> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Sämtliche Streichquintette
Donnerstag, 24. August 2017

Mozart, Wolfgang Amadeus - Sämtliche Streichquintette

Reife Leistung


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Auryn Quartett hat zusammen mit Nobuko Imai Mozarts Streichquintette auf denkbar feinsinnige und klangschöne Weise eingespielt. Nur in emotionale Grenzbereiche, die etwa im Quintett g-Moll auszuloten wären, dringen die Musiker nicht vor.

Selten nur kam mir eine Produktion unter, bei der das optische Erscheinungsbild einer CD-Produktion in einem so starken (und nicht gerade positiven) Gegensatz zur Qualität des musikalischen ‚Inhalts‘ steht. Es bleibt rätselhaft, was sich die fürs Layout Verantwortlichen beim (audiophilen) Label Tacet dabei gedacht haben, die Produktion der Streichquintette Wolfgang Amadeus Mozarts mit fünf knallbunten, je eines der beteiligten Streichinstrumente repräsentierenden Luftballons zu bebildern. Bislang war Tacet eher durch solide und dezente Covergestaltung aufgefallen, doch diese nach Kindergeburtstag oder Low-Budget-Produktion aussehende 3-CD-Box weckt komplett falsche Assoziationen – denn zu hören ist eine interpretatorisch reife Meisterleistung, für die das Auryn Quartett samt Gast-Bratschistin Nobuko Imai verantwortlich zeichnet.

Satte Erfahrung

Das Auryn Quartett bringt seine ganze, über mehrere Jahrzehnte erworbene Erfahrung der Feinabstimmung in die glanzvolle Wiedergabe dieser kammermusikalischen Schmuckstücke ein. Für Tacet hat sich die Quartettformation etwa den Streichquartetten Joseph Haydns und Ludwig van Beethovens gewidmet, und dieser vertraute Umgang mit dem Idiom der Wiener Klassik zahlt sich hier auch in der Zusammenarbeit mit der Bratschistin Nobuko Imai aus. Damit gelingt dem Ensemble eine gewissermaßen zeitlose Deutung, die durch feinste Differenzierung der Stimmenbalance, der Dynamik, der artikulatorischen Grade und der instrumentalen Färbung besticht. Erreicht wird damit ein in sich stimmiges, abgerundetes Bild der zu den Höhepunkten des Kammermusikschaffens Wolfgang Amadeus Mozarts gezählten Werke.

Zusammenhang und Ausgeglichenheit

Gleichzeitig ist die Perfektion und bis ins Detail sorgsam austarierte Verklanglichung auch das, was die Einspielung an manchen Stellen etwas glatt erscheinen lässt. Denn das äußerst geschmackvolle, gewissermaßen etwas aristokratische Musizieren des Auryn Quartetts sucht nach der zeitenthobenen Schönheit und Qualität dieser kompositorischen Meisterwerke, nicht nach Ecken und Kanten, die eine aus der eher ‚rhetorischen‘ Perspektive gewonnene Musizierhaltung schärfen könnte. So sind selbst starke Akzente dynamisch und klangfarblich in übergeordnete melodische Verläufe integriert, das aus Vortragsidealen des späten 18. Jahrhunderts ableitbare Öffnen und Schließen von Phrasen tritt zugunsten weitgespannter Linien zurück: Zusammenhang und Ausgeglichenheit ist dem Auryn Quartett wichtiger als Schärfung der Kontraste und der musikalischen Charaktere sowie ausdrucksgesättigter Momente. Das Ergebnis ist, auch wenn es ebenso reizvolle Alternativen gäbe, ein interpretatorisch vollauf überzeugender Zugang, zumal er in sich geschlossen ist und konsequent verfolgt wird. Darüber hinaus rückt er die bestechenden Qualitäten der Quartettformation ins beste Licht.

Fülle des Wohllauts

In den fünf Gattungsbeiträgen zum Streichquintett lotet Mozart die satztechnischen Möglichkeiten und klangfarblichen Schattierungen der um eine weitere Bratsche erweiterten Streichquartettbesetzung auf denkbar feinsinnige und ideenreiche Weise aus. Das Auryn Quartett spürt diesen Erkundungen feinfühlig nach, wobei es eine ganz bezaubernde Fülle des Wohllauts entfaltet. Die Formation pflegt einen insgesamt hellen, substanzreichen und weich geformten Gesamtklang, der das musikalische Geschehen auf flexible Weise trägt. Es ist geradezu entzückend, wie zartfühlend die melodischen Linien mit Sanglichkeit erfüllt werden, ohne dabei je klebrig zu wirken. Gleichzeitig ist dieses auch in Bezug auf die Abstufung von Tempoverhältnissen innerhalb eines Satzes ganz traditionell ‚klassisch‘, d.h. ausgewogen und dezent angelegte Musizieren darauf ausgelegt, den fein schattierten Musikstrom nicht zu sehr durch heftige Akzente zu stören. Daher dringt das Ensemble etwa in dem zwischen melancholischer Düsternis und expressiver Dramatik samt verzweifelter Ausbrüche changierenden g-Moll-Quintett KV 516 nicht in Randbereiche des Ausdrucks vor, die hier durchaus erschlossen werden können. Die Musiker wahren auch hier den gepflegten Ton, der im frühen, noch divertomentohafte Züge aufweisenden, mit konzertierender Leichtigkeit flirtenden Quintett eher am Platz ist und dort in lebhaftem Zugriff ausgespielt wird.

