> > > Gabrieli, Andrea: Sacrae Cantiones (Venedig 1565)
Mittwoch, 20. Februar 2019

Gabrieli, Andrea - Sacrae Cantiones (Venedig 1565)

Münchner Motettenkunst


Label/Verlag: Christophorus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das ensemble officium, unterstützt durch die Instrumentalisten des Ensemble Gabinetto Armonico, bietet eine Interpretation, die dem Taverner Consort, The Sixteen oder anderen internationalen Ensembles qualitativ in nichts nachsteht.

Andrea Gabrieli (1832/3–1585) stand lange im Schatten seines Neffen Giovanni Gabrieli; erst seit rund dreißig Jahren wurde sein Schaffen zunächst eher vereinzelt, dann immer dichter, aber längst noch nicht umfassend erkundet. Die Motettensammlung ‚Sacrae Cantiones‘ des Jahres 1565 sind Albrecht V. von Bayern gewidmet, und dass sie so substanziell wie hier bislang nur selten auf Tonträger präsentiert worden ist, kann keinesfalls in ihrer musikalischen Qualität begründet sein. Dass Gabrieli eng mit Orlando di Lasso befreundet war, mag bekannt sein, auch sein mittelbarer Einfluss auf die Generation nach Lasso, doch schon die Vermarktung der vorliegenden CD erweist, dass selbst im eigenen CD-Label noch unbedingt Aufklärungsbedarf besteht. Weist das Booklet eindeutig nach, dass Gabrieli erst 1566 nach Venedig ging (also nach Veröffentlichung der ‚Cantiones sacrae‘), wirbt das CD-Cover in großen Lettern mit ‚Music at San Marco‘.

Eröffnet wird die CD gleichwohl mit einer Komposition, die erst posthum im Druck veröffentlicht wurde – einem zehnstimmigen 'Laudate Dominum', das mit instrumentalen Ritornellen ein- und ausgeleitet wird. Die anspruchsvolle Komposition erfährt eine ausgesprochen klangvolle Wiedergabe. Das ensemble officium, unterstützt durch die Instrumentalisten des Ensemble Gabinetto Armonico, bietet eine Interpretation, die dem Taverner Consort, The Sixteen oder anderen internationalen Ensembles qualitativ in nichts nachsteht. Vielleicht ist der Zinkklang des Ensemble Gabinetto Armonico (Friederike Otto) um einiges wärmer als jener von Musica Fiata, doch bietet dies interpretatorisch nurmehr eine zusätzliche Komponente, die durchaus positiv auffällt.

Von den fünfstimmigen Motetten der ‚Cantiones Sacrae‘, die 1584 in dritter Auflage erschienen waren (leider erfährt man im Booklet nichts über den Gesamtumfang der Publikation, noch über die originale Reihenfolge, noch über die Erhaltungsorte des originalen Drucks, wie man es von einer historisch informierten Produktion erwarten darf) werde insgesamt zwölf dargeboten, darunter mehrere dreiteilige. Besonders positiv fällt die klare Aussprache der Interpreten auf sowie der homogene Chorklang. Im Gegensatz zu englischsprachigen Ensembles mag der Klangcharakter insgesamt deutlich weniger ‚keusch‘ klingen (vor allem weil im Altus nur ein Mann mitwirkt, im Diskant keiner), was aus der Perspektive der historisch informierten Aufführungspraxis heute nur mehr bedingt empfehlenswert ist. Akzeptiert man aber, dass aus der Not eine Tugend gemacht werden musste, hat man hier eine insgesamt äußerst stimmungsvoll-erhebende, liturgisch anrührende und interpretatorisch mitreißende Lesart. Die Aufnahmetechnik fängt die Kirchenräume in Mössingen und Tübingen als Teil der musikalischen Darbietung kongenial ein (auch ohne SACD-Produktion).


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gabrieli, Andrea: Sacrae Cantiones (Venedig 1565)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Christophorus
1
08.01.2016
EAN:

4010072773906


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Gabrieli, Andrea


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Christophorus

Christophorus ist das älteste deutsche Plattenlabel mit dem Schwerpunkt "Geistliche Musik". Es wurde 1935 gegründet, um religiöse Inhalte mittels Schallplatten und Bücher auch während des Nazi-Regimes zu verbreiten. Heute - mehr als 75 Jahre später - stehen spirituelle Themen weiterhin im Mittelpunkt des Labels, mit besonderem Interesse für unbekannte Werke und historische Interpretation. Gregorianische Gesänge, geistliche Vokalmusik, Musik der christlichen Kirchen und die Gesänge aus Taizé sind im Katalog ebenso vertreten wie Musik des Mittelalters und der Renaissance. Mit diesem Repertoire gilt Christophorus heute als eines der wichtigsten unabhängigen Labels auf dem internationalen Klassikmarkt.


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