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Montag, 20. Mai 2019

Gesualdo, Carlo - Death for Five Voices

Lebende Tote


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Im Bestiarium der Musik ist Gesualdo eines der seltsamsten Geschöpfe.

Der Neue Deutsche Film ist tot: Wim Wenders’ Karriere endet mit den achtziger Jahren. Um Volker Schlöndorff ist es nicht besser bestellt. Der wildeste Geist jener Jahre, Hans-Jürgen Syberberg, hat sich ans Ende der Welt, nach Pommern, zurückgezogen. Werner Herzog zumindest ist gut im Geschäft. Seinen Erfolg verdankt er zum großen Teil Roger Ebert, der, voller ehrlicher Begeisterung, für Herzog die Trommeln rührte. Ebert lebt nicht mehr.

Werner Herzogs Musikgeschmack war immer schon fatal. Die frühen Meisterwerke wie ‚Aguirre‘ wurden mit unappetitlichen Klangsoßen übergossen. Für Musikdokumentationen scheint der Meister nicht prädestiniert. Allein ‚Gesualdo – Death for Five Voices‘ liefert wunderbar morbide Bilder, mancherlei Beispiele hingebungsvollen Musizierens und intelligente Kommentare. Herzogs Nemesis – der tief empfundene Kitsch – ist gebannt.

Gesualdo wird als Dämon, Alchemist, Nekrophiler und Mörder vorgestellt – für einen Musiker günstige Voraussetzungen. Es war eine Frage der Zeit, bis Gesualdo Herzogs Interesse wecken würde. Nun ist Herzog kein Stilist, doch ein Entdecker verstörender, beseligender Bilder. An solchen herrscht kein Mangel. Schnitt und Kamera verraten die gelassene Kunst eines Veteranen. Das Tempo der Erzählung ist angenehm ruhig. Es öffnet Räume. Aus der Menge der ZDF-Kulturfilme ragt dieser heraus. Arthaus macht ihn nach zwanzig Jahren verfügbar.

Herzog hat Originalschauplätze der schaurigen Vita aufgesucht, darunter Neapel und das kampanische Gesualdo. Wie stets firmiert der Regisseur als Erzähler, in bayerischem Englisch und bayerischem Deutsch. Als musikalische Gewährsleute wurden Gesualdo Consort of London und Il complesso Barocco herangezogen. Gesualdo wird als Magier rauschhafter Chromatik vorgestellt, Tristans Seelenverwandter.

Die filmische Erzählung schreitet während der ersten halben Stunde in geordneten Bahnen voran, durchaus nicht unkonventionell. Dann kommt die Katze aus dem Sack: Milva höchstselbst taumelt durch eine Ruine. Sie stellt sich als ‚Reinkarnation‘ der schmählich hingemordeten Frau Gesualdo vor. Ihre hemmungslose Theatralität frappiert. Zur Untoten ist sie zweifellos prädestiniert. Wie viele Male hat sie Abschied genommen …

Nach diesem Zwischenspiel geht es weiter, als sei nichts geschehen. Für solcherlei Störfälle und Epiphanien sind Herzog Kränze zu flechten.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gesualdo, Carlo: Death for Five Voices

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
11.03.2016
EAN:

807280920895


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Gesualdo, Don Carlo


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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