Exquisit ist allerdings nicht nur die Abstimmung der fünf Stimmen sowie deren sorgfältige Gewichtung, sondern auch die klangliche Präsentation: Sie rückt den einzelnen Stimmen nicht allzu sehr zu Leibe, bleibt aber genügend nah dran, um farbliche, artikulatorische und dynamische Nuancen direkt an den Hörer weiterzugeben. Sofern ein hochklassiges Wiedergabegerät eingesetzt wird, braucht im Stereoformat nicht bedauert zu werden, dass es sich hier nicht um eine SACD handelt - klanglich sind diese drei CDs zahlreichen höherauflösenden Aufnahmen mindestens ebenbürtig. Abgerundet wird die 3-CD-Box mit einer Einführung, die die Ausnahmestellung der Streichquintette in Mozarts Kammermusikschaffen herausstellt und auch den Einzelwerken genügend Platz einräumt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mozart, Wolfgang Amadeus: Sämtliche Streichquintette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
1
11.03.2016
EAN:

4009850021704


Cover vergössern

Mozart, Wolfgang Amadeus


Cover vergössern

Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Tacet:

  • Zur Kritik... Der dirigierende Komponist: Das Label Tacet legt die Einspielung von Wilhelm Furtwänglers Klavierquintett mit dem Clarens Quintett in einer Real-Surround-Sound-Blu-ray neu auf und spricht damit insbesondere Neukunden und Besitzer einer leistungsstarken Sound-Anlage an. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Ein freier Geist: Dies ist kein 'Kammervirtuose'. Weiter...
    (Dr. Daniel Krause, )
  • Zur Kritik... Kammermusikalisches Zeitdokument: Mit einer raffiniert zusammengestellten Werkauswahl führen die Ludwig Chamber Players und das SWR Swing Fagottett durch unterschiedliche Schaffensphasen Prokofjews. Die Interpretation zeugt von hoher musikalischer Ausdruckskraft und klanglicher Vielfalt. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
blättern

Alle Kritiken von Tacet...

Weitere CD-Besprechungen von Florian Schreiner:

  • Zur Kritik... Elegische Ströme: Atvars Lakstigala und das Liepaja Symphony Orchestra spüren den Spannungswellen der drei hier aufgenommenen Orchesterwerke von Peteris Vasks feinfühlig nach. Allerdings überzeugt nicht jedes Werk gleichermaßen. Weiter...
    (Florian Schreiner, )
  • Zur Kritik... Auf Gipfelkurs: Die bei Carus erschienene 4-CD-Box mit Instrumentalkonzerten und Orchesterwerken der vier Bach-Söhne gehört zu den reizvollsten Einspielungen in der üppigen Diskographie des Freiburger Barockorchesters. Weiter...
    (Florian Schreiner, )
  • Zur Kritik... Achtbares Plädoyer: Paavo Järvi hat während seiner Zeit als Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters alle Sinfonien von Carl Nielsen aufgeführt. Mit 3 CDs dokumentiert Sony dieses höchst achtbare Engagement. Die musikalische Seite ist solide. Weiter...
    (Florian Schreiner, )
blättern

Alle Kritiken von Florian Schreiner...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Ausgezeichnetes Erzählvermögen: Der Geiger Jonian Ilias Kadesha stellt auf seiner Debüt-CD drei Komponisten gegenüber: George Enescu, Maurice Ravel und Nikos Skalkottas. Entstanden ist eine packende Einspielung, die von musikalischem Gespür und stilistischem Feinsinn zeugt. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
  • Zur Kritik... Grüße aus dem Urlaub: Martin Schmeding erschließt mit dieser Edition nicht nur ein Stück spanische Orgelkultur, sondern auch Werke, die man hierzulande nur selten zu hören bekommt. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Eine Hommage an Bach: Die Rheinische Kantorei und das Kleine Konzert leisten unter der Leitung von Hermann Max einen weiteren Beitrag dazu, dem Publikum die Werke der Bach-Familie näherzubringen. Das klangliche Ergebnis ist beeindruckend. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (2/2017) herunterladen (0 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (7/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: Sinfonie Nr. 1 Die Glocken von Zlonice - Allegretto

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich