> > > Resound Beethoven, Vol. 2: Werke von Beethoven, Pleyel, Dussek, u.a.
Donnerstag, 13. Dezember 2018

Resound Beethoven, Vol. 2 - Werke von Beethoven, Pleyel, Dussek, u.a.

Am rechten Ort


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Wiener Akademie entlüftet unter der Leitung von Martin Haselböck Beethoven Schlachtenmusik und findet zu einer sehr ansprechenden Farbigkeit.

Mit der Reihe ‚Resound‘ erkundet Martin Haselböck mit seinem Orchester Wiener Akademie die historischen Wiener Konzertsäle und ihre Verbindung zur Musik Ludwig van Beethovens. In der vorliegenden Folge sind die Musiker im Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zu Gast, wo am 8. Dezember 1813 nicht nur die Siebte Sinfonie A-Dur op. 92 uraufgeführt wurde, sondern auch 'Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria' op. 91; außerdem kamen zwei Märsche von Jan Ladislav Dussek und Ignaz Josef Pleyel zu Gehör, gespielt von Johann Nepomuk Mälzels spektakulärem ‚mechanischen Feldtrompeter‘, einem mechanischen Musikinstrument, das im vorliegenden Fall in Gestalt einer Nachschöpfung diverser Wiener Hochschulinstitute wiederbelebt wird. ‚Einmal aufgezogen‘, schreibt der Booklettext, ‚war der Automat nicht mehr zu stoppen‘. Das bedeutet, die Metrik dieser Aufführungen muss beispielhaft gewesen sein, ebenso die Abstimmung zwischen mechanischem Musikinstrument und Orchester. Pleyels 'Jubelmarsch' und Dusseks 'Braunschweig-Marsch' lassen das zweifelhafte Instrument, das ganz weit entfernt an eine mechanische Orgel erinnert, beeindruckend wieder aufleben, deren musikalischer Wert zumindest der einer Kuriosität ist.

In Beethovens 'Wellingtons Sieg' kam schlussendlich nicht Mälzels Panharmonikon zum Einsatz, vielmehr erweiterte der Komponist den Orchesterpart, so dass das prominente Publikum (unter ihm Salieri, Spohr, Schuppanzigh, Hummel und Meyerbeer) ein echtes musikalisches Ereignis ganz eigener Couleur erleben konnte. In der vorliegenden Interpretation mit dem Orchester Wiener Akademie fällt nicht nur die ausgeklügelte Klangregie auf, die Beethoven ‚mitkomponiert‘ hatte – die Musik hat trotz des kriegerischen Charakters eine Wärme, die durch die Raumakustik und die Instrumentenwahl und -spielweise gleichermaßen bedingt ist. Der spektakuläre Klang der Musik konnte das Publikum nur zu Begeisterungsstürmen hinreißen – jede Symphonische Dichtung von Franz Liszt ist musikalisch zahmer als Beethovens keineswegs zu unterschätzendes Werk. Nicht ganz so überzeugend wie die Schlachtszene gerät die sogenannte 'Sieges-Symphonie', die an mancher Stelle nicht ganz so exuberant musiziert wird, wie es möglich wäre. Sie bleibt sozusagen mit beiden Beinen auf dem Boden, hebt nicht ekstatisch ab, wie man es bei Beethoven durchaus kann und sollte (was keine Frage der Tempowahl ist). Allerdings kommt das Schlussfugato so umso klarer und überzeugender zur Geltung.

Hinter dem außerordentlichen Effekt, den die zweite Programmhälfte machte, mag die Siebte Sinfonie fast ins Hintertreffen gekommen sein. Nicht so hier in der intensiven Darbietung durch das Orchester Wiener Akademie, das, nicht zuletzt durch die Klangdramaturgie und die Farbigkeit der Instrumente, besonders lebensvolle Qualitäten bieten kann. Die Akzente werden sinnvoll zugespitzt, die Steigerungen überzeugend aufgebaut, auch die Verbindung zu 'Wellingtons Sieg' ist hörbar, ohne übertrieben zu sein. Herrlich gestalten Haselböck und seine Musiker die Bögen des langsamen Satzes, das Scherzo überschlägt sich kontrolliert-schwungvoll, ehe sich das Finale als Schwester des Schlussjubels von 'Wellingtons Sieg' erweist.

Aufnahmetechnisch ist die Produktion absolut vorbildlich. Dem entspricht leider nicht ganz der Booklettext, der an entscheidender Stelle zu oberflächlich bleibt. Insgesamt aber eine nicht nur spannende, sondern eine musikalisch und musikhistorisch ausgesprochen reizvolle Produktion, die den Wunsch nach mehr laut werden lässt. Gut so.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Resound Beethoven, Vol. 2: Werke von Beethoven, Pleyel, Dussek, u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
08.01.2016
EAN:

3760014194733


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Beethoven, Ludwig van
Dussek, Franz Xaver
Pleyel, Ignaz Joseph


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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