> > > Arias for Domenico Annibali: Werke von Ristori, Hasse, Porpora, u.a.
Dienstag, 22. August 2017

Arias for Domenico Annibali - Werke von Ristori, Hasse, Porpora, u.a.

Dresdner Barockstern


Label/Verlag: Pan Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Virtuosität Domenico Annibalis kann in dieser Aufnahme mit Flavio Ferri-Benedettis nicht wiederaufleben.

Domenico Annibali (um 1705-1779) war über dreißig Jahre ‚Star-Kastrat‘ der Dresdner Hofoper und damit zentraler Interpret der Musik Johann Adolph Hasses. Natürlich stand er gleichermaßen in Kompositionen von Hasses Zeitgenossen auf der Bühne, und auch nicht nur in Dresden: 1736/7 gastierte er in London in Georg Friedrich Händels Opernkompagnie, außerdem war er immer wieder als Gast in Rom zu hören. Die vorliegende CD mit insgesamt elf Arien bietet Musik von nicht weniger als sieben Komponisten und damit einen guten Querschnitt durch Annibalis Tätigkeit.

Ob das lyrische 'Bellezze adorate' aus Giovanni Alberto Ristoris 'Le fate' (1736) oder das hochvirtuose, Cecilia Bartolis Koloraturkunst in Erinnerung rufende 'Sì, rifiorite – A vostro dispetto' aus Ristoris 'Componimento di musica' (1736), die Jagdarie 'Cervo al bosco' aus Hasses 'Cleofide' (1731) oder seine Wutarie 'Perfidi, sul mio core' aus 'Irene' (1738), ob Porporas Furor-Arie 'Qual turbine che scende' aus 'Germanico in Germania' (1732) oder das virtuos-expressive 'Terra è questa – D‘esser già parmi' aus Porporas 'Filandro' (1747), Händels introvertiertes 'Vado a morir' aus 'Arminio' (1737) oder das Duett Demitrio-Berenice 'Se il mio amor fu il tuo delitto' aus 'Berenice' (1737), das hochvirtuose 'Così geloso un angue' aus Gaetano Latillas 'Romolo' (1739) oder das elegante 'Già ripiglia vermiglia la rosa' aus Jan Dismas Zelenkas 'Il sepente di bronzo' (1730) – Annibali muss ein beeindruckendes Ausdrucks- und Stimmspektrum besessen haben. In 'Quel nochier che vana ogn‘opra' aus Fernando Feos 'Andromaca' (1730) musste der Sänger gar seine (Bariton-)Bruststimme einsetzen.

Gleiches gilt leider nicht gleichermaßen für den Solisten. Den erst 1983 geborenen Flavio Ferri-Benedetti kann man leider nicht zu den besten Interpreten des Countertenor-Fachs zählen. Zu inkompetent sind seine Verzierungsfertigkeiten, zu unsicher seine Koloraturen, seine Höhe, seine dynamische Ausarbeitung und sein Timing, zu ‚expressiv‘ (unkontrolliert und stark) sein Vibrato. Außerdem gibt er immer wieder äußerst merkwürdige Atemgeräusche von sich, die die Aufnahmetechnik nicht nicht abmildert. Da hilft auch ein betörendes Piano nicht, das zumeist nicht ganz stilgerecht eingesetzt wird, oder seine zumeist stupende Virtuosität in Ristoris 'Componimento per musica' – es scheint, als habe er die meiste Energie in diese eine Nummer gesteckt, so dass andere zu kurz, teilweise deutlich zu kurz gekommen sind. Schon ehe Flavio Ferrri-Benedettis Stern richtig aufgegangen ist, ist er schon matt geworden. Vielleicht braucht er aber auch andere Partner, die ihn zu noch besserer Leistung inspirieren. Denn leider ist auch die Instrumentalbegleitung kein besonderer Lichtblick. Das Schweizer Ensemble Il Basilico ist der Capella Coloniensis der 1980er-Jahre vergleichbar, damit also heute stilistisch eher betulich und altbacken, jedenfalls nicht in der ersten Liga historisch informiert aufspielender Barockensembles.

Es ist höchst bedauerlich, dass die editorische Leistung, die angestrebt wurde, musikalisch nicht adäquat erfüllt wurde – zu viele Einschränkungen gibt es vokal- wie instrumentenseits. Eine insgesamt tadellose Aufnahmetechnik (mit etwas sinnlos hervorgehobener konzertanter Theorbe) und ein informativer, gut geschriebener Booklettext reichen da leider nicht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Arias for Domenico Annibali: Werke von Ristori, Hasse, Porpora, u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Pan Classics
1
04.03.2016
EAN:

7619990103412


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Händel, Georg Friedrich
Hasse, Johann Adolf
Porpora, Nicola
Ristori, Giovanni Alberto
Zelenka, Jan Dismas


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Pan Classics

Gegründet 1992 vom Musikhaus Pan in Zürich, wurde das Label 1997 von den Tonmeistern Clement Spiess und Koichiro Hattori übernommen. 2011 entschloss man sich zu einem radikalen Neuanfang: Der umfangreiche Katalog wurde gelichtet und die verbliebenen Aufnahmen erhielten ein neues, attraktives Erscheinungsbild. Den CDs wird so ein unverwechselbares Äußeres mit einem hohen Wiedererkennungswert verliehen. Geblieben sind dagegen die Vorliebe für außergewöhnliches Repertoire und der Anspruch, mit renommierten Musikern und Ensembles einen künstlerisch hochwertigen Katalog zu schaffen. Zu diesen Künstlern zählen Namen wie die Hammerklavier-Spezialisten Edoardo Torbianelli und Arthur Schoonderwoerd, der Tenor Jan Kobow u.v.a.


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