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Dienstag, 11. Dezember 2018

Reger, Max - Das gesamte Orgelwerk Vol. 4

Komplett


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bernhard Buttmann erweist sich als hervorragender Disponent der reichen Möglichkeiten, er stellt die Musik Regers und die Instrumente gleichermaßen vor, demonstriert natürlich auch seine stupenden manuellen Fähigkeiten. Ein würdiger Abschluss der Reihe.

Jetzt liegt bei Oehms die vierte Box im Rahmen der Gesamteinspielung des Orgelwerks Max Regers vor, wiederum mit vier randvollen Platten. Bernhard Buttmann versammelt hier noch einmal prägnante Großwerke, kontrastiert mit einer ausgreifenden Folge von hauchzarten Choralvorspielen und einigen Sammlungen durchaus disparat angelegter Sätze.

Zur ersten Kategorie zählen die Variationen und Fuge über ein Originalthema fis-Moll op. 73, ein Werk, das Reger auf Wunsch Karl Straubes geschrieben hatte – als Choralfantasie ohne Choral, damit es auch in überwiegend katholischen Gebieten problemlos aufführbar war. Schon die Introduktion deutet an, wie vielgestaltig und farbenreich es hier zugehen wird. Motivischer Ausgangspunkt ist dann ein wirklich schönes Originalthema mit elegischem Potenzial, von dem sich die Variationen oft in etlicher Entfernung bewegen: Es ist schon bewundernswert, wie konsequent Reger das Potenzial des Themas auslotet, mit welch ausdauernder Fantasie. Die Fuge fungiert dann als strukturell klare Ansage nach über zwanzig Minuten variativer Kunst.

Auch 'Introduction, Passacaglia und Fuge' e-Moll op. 127 beeindruckt mit Größe – damit auch seiner ursprünglichen Bestimmung für die riesige Sauer-Orgel der Jahrhunderthalle in Breslau entsprechend. Doch auch die hier wie bei op. 73 erklingende Sauer-Orgel des Berliner Doms bietet reiches Potenzial für die beiden Werke und unterstreicht die Qualität dessen, was in jenen Jahren an unbedingt konzertfähigen Instrumenten gebaut wurde. Opus 127 kennt natürlich den klanggestisch auftrumpfenden Reger des Plenums, doch greifen immer wieder resignative, beinahe verlöschende Momente Raum. Die Passacaglia unterstreicht dann den Eindruck, dass wohl niemand außer Reger variative Reihungsformen mit mehr durchdringender Phantasie, zugleich mit größerer Konsequenz gestaltet hat – einfach beeindruckend.

Die 'Vier Präludien und Fugen' op. 85 sowie die Suite Nr. 2 g-Moll sind bestimmt von maßvoller Dichte, hier dominiert ein eher vergleichsweise schlichter Klang, natürlich in intrikatem Satz, aber doch überschaubar in Dimension und Expressivität – beinahe maßvoller Reger, mit dem häufig in den stilleren Stücken zu erlebenden spröden Charme. Beide Werke werden auf der aus dem Jahr 1913 stammenden Steinmeyer-Orgel der Weihnachtskirche in Berlin-Haselhorst gespielt, die mit ihrer schlanken Kraft und ihren reichen Möglichkeiten zu feiner Differenz ein überaus geeignetes Instrument für die Zyklen ist.

Phantasie und Fuge d-Moll op. 135b ist ein Richard Strauss gewidmetes Werk, das Bernhard Buttmann in der gekürzten Fassung spielt – freilich gibt es inzwischen Erkenntnisse über die nicht einfache Entstehungsgeschichte des Werks, das heute durchaus in der ungekürzten Fassung gespielt wird. Doch hält Buttmann die gekürzte Version für das stärkere Stück, mit besserer Wirkung. Und für ihn liegt die vornehmste Aufgabe eines Interpreten darin, ein lebendiges Bild der Musik Regers zu liefern, für die Gesamtheit des Orgelwerks zu werben – da kann kleinliche Beckmesserei zurückstehen, wiewohl sie intellektuell begründet sein mag. Auch die Stücke für Orgel op. 145 spielt Buttmann neben op. 135b auf der 1910 entstandenen Link-Orgel der Ulmer Pauluskirche, einem gewaltigen Instrument mit unfassbar vielseitigen Registeroptionen: So ein reich bestücktes Pedal, so kraftvolle Werke – vielseitig und kernhaltig gleichermaßen – gibt es in dieser Intensität und harmonischen Fügung nicht häufig zu hören. Opus 145 ist eine durchaus merkwürdige Sammlung: Sie vereint nebeneinander sehr verschiedene Sphären, mit Sätzen zum Kirchenjahr, die mit Weihnachten, Passion, Ostern und Pfingsten überschrieben sind, die sich ausnehmend stimmungsvoll und mit vielen Zitaten bekannter Choräle präsentieren. Daneben sind die Trauerode, der Dankpsalm und besonders die Siegesfeier mit ihrem vordergründigen Prunken, mit der Einbeziehung zum Beispiel des Chorals 'Lobe den Herren' und schließlich dem apotheotisch überhöhten Deutschlandlied Beispiele für die unselige Verquickung geistlicher und weltlich-kriegerischer Sphäre, die heute unangenehm berührt.

Zu erwähnen ist neben den 'Neun Stücken' für Orgel op. 129, die zwei geschlossene Paaren von Präludien und Fugen beinhalten, dazu Reihungssätze und unter Titeln wie 'Melodia', 'Capriccio' oder 'Intermezzo' auch Charakterstücken nicht unähnliche Sätze, vor allem die ausgreifende Sammlung mit 30 kleinen Choralvorspielen op. 135a: Hier deutet Reger mit bemerkenswert leichter Hand – selbstverständlich immer noch reich an Tiefe und Struktur – einen schönen Ausschnitt aus dem großen Reichtum der traditionellen Choräle, in zarten Tönen, mit viel Fantasie, geradezu behutsam. Das geschieht auf der Koulen-Orgel von 1911in Hausham, einer intimen Schönheit mit ansehnlichem Reichtum an Farben und Nuancen, auch mit elegant erblühender Kraft – einfach ein sehr passend dimensioniertes Instrument für diese Musik

Bernhard Buttmann erweist sich in diesem vierten Teil seiner Gesamteinspielung als geduldiger Zeichner auch feiner Klangcharaktere, auf die es hier besonders ankommt. Er differenziert das Feine, unterstreicht die Qualitäten der Kompositionen wie die der Instrumente. Letzteres muss als ein besonders gelungener Aspekt dieser Gesamteinspielung gelten: Die Wahl der Instrumente, die Mit-Interpretation auch durch die instrumentale Ebene, die neben viel klingender Größe auch einige Schönheiten des zweiten Blicks offenbarte. Mit Orgeln von Sauer, Seifert oder Link kamen große zeitgenössische Instrumente aus Regers Zeit zu Gehör, ebenso wie mit Schmid oder Klais Bauten der Gegenwart.

Buttmann ist einmal mehr ein hervorragender Disponent der reichen Möglichkeiten, er stellt die Musik Regers und die Instrumente gleichermaßen vor, demonstriert natürlich auch seine stupenden manuellen Fähigkeiten. Ein würdiger Abschluss der Reihe.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Reger, Max: Das gesamte Orgelwerk Vol. 4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
4
20.03.2016
EAN:

4260034868540


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Reger, Max


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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