> > > Castello, Dario: Sonate Concertate in Stile Moderno 1629
Montag, 14. Juni 2021

Castello, Dario - Sonate Concertate in Stile Moderno 1629

Abwechslungsreich und farbenfroh


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble Musica Fiata überzeugt mit einer außerordentlich lebendigen Auswahl von 13 Sonaten aus Dario Castellos 'Sonate concertate in Stile Moderno'.

In einer Zeit großer musikalischer Umwälzungen nimmt der venezianische Komponist Dario Castello (vor 1600–1644) eine bedeutende Rolle als Schöpfer von Instrumentalmusik ein. Paradigmatisch hierfür sind die ‚Sonate concertate in Stile Moderno‘, die Castello 1621 und 1629 in zwei Büchern veröffentlichte und die bis 1658 nicht nur in der Lagunenstadt, sondern auch in Antwerpen mehrmals nachgedruckt wurden. Die neuartigen Merkmale dieser Sonatensammlung – die ausgiebigen und virtuosen Soli, die in der Mitte der meisten Sonaten vorkommen – stellen zum Teil hohe Anforderungen an das technische Vermögen der Ausführenden, was insbesondere dort überrascht, wo dezidiert tiefe Blasinstrumente wie Fagott und Posaune gefordert sind. Die hohen Instrumente spezifiziert Castello meist nicht näher und bezeichnet sie als ‚Soprani‘, was seinerzeit in Venedig gleichbedeutend mit Violine oder Zink (Cornetto) gewesen ist; für den Basso continuo wiederum schreibt er auf dem Titelblatt mit der Anweisung ‚per sonar nel Organo overo Clavicembalo‘ die Instrumente Orgel und Cembalo vor.

Das Ensemble Musica Fiata hält sich unter Leitung von Roland Wilson im Rahmen der vorliegenden cpo-Produktion sehr genau an diese Angaben, ergänzt das Continuo-Instrumentarium jedoch noch um Chitarrone und Harfe, wodurch sich einerseits mehr Möglichkeiten zur Artikulation unterschiedlicher Formteile durch wechselnde Instrumentation ergeben, andererseits aber auch die einzelnen Sonaten viel stärker in ihrer individuellen Farbigkeit gegenüber anderen Werken abgegrenzt werden können. Genau das scheint auch das Ziel dieser Auswahl von insgesamt 13 Stücken zu sein: Die Musikerinnen und Musiker liefern für jede einzelne Sonata eine einzigartige, klanglich auf die von Castello verfolgte kompositorische Aufgabenstellung abgestimmte Umsetzung, bei welcher das instrumentale Arsenals wie eine Farbpalette benutzt wird. Dies macht, zusammen mit einer an Besetzungskontrasten orientierten Anordnung der ausgewählten Stücke, die ganze Einspielung außerordentlich abwechslungsreich und farbenfroh.

Zum Teil liegt dies schon in den Kompositionen selbst begründet, versucht Castello doch selbst dort, wo er identische Besetzungen vorschreibt, unterschiedliche kompositorische Modelle zu realisieren. Am deutlichsten ist dies in den beiden Sonaten, die ausschließlich mit Streichinstrumenten besetzt sind: Während 'Sonata XV à 4' aus einer Abfolge homophoner und kontrapunktischer Abschnitte besteht, die vom hohen Verschmelzungsgrad von Streicherklangfarben und verwendeter Continuo-Orgel bestimmt ist, arbeitet Castello in 'Sonata XVI à 4' mit paarweise gegeneinander gesetzten Streicherduetten, die er mit Passagen in dem seit Claudio Monteverdis späten Werke typischen, rhythmisch geprägten ‚stile concitato‘ konfrontiert. 'Sonata XIII à 4' und 'Sonata XIV à 4' (jeweils für die Besetzung ‚2 soprani e 2 tromboni‘) warten wiederum mit wechselchörigen Anlagen auf und leben dabei aus dem Musizierens im Miteinander von Violin- (XIV) bzw. Cornetto- (XIII) und einem Posaunenduetts ergibt.

Demgegenüber orientiert sich der Zugang zur 'Sonata III à 2 soprani' an rhetorischen Prinzipien: Dem deutlich am Sprachduktus geschulten Zwiegespräch zweier mit Violine und Zink besetzter Melodiestimmen mit seiner freien Tempogestaltung schmiegen sich hier die begleitenden Continuo-Instrumente an , wie es ganz ähnlich auch in 'Sonata X à 3' (‚2 soprani e fagotto‘) – hier allerdings unter Beteiligung zweier Violinen – der Fall ist. Jenseits des rundum überzeugenden Umgangs mit der Instrumentation erstaunt auch die instrumentale Virtuosität der Aufnahme. So wird beispielsweise der schwierige Fagottpart von 'Sonata IX à 3' (‚2 soprani e fagotto‘) von Adrian Rovatkay am Dulzian ganz hervorragend umgesetzt, und die komplexen Posaunensoli in 'Sonata V à 2' (‚soprano e trombone‘) und 'Sonata XII à 3' (‚2 soprani e trombone') finden bei Detlef Reimers und Peter Stelzl eine klanglich einnehmende und in der Tongebung weiche Umsetzung. Auch wenn sämtliche Ensemblemitglieder durch hervorragende Leistungen überzeugen, ragen doch die beiden Cornettospieler Roland Wilson und Arno Padusch besonders hervor, zumal sie in den duettierenden Passagen einiger Werke den Klang ihrer Instrumente nahtlos miteinander verschmelzen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Castello, Dario: Sonate Concertate in Stile Moderno 1629

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
cpo
1
26.01.2016
81:36
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
761203501120
555 011-2


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Castello, Dario
 - Sonate Concertate in Stile Moderno 1629 - Sonata XIV à 4. 2 soprani e 2 tromboni
 - Sonate Concertate in Stile Moderno 1629 - Sonata III à 2 soprani
 - Sonate Concertate in Stile Moderno 1629 - Sonata XV á 4. per Stromenti d'Arco
 - Sonate Concertate in Stile Moderno 1629 - Sonata X à 3. 2 soprani e fagotto
 - Sonate Concertate in Stile Moderno 1629 - Sonata V à 2. soprano e trombone
 - Sonate Concertate in Stile Moderno 1629 - Sonata XVI à 4. Per Stromenti d'Arco
 - Sonate Concertate in Stile Moderno 1629 - Sonata XIII à 4. 2 soprani e 2 tromboni
 - Sonate Concertate in Stile Moderno 1629 - Sonata VII à 2. soprani e fagotto
 - Sonate Concertate in Stile Moderno 1629 - Sonata XII à 3. 2 soprani e trombone
 - Sonate Concertate in Stile Moderno 1629 - Sonata IV à 2 soprani
 - Sonate Concertate in Stile Moderno 1629 - Sonata IX à 3. 2 soprani e fagotto
 - Sonate Concertate in Stile Moderno 1629 - Sonata XI à 3. 2 soprani e trombone
 - Sonate Concertate in Stile Moderno 1629 - Sonata XVII in ecco. Per 2 cornetti e 2 violini


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Dirigent(en):Wilson, Roland


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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