> > > Taffanel, Paul: Fantasies - Werke für Flöte und Klavier
Mittwoch, 20. September 2017

Taffanel, Paul - Fantasies - Werke für Flöte und Klavier

Wiederbelebte Gattung der Opernfantasie


Label/Verlag: DUX
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die vorliegende Aufnahme ist ein schöner Beitrag zur immer mehr vergessen Gattung der Opernfantasie, deren Zweck als Erinnerung an Opern und ihre Melodien in Zeiten der ständigen Abrufbarkeit von Medien hinfällig ist.

Ein ganzes CD-Programm ausschließlich den Flötenwerken Paul Taffanels zu widmen, ist selten. Insbesondere die Opernfantasien Taffanels sind in Vergessenheit geraten, überraschen aber doch aufgrund ihrer feinsinnigen, raffinierten Bearbeitung und ihres fast ausnahmslos hohen virtuosen Anspruchs. Taffanel komponierte vorrangig Werke für Flöte und Klavier und gilt als der Vater der französischen Flötenschule des 19. und anfänglichen 20. Jahrhunderts mit Nachwirkungen bis in die – nicht nur französische – Flötenschule der Gegenwart. Seine Kompositionen - einmalige und beispiellose Studien für die Flötentechnik - werden folglich von Flötisten in aller Welt aufgesogen, als gelte es in ihnen ein Geheimrezept für das Flötenspiel zu entdecken. Es ist aber nicht nur die Virtuosität, die Flötisten in den Bann zieht, sondern auch der direkte und expressive Ausdruck der Werke.

Die klangliche Expressivität der jungen polnischen Flötistin Olga Leonkiewicz bei vorliegender Einspielung ist beeindruckend. Leonkiewicz ist Gewinnern des 6. Internationalen Flötenwettbewerbs in Krakau, in dessen Folge die CD entstanden ist. Allen eingespielten Werken – fünf Opernfantasien und das zweiteilige 'Andante pastoral et scherzettino' – ist eine hohe interpretatorische Überzeugungskraft gemeinsam. Selbstbewusst und klangschön musiziert Leonkiewicz mit ihrer Klavierpartnerin Kinga Firlej-Kubica. So ist die Information wenig überraschend, dass die Flötistin am Teatr Wielki in Łódź spielt, eine der wichtigsten Opernstätten Polens. Die langjährige Erfahrung am Opernhaus macht sich im voluminösen Klang der Flötistin bemerkbar. Allerdings wirkt der Klang auch sehr glatt; nur die nötigste Agogik wird eingesetzt, die Interpretation bleibt sehr eng am eigentlichen Notentext, ohne viel Raum für freies Spiel zu lassen. So fehlt es der Aufnahme insgesamt an Individualität, an eigenem musikalischen Stil, vor allem wünschenswert im 'Andante', dem einzigen Werk dieser Aufnahme, das keine Opernfantasie ist. Die Begleitung Firlej-Kubicas am Klavier ist souverän und zurückhaltend. Gelegentlich reißt die klangliche Balance etwas auseinander, wenn der starke und volle Klang der Flöte dem verhältnismäßig zurückgenommenen Klavierklang entgegensteht.

Die Aufnahme ist eine klare Repertoire-Bereicherung, denn sie präsentiert die heute nur weniger bekannten Opernfantasien des französischen Flötenmeisters. Allerdings sind natürlich längst nicht mehr alle Melodien der Opern von Ambroise Thomas, Carl Maria von Weber, Philippe Rameau und Léo Delibes bekannt sind, wie das von französischen Hörern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts anzunehmen ist. Damit steht uns die Gattung der Opernfantasie bedauerlicherweise ferner denn je und verdient auch in Zeiten der Musiküberflutung, der ständigen medialen Abrufbarkeit von Werken, wiederbelebt zu werden. So verdient vorliegende Einspielung eine klare Empfehlung. Schade ist jedoch, dass der Booklettext zum Werk Taffanels so mager ausfällt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Taffanel, Paul: Fantasies - Werke für Flöte und Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
DUX
1
05.02.2016
EAN:

5902547012285


Cover vergössern

DUX

Das polnische Label DUX wurde 1992 von Malgorzata Polanska und Lech Tolwinski, beides Absolventen der Toningenieur-Fakultät der Frédéric Chopin Musikakademie in Warschau, gegründet. Hauptanliegen war die Produktion von Aufnahmen mit klassischer Musik, wobei man von Anfang an höchste Ansprüche an künstlerische und technische Standards stellte.Viele Aufnahmen von Dux erlangten sowohl in Polen als auch im Ausland breites Interesse bei Publikum und Kritik, die sich in zahlreichen Preisen und Auszeichnungen widerspiegelt.

