' und ‚Il maestro di cappella‘ von Domenico Cimarosa. Die Aufnahmen stammen aus den 1950er Jahren und sind lebendige Zeugnisse für ein damals liebevoll gepflegtes Randrepertoire, das neben den großen Dauerbrennern nicht verblassen sollte. Besetzt waren diese Produktionen mit beliebten Stars, die ebenso Verdi und Puccini sangen. Beide Einspielungen liegen hier zum ersten Mal auf CD vor.

Den Einstieg macht Pergolesis doch noch relativ häufig gespielte 'Serva padrona'. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1955 und steht unter der Leitung des jungen Carlo Maria Giulini am Pult des Orchesters der Piccola Scala di Milano. Dass Giulini einen guten Sinn für feine Komik besaß, weiß man von seinen legendären 'Falstaff'-Mitschnitten. Die bodenständigere Komik von 'La serva padrona' reizt den Dirigenten wohl nicht allzu sehr. Federleichten Opera buffa-Klang sollte man nicht erwarten, dafür steht aber auch nicht das Klangideal der Zeit, das von der Verinnerlichung historischer Aufführungspraxis noch deutlich entfernt ist. Damit klingt dieser Pergolesi eher bieder und hübsch, allerdings nur im Orchester.

Die beiden Solisten ziehen im Rahmen des damals Schicklichen alle möglichen Register. Nicola Rossi-Lemeni ist ein herrlich brummiger Uberto, der die Faxen seiner aufmüpfigen Magd dicke hat. Dabei klingt der Bassist so herrlich jugendlich frisch mit großer Flexibilität, dass es eine Wonne ist. Seine prachtvolle Tiefe nutzt Rossi-Lemeni, um daraus komisches Potenzial zu schöpfen. In seiner Arie 'Son imbroglio io già' tun sich in Ubertos Verzweiflung hörbare Abgründe auf.

Seine Partnerin als Serpina ist die stimmlich attraktive Rosanna Carteri, die zur gleichen Zeit eine vielgebuchte Mimi oder Traviata war. Der Schalk sitzt auch ihr im Nacken, wenngleich in gemäßigter Form. Da perlen die gerollten R mit gewitzter Aggression, Höhen werden elegant dahingetupft, der Text ist hörbares Sprungbrett für musikalische Farben. Carteri wirkt bei aller Leichtigkeit dennoch ein wenig divenhaft, aber glücklicherweise eben nicht wie eine überambitionierte Soubrette, die der Überzeugung ist, durch Quietschen und überbordende Spaßbefeuerung Komik zu erzielen.

Diese 'Serva padrona' mag in mancherlei Hinsicht etwas altmodisch sein, aber sie verdeutlicht, mit welcher Sorgfalt damals eine Opernplatte produziert wurde. Carteri und Rossi-Lemeni erzählen in der Kürze des Intermezzos wirklich eine Geschichte, und das mit rein akustischen Mitteln. Die Aufnahme atmet auf Sängerseite eine spielerische Lebendigkeit, die in ihrer Differenzierung überzeugt und das Ergebnis über die bloße Konservierung von Schöngesang erhebt.

Ein wirkliches Schmankerl ist der abschließende 'Maestro di cappella' von Domenico Cimarosa in einer Aufnahme von 1957. Sesto Bruscantini ist in diesem Ein-Mann-Stück ein unerreichter Erzkomiker. Die Gnadenlosigkeit, mit der er die Instrumente imitiert, ist allein schon das Hören der Aufnahme wert. Und der Dirigent Renato Fasano macht in der direkten Nachbarschaft zur 'Serva padrona'-Einspielung deutlich, wie schmissig und überraschend modern in den Fünfzigern dieses klassische Opernrepertoire schon interpretiert wurde. Das Collegium Musicum Italicum zeigt Mut zu Ecken und Kanten und entwickelt bei Cimarosas Musik regelrechten Drive. Diese CD-Erstveröffentlichung findet hoffentlich nicht nur bei Sammlern Eingang ins Regal!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Pergolesi, Giovanni und Cimarosa, Domenico: La Serva Padrona/Il Maestro di Capella

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
08.04.2016
EAN:

881488160093


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Cimarosa, Domenico
Pergolesi, Giovanni Battista


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
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