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Freitag, 5. März 2021

Dutilleux, Henri - Lieder und Orchesterwerke

Wer hat Angst vorm bösen Wolf?


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese spannende Aufnahme bietet unterschiedliche Ausschnitte aus dem Werk von Henri Dutilleux. Im Instrumentalen bleiben keine Wünsche offen, der Sänger der Lieder wird nicht allen Ansprüchen gerecht.

Seit seinem Tod 2013 hat sich Henri Dutilleux langsam, aber sicher im Musikleben etablieren können. Zuvor zumeist eine Spezialität der frankophonen Musiker, hat nun auch das schwedische Label BIS den Komponisten entdeckt, allerdings mit französischen Kräften. Die SACD bietet eine gelungene Mischung aus Ballett-, Film- und Vokalmusik mit Orchester und ergänzt so sinnvoll die bisherigen Produktionen auf dem Plattenmarkt.

1953 entstand Dutilleux‘ letztes Ballett 'Le Loup' (für Roland Petit) nach dem ‚La belle et la bête‘-Sujet, eine charmante, rhythmisch geschärfte, sicher sehr bühnenwirksame Partitur, die hier erstmals mit Sinfonieorchester eingespielt wird. Das fast halbstündige Werk in drei Bildern bietet eine Vielzahl an Stimmungen und erfährt hier eine herrliche, dramatisch ausgearbeitete Wiedergabe, die es umso bedauerlicher scheinen lässt, dass der Musik heute wohl nur mehr ihres eigentlichen Zweckes entkleidet dauerhafter Erfolg beschieden sein kann.

Etwas anders steht es mit den hier vorgelegten sechs Auszügen aus der Partitur zu Henri Decoins Kriminalfilm ‚La Fille du Diable‘ aus den Jahre 1945-6. Die Überführung in den Konzertsaal vermitteln der an Klangeffekten reichen Komposition eine ‚Emanzipation‘ ein veritables Eigenleben, das gerade im vorliegenden Fall (selbst mit der offenkundigen Referenz auf Ravels 'Rapsodie espagnole'), auch mit der Verwendung der Ondes Martenot, ein spannendes Konzerterlebnis verspricht. 'Trois Tableaux symphoniques' (1944-6, ebenfalls mit Ondes Martenot) des noch nicht Dreißigjährigen nach einer Bühnenmusik zu Emily Brontes ‚Wuthering Heights‘ ergänzen den Blick auf den jungen ‚szenischen‘ Komponisten Dutilleux.

Das Orchestre National des Pays de la Loire ist unter Pascal Rophé ein mehr als überzeugender Sachwalter dieser frühen Dutilleux-Werke, die ergänzt werden durch zwei Orchesterliederzyklen. Die 'Trois Sonnets de Jean Cassou' nach Gedichten eines Mitglieds der Résistance, 1954 uraufgeführt, zeigen den Komponisten auf dem Weg zu freier Tonalität. Diese Gesänge, ein ‚Gesang der Revolte‘, wie Dutilleux sie beschrieb, sind starke spätsymbolistische Kompositionen, und auch wenn Vincent Le Texier insgesamt die Stimme für ihre Wiedergabe hat, bleibt seine Wiedergabe doch etwas zu wenig erschütternd – vielleicht weil Le Texiers Timbre eher durch ihre Grenzen denn durch ihre Gestaltungsvielfalt wirkt. Es ist dies eine Stimme eines Golaud, aber eine, die leicht in Richtung des unsauberen Vibrato abdriften kann, so dass manche Töne fast wie ein Heulen klingen.

Dutilleux‘ Durchbruch als Komponist markieren die 'Quatre Mélodies' der Kriegsjahre 1941-3, die eine komplizierte Historie haben. Die Texte hatte der Bariton Charles Panzera ausgewählt, der auch die Uraufführungen sang. Hier scheint sich Le Texier mit seiner großen Stimme wohler zu fühlen, auch wenn ihm auch hier ein paar Farben fehlen, von denen das Orchester ein Übermaß aufbietet. Insgesamt sind aber die Interpretation vorbildlich (wie gesagt von den Limitationen des Sängers abgesehen), und der Aufnahmeklang unterstützt den Reichtum der Musik auf das Schönste. Wären die Gesangstexte nicht nur auf Französisch und Englisch, wären auch für das Booklet Höchstpunkte zu vergeben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dutilleux, Henri: Lieder und Orchesterwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
13.01.2016
Medium:
EAN:

SACD
7318599916514


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Dutilleux, Henri


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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