> > > Ensemble TrioLogie: Vol. 1: Soundscapes
Donnerstag, 11. August 2022

Ensemble TrioLogie - Vol. 1: Soundscapes

Große Bandbreite


Label/Verlag: encora
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein spannender Spaziergang durch die Welt der Mandolinen-Literatur gelingt diesem jungen Trio, das sich Ensemble TrioLogie nennt. Vom Barock bis zur Gegenwart werden die unterschiedlichsten Stationen organisch aneinandergereiht.

Zwei junge Frauen mit Mandoline und ein Gitarrist tun sich während ihres Studiums in Wuppertal zusammen und präsentieren nun ihre erste CD mit dem Titel ‚Soundscapes‘ – Klanglandschaften. Es sind wahrhaftig Landschaften, die der Hörer hier durchschreitet, und er entdeckt dabei so manches, was er wahrscheinlich nicht erwartet hätte. Die Reise beginnt ganz traditionell in der Barockmusik, mit einer 'Sinfonia' von Albinoni und endet beim 'Tango Apasionado' von Piazzolla. Dazwischen wandert der Hörer durch die Jahrhunderte, macht Station bei arabischen Wanderdünen (Harrington: 'Erg'), erlebt einen gefühlvollen italienischen Herbstmorgen im 19. Jahrhundert (Calace: 'Mattino d’autunno'), lernt etwas über die Kunst des Spielens mit dem Plektrum (Ranieri: 'L’art du Plectre') am Beispiel einer der zahlreichen Kompositionen über 'La Follia' und sieht sich schließlich einigen Zentauren gegenüber (Beer-Demander: 'Centaures'), wenigstens den vom Bildhauer Erick Vuilliers geschaffenen.

Die unterschiedlichen Stücke sind klug zusammengestellt, bauen aufeinander auf, bilden Gegensätze und zeigen die ganze Bandbreite dessen, was man heute mit der Mandoline so alles anstellen kann. Dass die drei Musiker technisch ihr Handwerk beherrschen, merkt man schnell. Was aber besonders für sie einnimmt, ist die stilistisch genaue Wiedergabe, so zum Beispiel das ‚Jeu inégal‘ im langsamen Satz von Albinoni, wie es in der barocken Aufführungspraxis üblich war. Echospiel, dynamische Entwicklungen, Themen herausarbeiten und gegen Klangflächen stellen – das alles ist vorhanden. Aus alldem entfaltet sich eine spannungsvolle Interpretation, der man gern von Anfang bis Ende folgt.

In 'Centaures' und 'Tango Apasionado' wird die zweite Mandoline durch die tiefere Mandola ersetzt, dafür fehlt in ersterem die Gitarre. Durch das Zusammenspiel von hoher und tiefer Mandoline wird der Klangraum sehr weit. Bei Piazzolla ist die Gitarre wieder mit von der Partie. Und nun zaubern Mandola und Gitarre gemeinsam einen weichen, wehmütigen Klang in den tieferen Lagen, während die Mandoline sich mit schwirrendem Ton in der Höhe verliert.

Hervorzuheben ist die vorzügliche Aufnahmequalität: Jedes Instrument ist präsent und füllt sowohl für sich als auch im Zusammenklang mit den beiden anderen Instrumenten den Raum aus – da hat die Alte Kirche in Welbergen (Münsterland), in der die Aufnahmen entstanden, eine wesentliche Rolle gespielt.

Das Booklet bietet Informationen zu allen Komponisten, von denen die meisten wohl nur den Gitarren- bzw. Mandolinen-Interessierten geläufig sind, wie etwa der Bulgare Rossen Balkanski oder der Italiener Raffaele Calace. Zu den Stücken selbst wird Wesentliches gesagt. Aus dem Text geht auch hervor, was vom Trio bearbeitet wurde. Ein Vergleich mit der jeweiligen Originalbesetzung war nicht möglich, aber das stört nicht weiter, denn alles klingt so, als ob es für diese ungewöhnliche Besetzung von Mandoline, Mandola und Gitarre in wechselnder Besetzung geschaffen worden wäre. Was will man mehr?

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Ensemble TrioLogie: Vol. 1: Soundscapes

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
encora
1
20.01.2016
Medium:
EAN:

CD
4260104940183


Cover vergössern

Albinoni, Tomaso
Calace, Raffaele
Piazzolla, Astor


Cover vergössern

encora

Das Label encora wurde 2002 im Münsterland gegründet, um zu Unrecht weniger beachtete Komponisten und seltenere Besetzungen in höchster Tonqualität aufzunehmen und zu verlegen. So haben Mandolinisten und Gitarristen sowie Akkordeonisten bei encora eine Heimat gefunden. Aber auch Standardrepertoire im Bereich der Klassik wird verlegt, wobei der Schwerpunkt bei Erstveröffentlichungen liegt.
Auch die Singer/Songwriter Markus Segschneider und Paul O´Brien sind im Katalog von encora vertreten.
Die CD/SACD "Insomnio" wurde für den Preis der deutschen Schallplattenkritik für den Jahrespreis nominiert und steht auf der Bestenliste 2.2011.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag encora:

  • Zur Kritik... Ein Flirren und Flattern, ein Quietschen und Klirren: Das Sirocco Saxophone Quartet präsentiert neue, abwechslungsreiche Kompositionen für Saxophonquartett. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Ein Auffrischen alter Stücke der Neuen Musik: Das junge Insomnio-Ensemble blickt ganz neu auf zwei Klassiker der Moderne: Schönbergs 'Pierrot Lunaire' und Boulez' 'Le Marteau sans maître'. In einer Filmdokumentation wird die Entstehung der CD beleuchtet. Weiter...
    (David Buschmann, )
  • Zur Kritik... Einheitlicher Klangkörper: Das Ensemble Insomnio entführt den Hörer dieser Einspielung in vier außergewöhnliche Klangwelten, die die Musiker mit ihrer spannenden Interpretation der zeitgenössischen Werke entstehen lassen. Weiter...
    (Benjamin Scholten, )

Alle Kritiken von encora...

Weitere CD-Besprechungen von Elisabeth Deckers:

  • Zur Kritik... Detektivarbeit: Der Komponist Mátyás Seiber ist in Deutschland neu zu entdecken. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Der Scarlatti-Sog: Die nächsten 30 Scarlatti-Sonaten von insgesamt 555 hat Christoph Ullrich eingespielt. Der Halbmarathon ist damit schon absolviert. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Der spanische Hof und die Barockmusik: Die 'Globalisierung' in Sachen Musik im 18. Jahrhundert machte auch vor dem spanischen Hof nicht halt. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
blättern

Alle Kritiken von Elisabeth Deckers...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Noch immer avanciert: Das Chorwerk Ruhr und die Bochumer Symphoniker präsentieren Musik von Stockhausen und Kagel mit Überzeugung und Vermögen – als noch immer relevante Positionen und kennenswerte Etappen musikalischer Entwicklung. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Mehr Fanny als Felix: Eine verdienstvolle Doppel-CD stellt das Liedschaffen der Schwester Mendelssohn in den Vordergrund. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Seltene Kammermusik eines Vokal-Komponisten: Anna Augustynowicz spielt mit ihrer Barockgeige eine selten aufgeführte, jedoch hörenswerte Musik, ausgezeichnent unterstützt vom Ensemble Giardino di Delizie. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7-8/2022) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich