> > > L'arpa Barberini: Werke von Frescobaldi, Rossi, Kapsberger, u.a.
Freitag, 21. September 2018

L'arpa Barberini - Werke von Frescobaldi, Rossi, Kapsberger, u.a.

Eleganz und Würde


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wie es in römischen Palästen vor vierhundert Jahren klang: Margret Köll und Roberta Invernizzi mit frühbarocker Musik für Sopran und Harfe.

Tonträger mit Recitals von Violine, Cello, Klavier sind keine Seltenheit. Rarer dürften Portraits bestimmter Instrumenten-Exemplare sein – noch dazu im Fall der Harfe. Einem herausragenden historischen Instrument wie der sogenannten Barberini-Harfe eine ganze CD zu widmen, ist schlüssig. Jene wurde um 1620 für die römische Patrizierfamilie der Barberini gebaut und erlaubt mit ihren drei Saitenreihen chromatisches Spiel – zu jener Zeit ein zentraler Punkt bei der sogenannten Wiederentdeckung antik-griechischer Musik.

Nobel gedecktes Glitzern

Das prachtvolle Instrument ist bis heute fast unverändert erhalten – auf dieser beim Label Accent erschienenen CD ist indes ein Nachbau aus dem Jahr 2007 zu hören. Mit Margret Köll agiert eine Harfen-Spezialistin aus dem Alte-Musik-Bereich. Und es erklingt Musik, die vielleicht schon vor vierhundert Jahren auf der originalen Harfe der Barberinis ertönte: römischer Frühbarock.

Mit der silbrigen Höhe, der weich ansprechenden Mitte und der kernigen Tiefe der Harfe zaubert Köll eine ganz eigene Klangräumlichkeit, in der Vorder- und Hintergrund vielfach ineinandergeschachtelt sind, ein nobel gedecktes Glitzern und Funkeln, in dem selbst Bekanntes in neuem Licht erscheint, so die – sonst zumeist auf Orgel oder Cembalo zu hörenden – Werke Girolamo Frescobaldis. Die Chromatik seiner 'Fantasia' wirkt expressiv und streng zugleich. Die 'Toccata ottava' klingt ähnlich ausdrucksvoll, aber geschmeidiger; Köll phrasiert durch Forte-Piano-Wechsel sehr plastisch, betont die Dissonanzen. Die 'Canzona' erscheint demgegenüber heiter, beschwingt, aber in ihrer kunstvollen Satztechnik keineswegs leichtgewichtig.

Würdevolle Eleganz

Wären nicht die Werke Frescobaldis und die ebenso zarte wie unverwüstliche 'Toccata arpeggiata' von G. G. Kapsberger, könnte man meinen, dass die Harfe sich als Begleit- fast noch besser denn als Soloinstrument macht – zumindest, wenn, wie hier, eine Sopranistin der Klasse von Roberta Invernizzi hinzutritt. Zu bewundern ist die musikalische Intelligenz, mit der sie die Monodien von Orazio Michi dell’Arpa und Luigi Rossi zu kleinen, geschlossenen Szenen formt. Neben und mit Invernizzis präsentem, wunderbar expressivem, sehr charakteristisch timbriertem Sopran gibt die Harfe Struktur, setzt Akzente, unterstreicht die rhetorisch-klangmalerischen Momente des Solo-Parts.

Die beiden Musikerinnen verstehen, der Musik etwas von jener sinnlich-würdevollen Eleganz zu geben, die der ruhigen, doch raffinierten Architektur des Barberini-Palastes eignet, welche die Fotografien in dem schön gestalteten und bebilderten Booklet der CD vergegenwärtigen. Schade übrigens, dass da manches unverbunden nebeneinander steht – was dem Betrachter z.B. die Röntgenfotografien des Instrumentes sagen sollen, bleibt offen. Statt ihrer hätten sich manche Hörer vielleicht Informationen zu den Interpretinnen gewünscht. Schade auch, dass die Autoren der (italienisch und englisch abgedruckten) Arien-Texte nicht genannt werden. Diese Kritikpunkte wiegen aber nur leicht bei dieser im Ganzen schönen und runden Produktion.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    L'arpa Barberini: Werke von Frescobaldi, Rossi, Kapsberger, u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
05.02.2016
EAN:

4015023243101


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Anonymous,
Frescobaldi, Girolamo
Kapsberger, Giovanni Girolamo
Rossi, Luigi


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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