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Sonntag, 16. Januar 2022

Ives, Charles - Orchesterwerke, Vol.2

Plastische Wirkungen


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der zweite Teil der neuen Ives-Einspielung mit dem Melbourne Symphony Orchestra unter Leitung von Andrew Davis wartet mit vier großartigen Stücken auf.

Mit ihrer rundum gelungenen Aufnahme der Sinfonien Nr. 1 und 2 haben Andrew Davis und das Melbourne Symphony Orchestra vor rund einem Jahr den Startschuss für eine neue Einspielung der Orchesterwerke von Charles Ives gegeben. Der zweite Teil der bei Chandos erscheinenden SACD-Edition knüpft nahtlos an die Qualität der ersten Produktion an. Gewichtigstes Werk ist die viersätzige Komposition 'A Symphony: New England Holidays', deren melodische Opulenz interpretatorisch nicht einfach zu handhaben ist. Davis’ Umgang mit den heterogenen, oftmals auch widersprüchlich gegeneinander geführten Farb- und Instrumentalsträngen des Orchesters vermittelt auch in diesem Fall den Eindruck großer Plastizität und zeigt, dass der Dirigent – unterstützt durch die außerordentlich gute Aufnahmetechnik und einen im Zusammenspiel exzellenten Klangkörper – auf eine an maximaler Klarheit interessierte Aufnahme zusteuert.

Überhaupt zeichnet sich der hier festgehaltene Zugang durch eine enorme dynamische Spannweite aus, die von den zartesten, kammermusikalisch gestalteten Momenten – etwa zu Beginn des Kopfsatzes – bis hin zu den tumultartig aufgetürmten Klangfeldern am Ende des dritten Satzes reicht. Dazu kommt, dass Davis eine gute Hand dafür hat, die Ives’schen Übereinanderschichtungen und Montagen von Melodiezitaten übersichtlich und plausibel zu gestalten: Er präsentiert die Musik nicht einfach als Zitatgeflecht, in dem kirchliche Hymnen, Volkslieder, patriotische Melodien, Militärmusik und Märsche ihre fröhlichen Urständ feiern, sondern er sucht an dem mitunter sehr komplex zusammengefügten Material entlang einen narrativen Faden, der ihm zur Entwicklung musikalisch sinnvoller Aufbauten dient. Dabei gelingen ihm so manche Augenblicke von fast schon magischer Intensität, so etwa, wenn in den mit Glockenklängen durchwobenen Passagen die eingewobenen Bläsersoli zu einer besonderen farblichen Intensität finden, bevor sich unter dem Einsatz von Brassband-Marschklängen ein Crescendo emporschaukelt. Hier wie an anderen Stellen arbeitet der Dirigent auch immer wieder die besondere Dramaturgie von Steigerungen heraus – besonders schön bei der emphatischen Schlussstrecke des vierten Satzes, die er anschließend überraschend verebben lässt –, steuert unter Einbeziehung eines spielerischem Umgangs mit der Rhythmik auf die musikalischen Höhepunkte hin oder lässt gelegentlich auch einfach die Klänge im Raum stehen.

Sehr deutlich kommt dies alles auch in den übrigen drei, wohl zu Ives’ bekanntesten Werken überhaupt gehörenden Stücken zum Vorschein: Hier wird jedes einzelne der geografischen Porträts aus den 'Three Places in New England' zu einer Situationsbeschreibung voller klanglicher Suggestivkraft und atmosphärischer Elemente. 'Central Park in the Dark' wiederum überzeugt durch die räumliche Tiefenstaffelung der Klangereignisse, die sich vom langsam und irregulär fließenden Hintergrundband der Streicher her entfaltet, über die darüber schwebenden solistischen Melodien verläuft und dann in das zunehmend dichter werdende Durcheinander einer Übereinanderlagerung von Musiksplittern aus dem städtischen Lebensumfeld (Ragtime-Klaviere und Marching-Band-Intonation inklusive) mündet, um nach dessen Abbruch erneut in den fernen Streicherklängen hängenzubleiben. Und nach demselben Modell gestaltet Davis schließlich auch die unabhängig voneinander verlaufenden Ereignisschichten von 'The Unanswered Question' – den kontinuierlichen choralartigen Streicheruntergrund, die gleichsam ‚fragende‘ Trompetenkantilene und die mit jedem Einsatz hektischer werdenden Einwürfe der vier Flöten –, die er fast schon zu einer im Raum schwebenden Klangskulptur formt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ives, Charles: Orchesterwerke, Vol.2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
08.01.2016
Medium:
EAN:

SACD
095115516324


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Ives, Charles


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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