Ein Schwerpunkt des Labels ist natürlich das reiche musikalische Erbe Polens, das weitaus mehr umfasst als Chopin oder Penderecki. Im Katalog finden sich daher neben bekannteren Namen wie Wieniawski, Szymanowski oder Lutoslawski auch zahlreiche hierzulande bislang weniger bekannte oder völlig unbekannte Komponisten von der Renaissance bis zur Gegenwart, wie Ignaz Jan Paderewski, der Klaviervirtuose und spätere Premier- und Außenminister der Zweiten Polnischen Republik oder Stanislaw Moniuszko, ein Zeitgenosse Verdis und Schöpfer der polnischen Nationaloper. Aber auch zahlreiche polnische Künstler, Ensembles und Orchester gilt es bei DUX zu entdecken, darunter international renommierte Namen wie beispielsweise die gefeierte Altistin Ewa Podles.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag DUX:

  • Zur Kritik... Beseelt: Die begabte Violinistin Anna Wandtke hat ein sehr persönliches erstes Album aufgenommen und sich dafür mehr als einen aufregenden Gast ins Studio geholt. Weiter...
    (Maxi Einenkel, )
  • Zur Kritik... Großangelegtes Nachtstück: Zwei Konzerte zeigen Krzystof Penderecki als Meister der Kontraste und dramatischen Szenarien. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Einstiger Welterfolg: Mit 'Quo Vadis' belebt das polnische Label DUX einen einstigen Welterfolg wieder, der auch auf Tonträger eine beeindruckende Figur macht. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von DUX...

Weitere CD-Besprechungen von Marion Beyer:

  • Zur Kritik... Inspiration und Prävention: Dieses Grundlagenwerk richtet sich an alle, die praktisch mit Musik zu tun haben. Trotz des breit adressierten Zielpublikums geht es in angemessener Weise in die Tiefe. Der Abschnitt mit praktischen Übungen könnte allerdings umfangreicher sein. Weiter...
    (Marion Beyer, )
  • Zur Kritik... Mädchenhaftes Sein und Fühlen: Packende, mitreißende Interpretationen von Liedern Hugo Wolfs und Richard Strauss' und seltenes Repertoire mit Kompositionen von Ludwig Thuille sorgen für ein genussvolles, spannendes Hörerlebnis. Weiter...
    (Marion Beyer, )
  • Zur Kritik... Faszinierende Transparenz: Die Interpretation der Ausnahmecellistin Emmanuelle Bertrand verdient höchsten Respekt: Ihr musikalisches Verständnis für die Musik Debussys und Dutilleux' ist bemerkenswert, die Vielschichtigkeit ihres Celloklangs ergreifend. Weiter...
    (Marion Beyer, )
blättern

Alle Kritiken von Marion Beyer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Vier Hände für das Himmelreich: Klügere Hände sind selten zu Ohren gekommen. Weiter...
    (Dr. Daniel Krause, )
  • Zur Kritik... Referenz an Komponist wie Interpretation: Als Anfang 2015 Israel Yinon mitten im Dirigat der 'Alpensinfonie' einen Herzinfarkt erlitt und kurz darauf starb, verlor die Musikwelt einen großen Dirigenten und Anwalt der Vergessenen. Jetzt würdigt das Label cpo Israel Yinon in mehrfacher Hinsicht. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Unter der Sonne Italiens: Die Kammermusik Mario Pilatis ist von melodischer Unbefangenheit und steht in vollem Saft. Dass sie so lebendig wirkt, ist das Verdienst der drei Italinier, die für eine temperamentvolle Wiedergabe sorgen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2017) herunterladen (1880 KByte) Class aktuel (3/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Gaetano Donizetti: Streichquartett Nr. 3 in c-Moll - Allegro

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Julian Prégardien im Portrait "Das ganze Projekt ist eine Reise durch die Musik"
Julian Prégardien macht die Aufführungsgeschichte großer Werke anschaulich - und setzt Impulse für die Zukunft

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich