> > > Martinu, Bohuslav: Suiten aus Spalicek / Rhapsody-Concerto
Freitag, 23. Februar 2018

Martinu, Bohuslav - Suiten aus Spalicek / Rhapsody-Concerto

Farbenfrohes Panorama tschechischer Märchen


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit der vorliegenden Einspielung vermittelt das Estonian National Symphony Orchestra dem Zuhörer ein umfangreiches und sowohl virtuos als auch leidenschaftlich präsentiertes Kaleidoskop tschechischer Märchen und Sagen. Empfehlenswert!

Ein Zuhörer, der den beiden Suiten zum Werk mit dem bezeichnend malerischen Titel 'Ŝpalíĉek' zum ersten Mal begegnet, wird schwerlich darauf kommen, dass die Musik ursprünglich nicht als reines Instrumentalwerk, sondern als Zusammenspiel aus Tanz, Gesang und Musik konzipiert war, genauer gesagt als Opernballett. Natürlich ist die Vorstellung einer szenischen Darstellung angesichts der hier zusammengestellten Vielfalt an mal tänzerisch-feurigen, mal lyrisch-melancholischen und mal humorvoll-übermütigen Melodien mehr als naheliegend. Dennoch zeigen die Mitglieder des Estonian National Symphony Orchestras unter der Leitung von Neeme Järvi, dass die Orchesterfassung keine Reduktion des Originals ist, sondern lediglich eine andere Perspektive, die dem Zuhörer einen ebenso ausführlichen und unverstellten Blick in die tschechische Märchen- und Sagenwelt ermöglicht. Man könnte sogar so weit gehen zu behaupten, dass die reine Instrumentalfassung es dem Hörer leichter macht, sich das Werk anzueignen, da er sich vollkommen auf die musikalische Gestaltung konzentrieren und die schillernde Instrumentierung, die klangfarblichen und harmonischen Wechsel und die verschiedenen emotionalen Stimmungen viel intensiver wahrnehmen – und genießen – kann.

Meisterhafte und vielfarbige Instrumentierung

Vom ersten bis zum letzten Ton der beiden Konzertsuiten fühlt man sich mitgerissen vom Sog der verschiedenen Melodien und Tänze zu Märchen, die hierzulande teils bekannt sind – z.B. ‚Der gestiefelte Kater‘ oder ‚Cinderella‘ –, teils aber auch aus der typisch tschechischen Märchenwelt stammen wie die Geschichte von dem Steinklopfer und dem Tod oder die Legende von Dorothea. Bemerkenswert ist nicht in erster Linie die lautmalerische Komponente, obwohl sie angesichts des der Musik zugrunde liegenden Stoffes eine tragende Rolle spielt, sondern die von den Musikern präsentierte ausgeprägte Emotionalität der verschiedenen Abschnitte, die alle nahezu fließend ineinander überzugehen scheinen, obwohl die dargestellten Szenerien teils ausgesprochen gegensätzlich sind. Martinůs Orchester verfügt neben dem gewohnten Instrumentenvorrat über einen umfangreichen Schlagzeugapparat sowie ein Klavier. Diese Besetzung sorgt dafür, dass die Aussagekraft der Musik in manchen Sätzen besonders deutlich hervortritt und es auch ohne Kenntnis der zugrunde liegenden Inhalte möglich ist, sich ein persönliches Bild zu machen. Hervorzuheben ist hier beispielsweise der Ausschnitt aus dem Märchen ‚Cinderella‘ aus der ersten Konzertsuite. Vor dem Hintergrund des Märchens ist es naheliegend, den Wechsel zwischen melancholischen und tänzerischen Abschnitten darauf zurückzuführen, dass Cinderella sehnsüchtig an den Ball denkt, während sie alleine zu Hause ist und noch nicht ahnt, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Ohne dieses Hintergrundwissen sticht besonders der emotionale Gehalt hervor, der diesem Stück nicht zuletzt durch die Hinzufügung des Klavierklangs verliehen wird. Nachdem das solistische Cello in einer ausdrucksstarken und rezitativisch angehauchten Eröffnungsmelodie in den Satz eingeleitet hat, wirkt der Klavierklang nicht nur überraschend, sondern dient dazu, die melancholisch-sehnsüchtige Grundstimmung zu unterstützen und noch zu verstärken. Der Pianistin Liidia Ilves gelingt es mit einer ebenso zarten wie brillanten Anschlagstechnik, sich harmonisch in den Orchesterapparat einzugliedern und gleichzeitig die charakteristische Klangfarbe des Klaviers hervorragend zur Geltung zu bringen, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen.

Rhapsodisches Solokonzert mit neuen Ausdrucksmöglichkeiten

Den Ausklang der beim Label Chandos erschienenen Aufnahme bildet ein Werk für Solobratsche, das Martinů in seinen letzten Lebensjahren komponiert hat und das die Gattung des Solokonzerts um den Zusatz ‚Rhapsodie-Konzert‘ erweitert. Durch die freie Form, die sich in kein bestimmtes Schema pressen lässt, erhält auch der Solist Mikhail Zemtsov zusätzliche Freiheiten, die er hervorragend in die gesamte Bandbreite seiner musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten einfließen zu lassen versteht und die Wirkung auf den Zuhörer so noch verstärkt. Einige Abschnitte klingen wie Rezitative, in denen die Bedeutung jedes einzelnen Tons deutlich zu spüren ist, andere Abschnitte bestehen aus einem Dialog mit verschiedenen solistischen Orchesterinstrumenten, wobei die Viola sich gelegentlich in den Hintergrund stellt, um dem Hörer den Blick auf andere Klangfarben zu ermöglichen. Auf diese Weise scheint Martinů den herkömmlichen Anspruch eines Solokonzerts, mit dem sich in erster Linie ein einziger Künstler präsentiert, um eine deutlich orchestralere Komponente zu erweitern, was die Virtuosität und den hohen Ausdrucksgehalt der solistischen Darstellung keineswegs mindert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Martinu, Bohuslav: Suiten aus Spalicek / Rhapsody-Concerto

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
05.02.2016
EAN:

095115188521


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Martinu, Bohuslav


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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