> > > Guilmant, Felix Alexandre: Symphonies Nos. 1 & 2
Samstag, 24. Oktober 2020

Guilmant, Felix Alexandre - Symphonies Nos. 1 & 2

Wirkungsvolle Klangverschmelzungen


Label/Verlag: Arts music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das kompositorische Schaffen des französischen Komponisten Felix Alexandre Guilmant (1837-1911) ist fast ausschließlich der Orgel gewidmet. Dieses Instrument hingegen hat er mit einer so großen Palette an Kompositionen gesegnet, dass man ihn zu den produktivsten Orgelkomponisten rechnen kann. Die auf der vorliegenden CD vorgestellten Werke für Orgel und Orchester stellen dann auch keine Originalkompositionen dar, sondern sind Bearbeitungen früherer Orgelwerke. Aus der ersten und achten von Guilmants Orgelsonaten entstanden auf diese Weise die beiden Sinfonien für Orgel und Orchester d-moll op. 42 und A-dur op. 91. Als Interludium ist der ‚Marche Élégiaque’ op. 74/1 in c-moll eingeschoben, der gleichfalls zu einer Gruppe kleinerer Orgelwerke gehört, die Guilmant nachträglich für Orgel und Orchester arrangierte.

Die Instrumentierung ist solide, wenn auch nicht glanzvoll, was aber angesichts wahrscheinlich mangelnder Erfahrung nur verständlich ist. Es gelingt Guilmant jedoch, seine Orchesterfarben gut auf den Orgelklang abzustimmen und für wirkungsvolle Klangverschmelzungen zu sorgen. Die beiden Sinfonien zeigen verschiedene Möglichkeiten einer effektvollen Verbindung: manchmal werden Orgel und Orchester blockhaft gegenübergestellt, dann wieder vereinigen sich beide Klangkörper, so wie an einer Stelle in der A-dur-Sinfonie, an der die Orgel lediglich die Bassstimme für einen Blechbläsersatz stellt.
Das Werk Guilmants ist durchaus von barocken Vorbildern beeinflusst, wie beispielsweise die kontrapunktisch unheimlich dicht gearbeitete Fuge im Finale der zweiten Sinfonie oder der häufig verwendete punktierte Rhythmus, aus pomphaften barocken Ouvertüren nur zu bekannt, nahe legen. In der Harmonik stößt man aber durchaus auf Wendungen, die der Romantik entstammen, so dass Satztechnik und Harmonik in ihrer Verbindung ein reizvolles Gemisch ergeben.

Die aus den Jahren 2001 und 2002 stammenden Aufnahmen entstanden in der Konzerthalle Bamberg, an deren Orgel Edgar Krapp zu erleben ist, begleitet von den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Vladimir Fedoseyev im Falle der ersten Sinfonie und Sebastian Weigle bei den anderen Stücken. Die Einspielung besticht durch ihre klare Aufnahmetechnik, die eine perfekte Abstimmung zwischen Orgel und Orchester gefunden zu haben scheint. Sicher trägt auch der Faktor, dass in einer Konzerthalle musiziert wurde, zu diesem Eindruck maßgebend bei, gewährleistet aber auch einen durch keinen übermäßigen Hall erdrückten oder verwischten Klang. Das ist allerdings ein zweischneidiges Schwert, denn manch einer wünschte sich vielleicht gerade den Hall einer großen Kathedrale für eine authentische Wiedergabe.

Ist der von Edgar Krapp glänzend vorgetragene Orgelpart ohnehin schon prachtvoll genug, wird dieses Klangerlebnis durch die Unterstützung des engagiert und kraftvoll musizierenden Bamberger Orchesters noch verstärkt. Zwar auch zu lyrischem Ausdruck fähig, hinterlässt das Orchester aber an den Stellen, an denen der mächtige Orgelklang mit markantem Blech und donnernden Pauken eine gelungene Synthese eingeht, den nachhaltigeren Eindruck. Die Tempi wirken überzeugend, mal mit der nötigen Ruhe, um die Pracht des Orgelklangs voll zu entfalten, dann aber auch an den kontrapunktisch gearbeiteten Stellen dynamisch vorwärtstreibend.

