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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Zelenka, Jan Dismas - Geistliche Werke

Heiligenverehrung


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es ist immer wieder eine große Freude, Einblick in Zelenkas umfängliches Schaffen zu bekommen. Václav Luks und seine versierten Kräfte setzen die Reihe ihrer hochwertigen Zelenka-Einspielungen nahtlos fort.

Václav Luks und sein versiertes Collegium 1704 versorgen den Plattenmarkt verlässlich mit interessanten Programmen aus der Feder des im barocken Dresden aktiv gewesenen Böhmen Jan Dismas Zelenka, der auch dank dieses großen Engagements der Gegenwart in vielen seiner künstlerischen Facetten wieder deutlicher vertraut ist. Aktuell liegt eine Platte mit Werken vor, die der Verehrung des Heiligen Franz Xaver gewidmet sind. Diese Hinwendung zu Franz Xaver verdankt sich deutlich der Habsburger-Prinzessin Maria Josepha, die als Schwiegertochter Augusts des Starken die Verehrung dieses Heiligen als eines persönlichen Schutzpatrons mit an den sächsischen Hof brachte – was sich auch im kirchenmusikalischen Schaffen der dortigen Musiker niederschlug.

Zelenka lässt sich hier mit zwei Xaver-Kompositionen hören, mit der 'Missa Divi Xaverii' ZWV 12 und mit der 'Litaniae de Sancto Xaverio' ZWV 156. Die Messe ist mit Chor, vier Vokalsolisten, vier Trompeten, je zwei Flöten und Oboen, dazu Fagott, zwei Violinen, Alt- und Tenorviola und Basso continuo ausgesprochen reich und farbig besetzt. Der Satz ist kurzweilig, die Anlage bei aller Größe nicht ausufernd, getragen von reichem Geschehen in Neben- und Begleitstimmen. Viel elegant geformte Energie bricht sich Bahn in der gelockerten Anlage des steten Wechsels von chorischen und solistischen Anteilen. Die Arien sind pointiert und charaktervoll, auch mit feinen obligaten Zeichnungen nobilitiert. Zelenka bietet Gefälliges mit Widerhaken, mit sympathischem Eigensinn, etwa in etlichen prägnanten Fugenköpfen von teils erratischer Linearität.

In der Litanei gewinnt er der vergleichsweise starren textlichen Form einen bemerkenswerten Reichtum an Nuancen ab: Das Barock kennt etliche Beispiele, in denen eine Litanei eher freudlos exekutiert denn wirklich inspiriert vertont wurde. Das ist hier deutlich anders, Zelenka findet zu originellen Lösungen, baut die auch hier üppigen instrumentalen und vokalen Mittel zu erstaunlichen Klangmanifestationen auf. Wer den auch reichlich dem Jesuitenorden huldigenden Text im vorzüglichen Booklet liest, kann angesichts der glühenden Verehrung, die sich da mitteilt, durchaus irritiert sein. Allein: Zelenka dürfte den Geschmack seiner Auftraggeber mit der musikalischen Anverwandlung deutlich getroffen haben.

Experten unter sich

Václav Luks hat sich in den vergangenen Jahren mit seinem Collegium 1704 einen hervorragenden Ruf erspielt, natürlich immer wieder mit Zelenka, zuletzt aber auch mit einer formidablen h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Das Ensemble spielt auch hier edel, sehr kultiviert im Klang, technisch hervorragend, mit vielen exzellent modellierten Details, in einem wachen, höchst aktiven Zusammenspiel. Artikuliert wird mit aller wünschenswerten Befähigung zur Differenz, dynamisch wird die gesamte Breite der Besetzung fruchtbar gemacht, wird die kompositorische Faktur gezielt für starke Wirkungen genutzt – ohne freilich die vielen feinen Konstellationen zu vernachlässigen.

Das Collegium Vocale 1704 singt mit seinen 17 Vokalisten – die Solisten sind darin eingeschlossen – gelenkig, enorm klangsensibel und durchsichtig, sehr souverän im Virtuosen, mit dem Zelenka seinen Chor immer wieder fordert. Vokalsolistisch ragt Hana Blažiková heraus: Was sie im Barockfach singt, wird in aller Regel zu klingendem Gold, sie glänzt auch hier. Der Bassist Stephan MacLeod agiert ebenfalls weit überdurchschnittlich und mit dem aus seiner bisherigen Karriere wohlvertrauten Charme. Die Altistin Kamila Mazalová und der Tenor Václav Čížek setzen das weitgehend bruchlos fort, vielleicht nicht ganz mit dem individuellen Glanz der Vorgenannten. Lucile Richardot ist in zwei Alt-Arien zu hören und erweist sich als deutlich stärkere Solistin, mit einer fast Counter-ähnlichen Fülle. Immer wieder sind charmante und expressive Duette und Ensembles zu erleben.

Das Klangbild ist luzide, mit einer sehr klaren Disposition der Strukturen durch alle Register hindurch. Dazu ist eine fein und passend dosierte räumliche Komponente zu erleben, die dem Ganzen Noblesse und Gewicht verleiht.

Es ist immer wieder eine große Freude, Einblick in Zelenkas umfängliches Schaffen zu bekomme. Václav Luks und seine hochversierten Kräfte setzen die Reihe ihrer hochwertigen Zelenka-Einspielungen nahtlos fort.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Zelenka, Jan Dismas: Geistliche Werke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
04.03.2016
EAN:

4015023243019


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Zelenka, Jan Dismas


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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