> > > Liszt, Franz: Piano Works Vol.3
Freitag, 6. Dezember 2019

Liszt, Franz - Piano Works Vol.3

Dem Klangzauber des Transzendenten verfallen


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Viele Pianisten haben sich an ihnen versucht, spieltechnisch sind sie ihnen vielleicht gerecht geworden. Aber die Etudes d?exécution transcendante von Franz Liszt sind glücklicherweise mehr als nur reine Virtuosenstücke. Bermann, Cziffra und Arrau haben ihren Charakter wohl am ehesten wiedergegeben, viele andere Interpretationen bleiben leider nur an der Oberfläche. Und dann kommt ein ?erst 38-jähriger Chilene? und reiht sich mit seinem Spiel in die Reihe dieser Großen ein.

Alfredo Perl ist einer der führenden Pianisten seiner Generation. Seit seinem ersten Auftritt mit neun Jahren in Santiago de Chile, seien Studien dort bei Carlos Botto, später in Köln bei Günter Ludwig und Maria Curcio in London hat er nicht nur bei bedeutenden Wettbewerben Preise eingesammelt wie andere vielleicht ?Reiseandenken?, seine Einspielung sämtlicher Sonaten und der Diabelli-Variationen von Beethoven machte Furore, ließen das Publikum sowie die Kritiker aufhorchen. Sein Konzertrepertoire beinhaltet das gesamte Spektrum der Solo-Klavierwerke, vielbeachtet waren die Aufführung sämtlicher Klavierkonzerte von Beethoven mit den Münchner Symphonikern im Jahr 2002 sowie seine Interpretation des zweiten Klavierkonzertes von Mendelssohn mit dem Gewandhausorchester Leipzig unter Herbert Blomstedt. Kammermusik von Brahms und Beethoven bis zu Griegs Klavierkonzert nahm er auf, aber auch die Symphonie Concertante von Szymanowski gibt es von ihm auf CD gebannt.

Mit dem Vol.3 der Reihe mit ausgewählten Klavierwerken von Franz Liszt ist Alfredo Perl nun etwas gelungen, was man ihm gewünscht hatte, was aber nicht unbedingt zwangsläufig geschieht. War der Teil 1 mit Werken wie dem ?Mephisto-Walzer?, der ?h-moll Ballade? und ?Benediction de Dieu? zwar wohlwollend aufgenommen worden wegen der Transparenz der Kompositionsstruktur, der analytischen sowie virtuosen Bewältigung des Klaviersatzes, besonders das ?Sposalizio? aus den Deuxième Annèe de Pèlerinage ließ klanglich aufhorchen, so zeigte sich im Teil 2 neben der technischen Meisterschaft eine deutliche Steigerung auf klanglichem Gebiet. In den ?Petrarca-Sonetten? zeigte sich Alfredo Perl von einer unglaublich reifen und zugleich sinnlich inspirierten Seite. Im Mai 2003 erschien dann der mit Spannung erwartete Teil 3, der erstmals einem einzigen Zyklus gewidmet war, den ?Etudes d?exécution transcendante?.
Und mit dieser CD hat sich Alfredo Perl seinen Platz in der Riege der großen Liszt-Interpreten endgültig erobert. Denn ihm gelingt hier quasi das Sprengen der äußersten spieltechnischen Fesseln, das Erschließen der Inhalte hinter den ?unzähligen? Noten.

Für den Zuhörer ergibt sich eine fast metaphysische Hörerfahrung, die man bei vielen anderen Einspielungen vermisst. Dies beginnt schon in der ersten Etüde, wo neben mit großen Virtuosität sämtliche Register ausprobiert, seine Anschlagskultur mit allen Facetten der klanglichen Möglichkeiten des Instrumentes anpasst. In der dritten Etüde ?Paysage?, spielt Alfredo Perl mit einem wunderbaren Legato dieses fast pastorale Gemälde. Ein großer Wurf gelingt ihm dann mit dem Werk, das wohl das bekannteste dieses Zyklus ist. Selten ist die vierte Etüde ?Mazeppa? so dramatisch und gleichsam überirdisch eingespielt worden. Fast unmöglich erscheinende Temposteigerungen, wobei die brillanten Terzläufe wunderbar klar und sauber gespielt werden, machen jede neue Strophe zu einem Erlebnis. Melodische und harmonische Varianten arbeitet Alfredo Perl sehr sensibel heraus, indem er sehr vorsichtig pedalisiert, den Klang des Instrumentes sehr farbenreich abstuft. Liest man die Äußerungen Busonis zu diesem Etüdenzyklus, so muss Alfredo Perls Interpretation ein weiteres Lob ausgesprochen werden. Denn er sucht ?und findet- in den einzelnen Etüden jenseits der spieltechnischen Bravour nach fast metaphysischen Inhalten, so wird z.B. die Etüde Nr.9 ?Ricordanza? zu einer wahren Studie hintergründiger Klangwelten mit ausgeprägtem Feingespür für die hineingebettete Melodie. In den restlichen Etüden ist dann alles vorhanden, was man sich nur wünschen kann. Das Spiel des Pianisten klingt so, als wenn es für ihn keine technischen Schwierigkeiten gäbe, die andere zur Verzweiflung treiben können.
Sextakkordfolgen, figurale Verzierungen, Oktavläufe, Tremolofolgen, alles erklingt in der für die Klaviersprache des Komponisten charakteristischen Art. Nicht als virtuos überzogene Bravourstücke spielt Alfredo Perl die Etüden, sondern als poetisch inspirierte Musikwerke mit jeweils differenziertem Charakter.

Für den Zuhörer ist diese Einspielung, die trotz der Unterschiedlichkeit der einzelnen Werke doch einen inneren Zusammenhang zeigt, eine Bereicherung des Musikerlebens, für den Pianisten wird sie in seiner Diskographie eine besondere Stellung einnehmen. Vielleicht beschäftigt sich Alfredo Perl ja bei seinem nächsten Projekt genauso einfühlsam mit den kompletten ?Jahren der Reise?, als Musikliebhaber kann man sich dies nur wünschen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Axel Engels,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Liszt, Franz: Piano Works Vol.3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
01.01.2012
69:40
1999
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4260034862579
OC 257


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Liszt, Franz


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Interpret(en):Perl, Alfredo (Piano)


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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