> > > Schmitt, Maximilian: Wie freundlich strahlt der Tag
Montag, 17. Dezember 2018

Schmitt, Maximilian - Wie freundlich strahlt der Tag

Mit großer Ernsthaftigkeit


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wer lyrische Tenor-Hits und Raritäten der Romantischen Oper mit Stilgefühl und großer Ernsthaftigkeit genießen möchte, ist mit dieser CD gut beraten.

Maximilian Schmitt ist seit einigen Jahren ein gefragter Liedinterpret, versierter Oratoriensänger und ein zu Recht gefeierter Mozart-Tenor, der mit einer ausnehmend klangschönen lyrischen Stimme aufhorchen lässt. Die vor kurzem erschienene Einspielung von Mozarts 'Die Entführung aus dem Serail' unter der Leitung von René Jacobs profitiert in hohem Maße von Schmitts einnehmender und prachtvoller Interpretation des Belmonte.

Man sollte Maximilian Schmitt aber nicht auf Mozart, Bach und Liedgesang reduzieren. Dass er auch in der deutschen Romantischen Oper zu Hause ist, beweist er in seinem bei Oehms erschienenen aktuellen Album mit dem Titel 'Wie freundlich strahlt der Tag', in dem er Arien aus sowohl bekannten als auch eher selten gespielten Opern von Heinrich Marschner, Friedrich von Flotow, Albert Lortzing, Otto Nicolai, Franz Schubert, Carl Maria von Weber und Richard Wagner zu Gehör bringt.

Nicht alle Titel geraten dem Sänger gleich überzeugend, die meisten aber sind in Schmitts Interpretation schlicht betörend schön gesungen. Gerade jene Arie auf dem Album, die man mit einem fraglos lyrischen Tenor nicht sofort in Verbindung gebracht hätte, fesselt in ihrer Schlichtheit und Eleganz fast am meisten: Rienzis Gebet aus Wagners gleichnamigem Frühwerk. Man hat hier Stimmkaliber wie Bernd Aldenhoff, René Kollo oder Hans Hopf im Ohr, die den "letzten der Tribunen" mit einer kräftig heldischen Note ausgestattet haben. Bei Maximilian Schmitt kommt in effektvoller Art und Weise die Zartheit von Wagners Komposition zum Tragen, das 'Allmächt'ger Vater' ist ein wirklich inniges Gebet, kein mühevoll introvertierter Schlachtruf. Schmitts Tenor strahlt mit hellem, jugendlichem Glanz und behält dabei seine lyrische Grundierung.

Um diese musikalische Intimität zu erreichen, sind das WDR Sinfonieorchester Köln und ihr Dirigent Patrick Lange dem Solisten kongeniale, sensible Partner. Mit samtenem Streicherklang und glänzenden Bläsern lassen sich die Musiker voll und ganz auf die emotionale Vielschichtigkeit der ausgewählten Werke ein. Nach Kitsch klingt es nie, dafür sorgt vor allem Patrick Lange mit einer feinen Balance zwischen struktureller Durchsichtigkeit und dezentem Sentiment.

Im titelgebenden 'Wie freundlich strahlt der Tag' aus Friedrich von Flotows 'Alessandro Stradella' will der Funke allerdings nicht so recht überspringen. Schmitts Gesang wirkt distanziert und bisweilen leicht unterkühlt. Mit hörbarer Disziplin ist der Sänger um eine ruhige, schlanke Stimmführung bemüht, dabei bleibt aber auch das Gefühl auf der Strecke. Die Interpretation klingt zweifellos schön und elegant, aber Schmitt fährt mit angezogener Handbremse. Ähnlich unbeteiligt lässt den Hörer Edgars 'Wie ein schöner Frühlingsmorgen' aus Heinrich Marschners 'Der Vampyr' zurück. Wer hier Donald Grobe im Ohr hat, weiß, wie intensiv diese Arie klingen kann, ohne in vokale Massivität zu verfallen.

Wunderbar ätherisch und schmachtend gelingt Maximilian Schmitt dafür die Fenton-Arie aus Nicolais 'Die lustigen Weiber von Windsor', deren unangenehm hohe Tessitura dem Künstler keinerlei Probleme bereitet. Der emotional leicht zurückhaltende Tonfall Schmitts passt auch glänzend zum Opernschlager des Marquis Chateauneuf aus 'Zar und Zimmermann', der hier herrlich blasiert und autistisch sein "flandrisch Mädchen" besingt.

Ungewohnt lyrisch ist der 'Freischütz'-Max, aber umso glaubwürdiger. Mit Maximilian Schmitt steht hier wirklich ein unsicherer junger Jägerbursche, den die Verzweiflung quält. Wo schwerere Stimmen sich schnell fest singen, bleibt Schmitts Stimme agil und ist in der Lage, Zwischentöne und -farben zu kreieren. Ein richtiger Hinhörer ist Adolars luftiges 'Unter blühenden Mandelbäumen' aus Webers 'Euryanthe'.

Dass Schmitts Tenor bei allem lyrischen Schmelz und Eleganz auch Tendenzen zu dramatischeren Partien zeigt, klingt in der Arie aus dem 'Freischütz' schon deutlich an. Auch in Schuberts viel zu selten gespielter Oper 'Fierrabras' weiß Schmitt hörbar um die dramatische Situation. Zwei weitere Ausschnitte aus Wagner-Opern sind eine klingende Besetzungsempfehlung: der Steuermann aus dem 'Fliegenden Holländer', den Maximilian Schmitt bereits verkörpert hat, und Walther von der Vogelweide im 'Tannhäuser'. Da Letzterer nur wenig repräsentative Soli im 'Tannhäuser' zu singen hat, fällt der gewählte Ausschnitt aus dem zweiten Akt leider auch relativ kurz aus und bleibt eben ein Vorgeschmack auf Dinge, die da kommen dürfen.

Das vorliegende Arien-Album ist trotz kleinerer Einschränkungen ein sehr persönliches Statement eines vielversprechenden Künstlers. Wer lyrische Tenor-Hits und Raritäten der Romantischen Oper mit Stilgefühl und großer Ernsthaftigkeit genießen möchte, ist mit dieser CD gut beraten.


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    Schmitt, Maximilian: Wie freundlich strahlt der Tag

Label:
Anzahl Medien:
OehmsClassics
1
EAN:

4260330918369


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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