> > > Penderecki, Krzyztof: Konzerte für Streicher und Orchester
Mittwoch, 3. Juni 2020

Penderecki, Krzyztof - Konzerte für Streicher und Orchester

Keinerlei Altersmüdigkeit


Label/Verlag: DUX
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Krzysztof Penderecki dirigiert eigene Konzerte für Streichinstrumente.

Die ‚Penderecki Special Edition’ des polnischen Labels DUX zeigt Krzysztof Penderecki als Dirigent eigener Kompositionen. Konzerte für Streichinstrumente aus dem langen Zeitraum von 36 Jahren stehen im Fokus der CD ‚Krzysztof Penderecki – Concertos for string instruments and orchestra’. Damit zeigen sie auch die kompositorische Entwicklung Pendereckis, die oftmals als eine Abkehr von der Avantgarde hin zu neoromantischen Tendenzen beschrieben wird.

Prägnante Schlagkraft

Das 'Capriccio per violino ed orchestra' komponierte Penderecki 1967 auf Grundlage seines vier Jahre älteren Violinkonzertes. Die einsätzige Komposition, die zu den Werken seiner avantgardistischen Phase gezählt wird, weckt im Aufbau Erinnerungen an die klassische Dreisätzigkeit eines Konzerts und ballt unterschiedlichste Ausdrucksformen auf engstem Raum zusammen. Schwindelerregende Glissandi, aufreibende Cluster, perkussive Energie, atonales Material und quasi-tonale Passagen treffen aufeinander. Patrycja Piekutowska (Violine) überwindet die technischen Hürden souverän und gibt dem Solopart Charakter und Profil. Das 'Concerto per violoncello ed orchestra n. 1' (1972) schrieb Penderecki auf der Grundlage seines Konzerts für fünfsaitige Riesengeige (1967). Der wie im Capriccio mit unkonventionellen Instrumenten wie Säge, E-Gitarre und Peitsche ergänzte Orchesterapparat wird von Penderecki mit prägnanter Schlagkraft geführt, während der Cellist Jakob Spahn sich einer energischen Auseinandersetzung mit den Orchesterklangmassen stellt.

Momente zugespitzter Spannung

Boris Pergamenschtschikow besorgte 1989 die Uraufführung der Fassung für Cello des 'Concerto per viola ed orchestra', das sich deutlich von den früheren Werken des Albums abhebt. Das in sieben Sätze unterteilte Werk beginnt mit einem düsteren Lento, in dem Ivan Monighetti auf seinem Cello die ahnungsvollen Weiten der Orchester-Klangräume durchmisst. Die neoromantische Sangbarkeit der weiteren Sätze liegt dem Solisten genauso wie die Momente zugespitzter Spannung, die Penderecki in scherzoartigen Momenten entwickelt. Das 'Largo for violoncello and orchestra' schrieb Penderecki 2003 dem Cellisten Mstislaw Rostropowitsch auf den Leib. In der erweiterten Fassung schwelgt der Solist Claudio Bohórquez an seinem Cello in lyrischen Kantilenen und ruhigen Tempi, die durch dramatische Passagen und tänzerische Momente kontrastiert werden.

Penderecki leitet das Polska Orkiestra Sinfonia Iuventus präzise und setzt auf kluge Disposition und ausgewogene Tempi, die keineswegs die Dramatik seines Ansatzes schmälern. Der zum Zeitpunkt der Einspielung 82-jährige Penderecki ließ sich bei den kräftezehrenden Aufnahmesitzungen von seinem Assistenten Maciej Tworek unterstützen. Als Sachwalter seines eigenen kompositorischen Kosmos zeigt Penderecki jedoch keinerlei Altersmüdigkeit.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Penderecki, Krzyztof: Konzerte für Streicher und Orchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
DUX
1
08.04.2016
Medium:
EAN:

CD
5902547012759


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Penderecki, Krzysztof


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DUX

Das polnische Label DUX wurde 1992 von Malgorzata Polanska und Lech Tolwinski, beides Absolventen der Toningenieur-Fakultät der Frédéric Chopin Musikakademie in Warschau, gegründet. Hauptanliegen war die Produktion von Aufnahmen mit klassischer Musik, wobei man von Anfang an höchste Ansprüche an künstlerische und technische Standards stellte.Viele Aufnahmen von Dux erlangten sowohl in Polen als auch im Ausland breites Interesse bei Publikum und Kritik, die sich in zahlreichen Preisen und Auszeichnungen widerspiegelt.

Ein Schwerpunkt des Labels ist natürlich das reiche musikalische Erbe Polens, das weitaus mehr umfasst als Chopin oder Penderecki. Im Katalog finden sich daher neben bekannteren Namen wie Wieniawski, Szymanowski oder Lutoslawski auch zahlreiche hierzulande bislang weniger bekannte oder völlig unbekannte Komponisten von der Renaissance bis zur Gegenwart, wie Ignaz Jan Paderewski, der Klaviervirtuose und spätere Premier- und Außenminister der Zweiten Polnischen Republik oder Stanislaw Moniuszko, ein Zeitgenosse Verdis und Schöpfer der polnischen Nationaloper. Aber auch zahlreiche polnische Künstler, Ensembles und Orchester gilt es bei DUX zu entdecken, darunter international renommierte Namen wie beispielsweise die gefeierte Altistin Ewa Podles.


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