Neben der gelungenen klanglichen Produktion geht ein weiteres Lob an das ausführliche und gut strukturierte, ferner reich bebilderte Textheft der CD, das nicht nur Informationen über Guilmants Leben und Werk, den Organisten Edgar Krapp und die Orgel der Konzerthalle enthält, sondern auch präzise Daten zur Aufnahme bereitstellt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Guilmant, Felix Alexandre: Symphonies Nos. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Arts music
1
26.01.2005
63:43
2002
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0600554766225
47662-2

Cover vergössern

Guilmant, Félix Alexandre


Cover vergössern

Dirigent(en):Fedoseyev, Vladimir
Weigle, Sebastian
Orchester/Ensemble:Bamberger Symphoniker
Interpret(en):Krapp, Edgar (Orgel)


Cover vergössern

Arts music

ARTS wurde 1993 gegründet. Seither haben wir mehr als 6200 Tracks (das sind über 400 Datenträger) mit Klassischer Musik der letzten 5 Jahrhunderte veröffentlicht. Neben Alter Musik und Zeitgenössischem befindet sich in unserem Katalog auch Musik der größten Interpreten der letzten Jahrzehnte sowie Musik sehr erfolgreicher junger Künstler, die Ihren künstlerischen Zenith noch vor sich haben und diesen mit uns verbringen werden. Die Musikrichtungen reichen von Sakral bis Oper, Kammermusik bis Symphonik, Lied bis Operette. Große Werke Mozarts, Beethovens, Schuberts usw. sind ebenso vertreten wie Raritäten von Rossini, Verdi, Händel und vielen mehr.
Die ARTS Produkte heben sich nicht nur durch ihre exquisiten Inhalte und den herausragenden Künstlern und Interpreten hervor, sondern zeichnen sich auch durch die bisher unübertroffenen, kristallklaren 24bit/96kHz Aufnahmetechnik sowie der außerordentlichen Gestaltung der Booklets in vier bis fünf unterschiedlichen Sprachen aus.
Jedes Jahr veröffentlichen wir zwischen 25 und 30 neue Titel auf CD, Hybrid SACD, DVD-Video oder DVD-Audio, die sowohl bei der nationalen als auch der internationalen Presse großen Anklang finden.
Mit unserem starken künstlerischen Hintergrund haben wir die höchsten erstrebenswertesten Ziele erreicht: den Aufbau eines internationalen Vertriebsnetzwerkes sowie die Etablierung und Platzierung der Marke ARTS im internationalen Markt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Arts music:

  • Zur Kritik... Junge Beethoven-Interpretin: Maria Mazos Einspielung der beiden Beethoven-Sonaten opp. 53 und 57 überzeugt auf handwerklicher Ebene durch pianistische Versiertheit, entbehrt aber zeitweilig noch der künstlerischen Inspiration und Eigenständigkeit. Weiter...
    (Elisa Ringendahl, )
  • Zur Kritik... Seismograph: In unseren Zeiten akustischer Hochglanzpolitur kann der Wagemut des sizilianischen Pianisten Alessandro Mazzamuto kaum hoch genug geschätzt werden - auch wenn er manchmal fast übers Ziel hinausschießt. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
  • Zur Kritik... Gabrieli-Porträt: Musik zum Rochusfest aus der Feder Giovanni Gabrielis, in farbigem Klang geboten von den Ensembles Melodi Cantores und La Pifarescha, beide von Elena Sartori ebenso kundig wie temperamentvoll geleitet. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Arts music...

Weitere CD-Besprechungen von Christian Vitalis:

  • Zur Kritik... Bretonische Legende auf der Opernbühne: Ordentliche Aufnahme aus Liège der heute recht unbekannten Oper 'Le Roi d'Ys' von Édouard Lalo. Zwar nicht Referenzklasse-Niveau, angesichts der geringen Auswahl aber dennoch empfehlenswert, sofern man sich für die Oper interessiert. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
  • Zur Kritik... Homogener als erwartet: Eine Gegenüberstellung von Orgelwerken finnischer Komponisten und solchen von J. S. Bach und Buxtehude bietet Kari Vuola mit dieser Platte. Faktisch fallen die im Titel versprochenen Kontraste geringer aus als erwartet. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
  • Zur Kritik... Stille und Einkehr: Es sind hier drei Konzertstücke zu hören, deren Entdeckung eine lohnende Bereicherung ist. Der Japaner Toshio Hosokawa versteht sich auf Musik an der Grenze zur Stille. Gelungene Interpretationen aus Luxemburg. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
blättern

Alle Kritiken von Christian Vitalis...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Ohne Theateraura: Eine gediegene historisch informierte Lesart von Beethovens berühmter selten zu hörender Schauspielmusik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Vier Bäche und die Sinfonie: Eine wahrhaft funkensprühende Konstellation, die das Controcorrente Orchestra wunderbar ausspielt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Interessante Facetten: Vladimir Jurowski arbeitet den hohen musikalischen Anspruch von Tschaikowskys Ballettmusik 'Der Nussknacker' heraus. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2020) herunterladen (3612 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Martin Christian Schultze: Sinfonia II in G major - Allegro

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich